Freitag, 20. September 2013

Das Fräulein Grete Meier denkt sich ins Detail



Das Fräulein Grete Meier denkt sich ins Detail

Wie jeden Morgen hat sich das Fräulein Grete Meier mit dem Handelsblatt und einer Tasse Kaffee hinter ihren Schreibtisch im Vorzimmer verzogen.  Schließlich muss man wissen, was sich in Deutschlands Wirtschaft alles so tut. Findet die Grete. Sagt der Chef.

Die Grete genießt die Stille im Büro, bevor alle anderen eintrudeln. Deshalb kommt sie morgens extra eine halbe Stunde früher. Mit dem Genuss war es dann allerdings nach den ersten paar Seiten vorbei. Grete blieb nämlich beim Anblick einer ganzseitigen Werbeanzeige der Kaffee im Hals stecken. Neben einem Stinkefinger prangte eine Raute. Und nicht nur das. Unter der Raute war eindeutig ein Kreuzchen gesetzt. Wie bei einem Wahlzettel. Untertitelt war das Ganze dann auch noch.
Im Zweifel für die Raute. Treffen Sie ihre Wahl. Die Unternehmensgruppe Tengelmann
Grete setzte ihre Tasse so heftig ab, dass der Kaffee überschwappte und über die Raute floss. Nein, also sowas. Da bezieht ein ganzes Unternehmen eindeutig Stellung zur Wahl. Eindeutiger geht es ja schon gar nicht mehr. Grete wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Ob die einen Regierungswechsel fürchten, weil die SPD plant, höhere Steuern für Reiche einzuführen? Hat sich der Herr Haub wohl gedacht: - "Es ist uns jedes Mittelchen recht dass zu verhindern! Lieber jetzt ein paar Tausend investiert in diese Werbung als später Millionen an Vater Staat abdrücken."-?  Schließlich gehört der ja genau der Kategorie "Superreich" an. Und die Zeit drängt. Denn so sicher wie noch vor ein paar Wochen sitzt die Merkel wohl nicht mehr auf ihrem Stuhl. Da hat auch die @schlandkette nichts genutzt. Der kleine Stinkefinger sägt doch ganz schön daran.

Die Grete goss sich frischen Kaffee ein. Den Blick von der Anzeige konnte sie beim besten Willen nicht mehr lösen. Tengelmann, Tengelmann .. das ist hauptsächlich Kaiser´s, Obi und Kik. Ausgerechnet Kik. Wo doch allgemein bekannt ist, dass die ihre Waren in Billiglohnländern herstellen lassen. Also noch nicht mal was für Deutschlands Wirtschaft tun. Und völlig unterbezahlt sollen die Angestellten ja auch sein. Und überhaupt, die ganzen Angestellten in den Läden. Wählen die auch alle die CDU? Stehen die wie eine 1 hinter ihrem Arbeitgeber? Muss ja so sein, denkt die Grete, je länger sie auf die Seite im Handelsblatt starrt. Die Unternehmensgruppe Tengelmann

Also Gruppe. Und Gruppe beinhaltet mehrere Personen. Die ja hier nicht genau benannt sind. Alles allgemein gehalten. Wer ist also diese Gruppe? Herr Haub? Kann ja nicht sein, eine Person ist keine Gruppe. Die komplette Führungsetage? Die Gesellschafter, die Aktionäre, die Mitarbeiter? Das Fräulein Grete Meier ist ratlos. Sie kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass ALLE ihr Kreuzchen am Sonntag bei der Raute machen. Erst neulich hat sie doch die nette Kassiererin von Kaisers in der Stadt getroffen. An einem Wahlwerbestand für die Grünen. Flyer hat die da verteilt und mit der Grete eine halbe Stunde lang über den Sinn und Zweck der Wahlplakate diskutiert, die die Grete immer von ihrem Balkon aus sieht. Die macht ihr Kreuz ganz bestimmt nicht da, wo der Herr Haub das gerne hätte. Ob die dann jetzt zum Sicherheitsrisiko erklärt wird? Grete ist entsetzt. Nicht dass die noch ihren Job verliert, weil sie der "falschen" Partei angehört.

Jaja, wenn die Grete sich einmal in einem Thema verbeißt, rasen ihre Gedanken kreuz und quer. Dann kommt sie von Hölzchen auf Stöckchen und je länger sie nachdenkt, desto düsterer wird die Szenerie, die sie sich ausmalt. Schlagzeilen tanzen vor ihren Augen: BILD deckt auf. Wahlbetrug! Angestellte der Tengelmanngruppe wurden mit Weihnachtsgänsen bestochen. Hunderte wurden entlassen, weil sie sich als Stinkefingersymphatisanten zu erkennen gaben.

Die Grete war so versunken in dem Drama, dass sie weder den Chef bemerkte, noch die Susi. Erst als die vor ihrer Nase mit einem T-Shirt wedelte, wurde sie aufmerksam. "Guckense mal Frau Meier, sieht doch total schick aus, Und nur 5 Euro bei Kik! Ein echtes Schnäppchen!"

Stunden später stand die Susi, noch immer völlig fassungslos, in der Küche bei Eido. "Und dann, du glaubst es nicht, hat die mir das Shirt aus der Hand gerissen, das Fenster geöffnet und es rausgeschmissen. Auf die Straße. Ich musste nach unten laufen, um es mir wiederzuholen. Irgendwas war bei der heute im Kaffee. Ganz bestimmt!"


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Kommentare:

  1. Der Drache möchte dem Fräulein Grete versichern, dass die Drachenfamilie ihre Kreuzchen nicht bei der Raute machen wird. Und bei der Tengelmann-Gruppe kaufen Drachen auch nicht. Strafe muss sein! Der ganze neoliberale Quark dient sowieso nur dazu, die Reichen noch reicher zu machen, und die arbeitenden Wahlsklaven weiter auszubeuten. Aber offenbar sind die ausgebeuteten Tröpfe auf Valium. Kein Einziger regt sich auf und geht dazu auf die Straße. Verstehe einer die Menschen! (Der Drache tut's nicht)

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    1. Die Grete hat auch ihre Kreuzchen woanders gemacht. Genutzt hat es wohl nicht viel.
      Danke dir.
      Gruß vonner Grete

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  2. Ich kannte die Werbung der Privatwirtschaft gar nicht und bin echt erstaunt darüber. Ich kann verstehen, dass das Fräulein Grete der Kaffee nicht schmeckt. Weihnachtsgänse finde ich allerdings amüsant..... ist bald soweit. Vom Hölzchen aufs Stöckchen komme ich auch oft gerade beim Leser dieser tollen Geschichte.
    Wer die Wahl hat, hat die Qual, in diesem Sinne LG Geli

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    1. So ist es. Die Gänse vielen mir spontan ein. Ja, es ist bald soweit. Wir werden dem nicht entgehen können.
      Gruß vonner Grete und ein Danke..

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  3. Ich kannte die Werbung der Privatwirtschaft gar nicht und bin echt erstaunt darüber. Ich kann verstehen, dass das Fräulein Grete der Kaffee nicht schmeckt. Weihnachtsgänse finde ich allerdings amüsant..... ist bald soweit. Vom Hölzchen aufs Stöckchen komme ich auch oft gerade beim Leser dieser tollen Geschichte.
    Wer die Wahl hat, hat die Qual, in diesem Sinne LG Geli

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  4. jaja, der kleine stinkefinger sägt und mich freut es.
    hoffentlich sägt er so, dass angelinchen plumpst.

    vielleicht kauft sie dann auch 5 euro-shirts bei kik ;-)

    schönen dank für deinen eintrag bei mir.
    ganz schön interessant, was du so scheibst, gefällt mir so gut,
    dass ich mich auch gleich bei dir angemeldet habe.

    lg eva

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    1. Tja, geplumpst ist dat ANGEELAA ja nicht. Schade eigentlich. Vielen Dank fürs Vorbeischauen und Lesen und für den Kommentar.
      Gruß vonner Grete

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  5. Ach Frau Meier, es wäre zu schön. Aber es ist zu spät.
    Die beiden müssen sich wohl oder übel verbünden. Denke ich.
    Deine Überlegungen sind einfach super. Und Gratulation dazu,
    dass du den Mut gefunden hast - hier ziemlich offen zu sprechen.
    in 45 Stunden wissen wir mehr.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Wenn man nicht mal mehr seine Meinung sagen könnte ... ich will das gar nicht zu Ende denken. Mittlerweile wissen wir es ja. Leider.
      Danke und Gruß vonner Grete

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  6. Wie soll Susi DAS verstehen? Ich meine Gretes Reaktion. Denn Susi hat ja wohl kaum das Handelsblatt gelesen und diese Anzeige gesehen.
    Ob es was nützen würde, wenn Grete ihr die Zusammenhänge erklärte, wage ich zu bezweifeln. Man lässt sie also besser in dem Glauben mit dem Kaffee...

    Grete muss sich wieder empören und das zu Recht.
    Na klar haben Unternehmen auch politische Interessen und die Wirtschaftsklüngelei der CDU ist eh bekannt. Allerdings ist so eine Kampagne im Sinne einer Lobbyarbeit für Merkel unangemessen.
    Es hat schon etwas von Dekadenz. Waren des Unternehmens werden auf sehr zweifelhafte Weise produziert, die Angestellten partizipieren in keinster Weise am Unternehmensreichtum und dann wagt man es, sich derart zu positionieren. Welche Gegenleistung mag es geben?

    Aber die Krankenkassen haben ja Ähnliches fabriziert und mal ganz ehrlich: Die Medien des Mainstreams verhalten sich ja auch nicht unparteiisch...nur halt in anderer Richtung.

    Ob das jetzt Konsequenzen für den Umsatz des Unternehmens haben wird? Kunden abwandern, weil sie sich ähnlich wie Grete empören?
    Eher nicht, denn die sich Empörenden sind kaum Kunden dieser Kette, oder?
    Also muss Herr Haub in dieser Richtung nichts fürchten.

    Und ich denke, Grete braucht keine Horrorvisionen wegen der Angestellten zu haben, die sind dem Haub eh schnuppe.
    Empören kann man sich allerdings schon. Schließlich geht es um ein Prinzip. Und ich verstehe das Fräulein Grete sehr gut.

    Ich hoffe, sie beruhigt sich wieder, telefoniert mit dem Lieschen.

    Liebe Grüße und eine gute Nacht (ohne Rautenträume und Stinkefingervisionen, ganz entspannt halt...)
    Enya

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    1. Hallo Enya, wenn die Grete ihre Reaktionen selber nicht so ganz versteht, weil eben völlig emotional, wird die Susi das niemals verstehen können. Wie schön, dass du dich wiedermal so intensiv mit dem Text auseinandergesetzt hast.
      Gruß vonner Grete

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  7. ach...herrlich. mal wieder :D
    die susi kriegt sich schon wieder ein! ein sehr gute aktion von der grete, des T-shirt einfach aus dem fenster zu werfen!

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    1. Lach.. das ist es in der Tat. Sollte man nur nicht jeden Tag machen. Könnte böse enden.
      Danke dir
      Gruß vonner Grete

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  8. Hallo Grete,
    ich denke da spontan an Schlecker. Die Strategie "Billig, billig,billig" stößt irgendwann an ihre Grenzen. Also Deutsche Qualität. Ähnlich wie bei Lieschen Müller möchte ich mich bedanken, dass Du Dich überhaupt an dieses schwierige Thema heran gewagt hast.

    Gruß Dieter

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    1. Du bringst es auf den Punkt. Schlecker, Praktiker und Konsorten, dabei wird es nicht bleiben. Geiz mag zwar geil sein, aber völlig unerotisch auf Dauer. Und nicht GESELLSCHAFTsfähig.
      Gruß vonner Grete

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  9. Ein interessantes Thema liebe Grete.
    Warten wir es ab, denk mal um 21 Uhr wissen wir Bescheid.

    Danke für deine netten Kommentare, ich freu mich, dich auf meinen Blogs begrüßen zu dürfen.

    Liebe Sonntagsgrüße
    Angelika

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    1. Jetzt wissen wir es. Und ich kann dir sagen ...glücklich ist die Grete darüber nicht.
      Dank an dich
      Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...