Sonntag, 8. September 2013

Von Spontanität und fehlenden Schuhen



Von Spontanität und fehlenden Schuhen


Was für eine Aufregung. Und das am Sonntag. Das Fräulein Grete Meier Meier war ganz konfus. So konfus, dass sie schon laut mit sich selber sprach, während ihr Kopf, samt halben Oberkörper, in einem Schrank steckte. "Wo sind denn nur die Schuhe, ich weiß genau, dass ich sie die Tage noch irgendwo gesehen habe. Ah, hier ist die zweite Reisetasche, wenigstens habe ich die gefunden. Aber die Schuhe, die müssen doch auch hier sein.Verdammter Mist!" So geflucht hat die Grete schon lange nicht mehr. Naja, lange ist relativ. Gestern nach dem Einkaufen klang das ähnlich. Die Grete tauchte mit Reisetasche, aber ohne Schuhe wieder aus dem Schrank auf.  Flitzte dann wie ein Derwisch durch die Wohnung, schnappte sich hier mal was und da mal was. Relativ unsortiert landete alles in einem großen grünen Koffer, der geöffnet auf ihrem Bett stand. Überhaupt sah es in Gretes Schlafzimmer aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Kleiderschrank und Kommode standen offen und auf dem Stuhl vor dem Frisiertisch stapelten sich Hosen, Blusen und Pullover. Frau Korters lehnte am Türrahmen und lachte sich kaputt. "Wie bei Hempels unterm Sofa, Frau Meier, oder schlimmer. Nu werden se mal ruhig. Sie müssen das strategisch angehen, dann klappt das auch."

Grete setzte sich seufzend auf die einzig freie Stelle auf ihrem Bett. "Hach, Frau Korters, sie haben gut reden. Ich weiß gar nicht wo mir der Kopf steht. Das schaffe ich nie bis 18.00 Uhr. Und wenn ich die blöden Wanderschuhe nicht finde, brauche ich erst gar nicht zu fahren. Und das lieschen muss ich auch noch anrufen. Die weiß doch noch gar nichts!"

"Ihr Lieschen können Sie auch noch von unterwegs anrufen, jetzt muss erstmal der Koffer gepackt werden!" Resolut schnappte sich die Frau Korters die Reisetasche und zog die Grete ins Bad. Die war mittlerweile etwas zur Ruhe gekommen. Konzentriert packte sie unter den Augen von der Frau Korters alles ein, was Frau so auf einer Reise benötigt. Zurück im Schlafzimmer sortierte sie aus dem Kleiderstapel alles raus, was nicht benötigt wurde, den Rest packte sie in den Koffer. Noch zwei Krimis, Deckel zu. Passt und hat Luft, grinste die Grete. Allerdings fehlten immer noch die Wanderschuhe. Sie bat Frau Korters alle Lebensmittel einzupacken, die verderblich sind. Der halbe Einkauf gestern für die Katz. Naja, nicht so ganz. Frau Korters freute sich sichtlich über den unerwarteten Segen. Während sich also Frau Korters im Kühlschrank austobte, rannnte die Grete in den Keller. Im letzten Regal, hinter den silberfarbenen Pumps, die die Grete nur zu besonderen Gelegenheiten trägt, fanden sich dann auch die Wanderschuhe. Schnell wieder hoch, Koffer nochmal auf, und die Schuhe rein. Jetzt musste sich die Grete allerdings auf den Koffer setzen, damit er sich wieder schließen ließ. Schwer atmend blieb die Grete solange darauf sitzen, bis Frau Korters voll bepackt im Türrahmen erschien. "Na dann, Frau Meier, gute Reise. Erholen sie sich gut. Und danke für den Lachs und so. Wer gießt denn die Blumen?"

"Ich geh gleich zum Herrn Heinevetter. Der hat ja einen Schlüssel und kennt sich mit Blumen aus. Hat ja selber genug." Die Grete brachte die Frau Korters noch zur Tür und eilte auf den Balkon. Ohne Zigarette, so aufgeregt war sie. " Hamse schon gehört … die Berta Kalt fährt zum Chiemsee. Wandern."

Herr Heinevetter paffte fröhlich vor sich hin. "Und, was hab ich damit zutun?"

"Na, sie müssen die Blumen gießen!"

"Bei der Berta?" Vor Schreck ließ der gute Herr Heinevetter seine Zigarette fallen. Grete lachte, holte sich jetzt doch selber eine Zigarette und setzte sich auf die Bank. Während sie rauchte erzählte sie dem Herrn Heinevetter was passiert war. Nämlich, dass die Berta vor drei Stunden völlig aufgelöst bei ihr angerufen hat. Einen Wanderurlaub, eine Woche am Chiemsee hatte sie gebucht, mit ihrer Freundin. Doppelzimmer, 5-Sterne-Hotel, direkt am See. Und jetzt liegt die flach. Sommergrippe. Mit Fieber. Ob die Grete nicht mitfahren könne, so ganz allein würde sie so ungerne fahren. "Ich kenn doch da keinen. Mit dem Bürschli wäre das für mich kein Problem, Aber so?" Fast schien es der Grete, als würde die Berta weinen. Nein, das geht natürlich nicht. Weinende Bertas mag die Grete gar nicht. Also hat sie ganz spontan zugesagt. Natürlich musste erst der Chef angerufen werden. Und das am heiligen Sonntag. Aber immerhin, es war ja ein Notfall. Fand der Chef auch und gab sein Einverständnis. "Eine Woche, Frau Meier, eine Woche komme ich auch ohne Sie aus. Fahrense ruhig mit der Frau Kalt!"

"Und deshalb, Herr Heinevetter sollen sie sich um meine Blumen kümmern." Das leuchtete ein, auch dem Herrn Heinevetter. Der hoch und heilig versprach, die zwei Kunstblumen im Schlafzimmer mit Wasser zu verschonen. Dass die Frau Meier mich aber immer wieder damit aufziehen muss, dachte er. War doch schon peinlich genug, dass ich es damals nicht bemerkt habe.

"So Herr Heinevetter, es wird Zeit. Ich ruf mir jetzt ein Taxi, der Zug fährt nämlich pünktlich um 18.00 Uhr ab. Die Berta wartet auf dem Bahnsteig auf mich. Wir sehen uns dann in einer Woche wieder."


Das Lieschen ist bestimmt überrascht über Gretes Spontanität ---> KLICK

Kommentare:

  1. Frl. Grete, unverhofft kommt oft - oder von ganz schnellem Entschluß.
    Alle Achtung - so schnell und alles geregelt. Toller Chef, muss man schon sagen.
    Und nun, Frl. Grete - schönen Urlaub. Passense gut auf sich auf und vor allen Dingen, wohin sie treten.
    Einen schönen Sonntag wünscht
    Irmi

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  2. Ui, das war jetzt spannend - der Grete beim Packen quasi zuzusehen, ohne zu wissen, was eigentlich los ist. Gestern war ja vom Verreisen noch nicht die Rede gewesen.
    Die Auflösung gefällt mir: Spontanurlaub, das ist prima. Man kommt nicht lange zum Nachdenken und sich Sorgen machen, was so alles daheim schieflaufen könnte.

    Ein bisschen chaotisch war es ja wieder. Ob Fräulein Grete öfter in Urlaub fährt?, überlege ich gerade. Eher nicht, dann wäre sie "cooler" gewesen. Und nach der Aktion gestern, meine ich, dass Grete Urlaub nötig und verdient hat.

    Dass der Chef auch so richtig spontan ist und ja gesagt hat, finde ich prima. Wo gibt's denn das heute noch? Und wie wichtig nette Nachbarn sind, zeigt sich auch. Herr Heinevetter wird das schon machen...wegen der Kunstblumen ist er ja nun gewarnt *grins*.

    So, jetzt aber wünsche ich dem Fräulein Grete herrliche Tage, vor allem, dass sie ein wenig loslassen und entspannen kann.
    Sicher wird sie das eine oder andere erleben, das sich zu berichten lohnt.

    Prima erzählt, ich bin auch ganz aufgeregt gewesen beim Lesen und eigentlich könnte ich jetzt ebenfalls weg...

    lg
    Enya

    lg
    Enya

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  3. Hallo Grete,
    ist doch schön, solch eine Abwechslung ! Chiemsee stelle ich mir schön vor. Dort gibt es bestimmt viele schönen Gegenden zum Erwandern. Wünsche schönen Urlaub !

    Gruß Dieter

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  4. Wenn auch spät, wünsche ich noch einen schönen Resturlaub!
    ...und freue mich auf Sonntag.
    Liebe Grüße

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...