Donnerstag, 3. Oktober 2013

Das Fräulein Grete Meier findet einen Hut



Das Fräulein Grete Meier findet einen Hut



Ihr Fahrrad hat das Fräulein Grete Meier gestern nicht aus dem Keller geholt. Bevor sie sich  mit dem Lieschen  im Café treffen wollte, hatte sie nämlich noch einen Termin in der Stadt. Deshalb ist sie mit dem Autochen los. Zum Zahnarzt. Im Schlepptau den Herrn Heinevetter. Um den ging es nämlich. Und darum, dass ihm jemand das Händchen hält. Wenn Herr Heinevetter auch sonst vor nichts bang war, der Zahnarzt flößte ihm derart Angst ein, dass er diesen nur mit Begleitung aufsuchte. Vor der Praxis redete ihm die Grete gut zu. Äußerst geduldig. Sie kannte die Prozedur ja schon. Hinfahren, vor der Praxis eine halbe Stunde auf ihn einreden, dann hoch mit dem Fahrstuhl, wieder auf ihn einreden, damit er aussteigt, nochmal runter fahren, wieder hoch, um dann nach einer Ewigkeit endlich im Wartezimmer zu sitzen. Dann konnte die Grete meistens gehen. Diesmal lief alles wesentlich glatter als sonst und die Grete stand schon nach einer Viertelstunde wieder auf der Straße. Bis zum Café waren es nur ein paar Minuten und die Uhr zeigte erst zehn vor zwei. Grete beschloss noch ein wenig bummeln zu gehen. Die Fußgängerzone mied sie aber. Das war ihr zu voll. Vielmehr schlenderte sie durch die teils engen Gassen der Altstadt und schaute sich die noch gut erhaltenen Häuserfassaden an. Das faszinierte sie. Sie stellte sich dann immer vor, wie viele Menschen hier schon gelebt haben und welche Geschichten diese alten Fassaden wohl erzählen würden, wenn sie könnten. Gegenüber einer besonders schönen Fassade stand eine alte Holzbank und die Grete setzte sich in die Sonne. Während sie in ihrer Handtasche nach einer Zigarette kramte fiel ihr Blick auf eingeritzte Zeichen und Namen im Holz der Bank. Grete ließ die Zigarette da wo sie ist, stand auf und betrachtete die Bank genauer. Über und über war die Bank mit Herzen, Namen, Zeichen und manchmal nur mit ineinander verschlungenen Buchstaben verziert. Einige sahen relativ frisch aus, während andere kaum noch lesbar waren. Grete ging um die Bank herum. Kaum ein Fleckchen Holz, das nicht irgendwie beschriftet war. Natürlich hat die Grete das schon öfter gesehen. Auch in alten Bäumen fand sich ja hie und da mal das Zeugnis zweier Liebender. Doch so viel, an einer einzigen Bank? Grete ging ein Stückchen weiter zur nächsten Bank. Da war nichts. Auch nicht an der übernächsten. Schon merkwürdig, dachte die Grete. Warum ausgerechnet diese Bank? Aber Grete wollte nicht grübeln. Es gibt Dinge, die kann wohl niemand erklären. Irgendeiner hat den Anfang gemacht, andere haben nachgezogen. So wie mit den Liebesschlössern an der Hohenzollernbrücke in Köln. Zigtausende müssen es mittlerweile sein.  Ob derjenige, der das erste Schloss dort festgemacht hat seines wohl jemals wiederfinden würde? Bräuche sind schon was Feines. Sei es auf die altmodische Art oder eben modern. Ganz in Gedanken versunken ging die Grete weiter und wäre fast über eine Hutschachtel gestolpert.  Grete blickte sich um. Kein Mensch weit und breit. Grete bückte sich und hob die Schachtel auf. Ratlos drehte und wendete sie das Ding. Nachdem immer noch niemand zu sehen war öffnete sie die Schachtel. Mitten in seidigem Papier lag ein Hut. Ein hübscher kleiner roter Hut. Mit einer schwarzen Feder verziert. Grete steuerte die nächste Bank an, setzte sich und betrachtete das leuchtendrote Ding. Vorsichtig strichen ihre Hände über die Feder. Teuer sah er aus der Hut. Plötzlich entdeckte die Grete einen kleinen zusammengefalteten Zettel in der Schachtel. Adele stand dort in einer zierlichen Handschrift. Aha, einer Adele gehörte also der Hut. Oder er wurde für eine Adele gekauft. Denn dass er neu war, stand außer Frage. Angestrengt blickte die Grete nach links und rechts die Straße runter. Von einem Hutgeschäft keine Spur. Von einer Adele auch nicht. Grete verschloss die Hutschachtel sorgsam und stellte sie auf die Bank.  Adele oder wer auch immer wird sicherlich den Hut vermissen und zurückkommen. Sie musste sich jetzt sputen um pünktlich bei Lieschen im Café zu sein. Doch nach ein paar Metern drehte die Grete wieder um. Packte das Hütchen aus, setzte es sich auf den Kopf, klemmte sich die Schachtel unter den Arm und marschierte dann zum Café. Ob richtig oder falsch war der Grete grad egal. Einmal was Verrücktes tun und mit rotem Hut und schwarzer Feder im Café auftauchen. Danach war ihr jetzt. Lieschen wird Augen machen. Gleich morgen gebe ich dann eine Annonce auf. Kleiner roter Hut mit schwarzer Feder in passender Hutschachtel, nur einmal getragen, sucht Adele. 




Wie Lieschen den Hut findet? Spätestens Morgen lest ihr das hier---> KLICK
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Kommentare:

  1. Frl. Grete, ich stelle mir gerade das Gesicht von Lieschen vor, als du mit dem Hut einmarschiertest. Ganz schön mutig - aber du hast ja so Recht. Einmal was ganz verrücktes tun. Sich einmal über alle Skrupel hinwegsetzen. Bin gespannt, ob du das Hütchen wieder los wirst.
    Und ich finde es so toll, dass du Herrn Heinevetter Händchen hälst. Auch der stärkste Mann hat seine schwachen Stellen.
    Einen erholsamen Abend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Danke liebe Irmi, Männer haben mehr schwache stellen als Frau manchmal denkt.
      Gruß vonner Grete

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  2. Liebe Grete,
    ich hoffe sehr, dass Du Hut und Schachtel behalten darfst. Vielleicht heißt ja der schöne Hut Adele und wer ihn dort hinterlassen hat, will, dass er mit dem richtigen Namen angesprochen wird.
    Tatsächlich kann man bei uns, gerade in der Altstadt, immer wieder schöne Sachen finden: Väschen, die auf Nierentischen standen oder eine Lederjacke, die Opa zum Mopedfahren trug. Mit einem Schild versehen, das auffordert, die Sachen mitzunehmen und ihnen ein neues Zuhause zu geben. Vielleicht ist das ja auch ein Trend, der sich in anderen Altstädten fortsetzt. Gefällt mir noch besser als die Sache mit den Schlössern.
    Lieben Gruss von Sabine

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    1. Also davon habe ich noch nie gehört. Aber das klingt super. Danke dir für den netten Kommentar.
      Gruß vonner Grete

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  3. Ach Grete, was bist du nur für eine treue Seele, gehst mit dem Herrn Heinevetter zum Zahnarzt, das ist toll. Ich könnte auch so jemanden brauchen, reagiere bei Zahnarztbesuchen immer panisch.

    Die Hutgeschichte ist einfach schön. Fast scheint es, als habe dieses Hütchen auf dich gewartet und es passt so hervorragend in diese Atmosphäre mit der Bank, den alten Häuserfassaden und kleinen Gassen. Irgendwie nostalgisch. Ich mag das sehr.
    Ob Adele sich wohl meldet oder schon gemeldet hat? Oder derjenige, der für Adele den Hut gekauft hat?
    Wäre doch schön, wenn du den Hut behalten könntest.

    Verückte Sachen machen...ja, zuweilen packt es mich auch.
    Mir gefällt es, dass du diesem Drang nachgegeben hast. Es belebt den Alltag und das Gemüt.

    Eine sehr schöne Begebenheit, die du schilderst und auf Lieschens Reaktion bin ich gespannt.

    Eine gute Nacht
    Enya

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    1. Wie du sicher schon weißt, darf die Grete den Hut behalten. Lieschen war so freundlich..lach..
      Gruß vonner Grete und vielen Dank

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  4. Sehr schöner Beitrag mal ohne Kommentar. LG Geli

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    1. Danke, liebe Geli.. freue mich immer dich hier zu lesen.
      Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...