Dienstag, 1. Oktober 2013

Vom Zauberland und einem Lesedings




Vom Zauberland und einem Lesedings



Heute war das Fräulein Grete Meier in der Mittagspause kurz in der Stadt. Genauer gesagt am Hauptbahnhof. Dort gibt es nämlich eine Buchhandlung, in der die Grete gerne und auch oft einkaufen geht. Und das schon seit sie denken kann. In all der Zeit hat der Besitzer schon einige Male gewechselt. Seit ein paar Monaten wird das Geschäft von einer jungen Buchhändlerin geführt. In Gretes Augen ein Glücksfall. Denn im Gegensatz zum Vorbesitzer, dem nur an einem schnellen Euro gelegen war und weniger an einer Beratung, liebte diese junge Dame Bücher über alles. Und so behandelte sie diese auch. Jedes einzelne Regal war liebevoll gestaltet und sobald sie sah, dass ein Buch nicht richtig zurückgestellt wurde, rückte sie es ehrfurchtsvoll wieder gerade. Die Regale waren auch nicht einfach nur Regale. Keines sah aus wie das andere. Klassiker standen in uralten Eichenholzregalen, Kinderbücher in kunterbunt lackierten Regalen und nach Reiseliteratur konnte der Kunde in Regalen suchen, die in einem aufgestellten alten Ruderboot eingebaut waren. Groß war die Buchhandlung nicht, aber schon als Kind hatte sich die Grete hier gefühlt wie in einem Zauberland.

Das Fräulein Grete Meier unterhält sich oft mit der Besitzerin, die immer wieder einen Buchtipp für die Grete hat. Heute war nicht viel los und so konnte sie ungestört mit der Buchhändlerin plaudern. Über die neue Bio von Boris Becker, den Tod von Marcel Reich-Ranicki und über Bücher allgemein. "Sagense mal, leidet auch ihr Geschäft unter den vielen Onlinebestellungen?", fragte irgendwann die Grete. "Man liest ja so viel darüber, dass niemand mehr in Buchhandlungen vor Ort kauft." Die Antwort, die die Grete daraufhin bekam, verwunderte sie doch sehr.  Denn die junge Buchhändlerin machte sich da überhaupt keine Sorgen. "Ach Frau Meier, Konkurrenz gab es immer und wird es immer geben. Belebt das Geschäft. Wichtig ist, dass man sich von der Masse abhebt und nicht vergisst, mit der Zeit zu gehen. Und man sollte nie vergessen, alles was man aus Leidenschaft tut, zahlt sich auf irgendeine Art im Leben aus. Daran glaube ich fest. Natürlich verdiene ich hier nicht viel. Es reicht für die Ladenmiete und zum Leben gerade aus. Aber mehr will ich doch auch nicht. Ich habe hier die Möglichkeit das zu tun, wofür mein Herz schlägt. Den ganzen Tag bin ich umgeben von Büchern. Gibt es was Schöneres? Für mich nicht, Frau Meier. Und das merken meine Kunden. Und kommen wieder. Wenn auch nicht für jedes Buch. Sind wir doch mal ehrlich, wir kaufen auch nicht immer im gleichen Geschäft ein."  Das leuchtete der Grete ein. Hier geht sie ja auch nur hin, wenn sie ein gebundenes Buch kaufen möchte. Gebundene Bücher sind Gretes Leidenschaft. Die stellt sie ins Regal und liest sie auch nach Jahren immer mal wieder.  Es ist schon vorgekommen, dass die Grete von einem Taschenbuch so begeistert war, dass sie sich die gebundene Ausgabe auch gekauft hat. Nur um sie zu besitzen. Taschenbuchausgaben liest sie, und verschenkt sie danach sofort weiter. Hauptsächlich an Frau Korters.  Taschenbücher kauft sie dann auch schon mal bei amazon. Grete liest nämlich viel und gerne. Nein, stets gebundene Ausgaben kaufen, dafür reicht bei der Vielzahl, die die Grete so im Laufe des Jahres verschlingt, auch ihr Budget nicht aus. So greift sie eben gerne mal auf Angebote bei Onlinehändlern zurück.

"Und E-Books, was halten sie davon?" Die Besitzerin lachte nur. "Das meine ich ja Frau Meier, man muss mit der Zeit gehen. Anbieten kann ich die natürlich nicht. Ich schaue aber für jeden Kunden in meinem PC nach, ob es das Buch auch als E-Book gibt, wenn einer danach fragt.  Die merken sich das. Service ist eben alles. Und ganz ehrlich, ist doch toll, dass so mancher Autor so auf sich aufmerksam machen kann. Der Indie-Buch-Markt boomt. Ich hab auch einen Reader und lade mir oft Bücher von völlig unbekannten Autoren darauf. So hab ich schon manches Schätzchen gefunden und glauben sie mir, manch ein Indie-Autor hat es darüber zu einem klassischen Verlag geschafft. Schade ist nur, dass viele glauben mit Schreiben kann man Geld verdienen. Dem ist nämlich nicht so. Das schaffen nur ganz wenige. Ich finde es toll, dass das Tor zur Welt der Schreibenden dadurch ein Stück weit mehr geöffnet wird." So hatte es die Grete noch nie gesehen. "Haben sie denn keine Existenzangt?", wollte sie dann aber doch noch wissen. "Nee, Frau Meier, denn es wird immer Kunden geben wie sie eine sind. Menschen, die gebundene Bücher zu schätzen wissen. Und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann für uns die Möglichkeit direkt hier im Geschäft E-Books an die Kunden zu verkaufen. Dafür müsste sich nur der Markt weiter öffnen und die Preisgestaltung anders aussehen. "

Darüber muss die Grete ganz sicher noch eine Weile nachdenken. Fürs Erste bezahlte sie die beiden Bücher, die ihr die junge Buchhändlerin ans Herz gelegt hat und fuhr wieder ins Büro zurück. Dort ließ sie sich dann den E-Reader zeigen, den Simon immer mit sich rumschleppt. Alles musste er ihr genau erklären. "Ich kauf aber trotzdem noch Taschenbücher und auch gebundene. Sonst fehlt mir was. Der Reader ist zwar für Lektüre unterwegs super, aber zuhause möchte ich gerne gemütlich in meinem Sessel sitzen und Seite für Seite umblättern. Außerdem kann man keine Eselsohren in E-Books machen. Und auch keine Kaffeeflecken. Und ein gutes, oft gelesenes Buch, braucht das doch."

Also hatte die junge Buchhändlerin doch auf ihre Art recht. Grete beschloss, nachher am Telefon mit dem Lieschen über all das nochmals zu reden. Denn das Lieschen liest auch gerne. Und hat, soweit die Grete weiß, auch so ein Lesedings.



Was das Lieschen dazu meint könnt ihr hier nachlesen -->KLICK

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Kommentare:

  1. Ich lese gerade - Das Lavendelzimmer - Es passt zu diesem Beitrag so gut, Bücher als Medizin, aber vielleicht liest das Frl. Grete es auch irgendwann. Ein schöner Beitrag, der mich heute sehr berührt, auch ich liebe Geschäfte mit Büchern, herumstöbern und sich in Cover und Rückseiten vertiefen. Ich habe auch einen Reader, benutze ihn auch, aber er ersetzt nicht den Duft von Büchern - niemals. LG Geli

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    1. Das ist auch ein Buch, was noch auf meiner Lesewarteliste steht. Bin mal gespannt, ob es hält, was es verspricht.
      Lieben Gruß vonner Grete

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  2. Frl. Grete, so ein Leseding habe ich nicht und will eigentlich auch keins haben.
    Ich liebe Bücher über alles und den Geruch, wenn ich in das Buchgeschäft meines
    Vertrauens gehe. Und ich lausche so gern den Worten des Buchhändlers, wenn er
    ein neues Buch empfiehlt.
    Ein toller Bericht, der all das ausdrückt, was heut nicht mehr zählt. Zumindest bei den meisten nicht.
    Einen wunderschönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Ich denke, beides hat seine Berechtigung. Sowohl Buch als auch Reader. Danke für deinen Kommentar dazu. Lieben Gruß vonner Grete

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  3. "Ich habe hier die Möglichkeit das zu tun, wofür mein Herz schlägt." - Welch ein schöner Satz. Ob das wohl viele über ihre berufliche Tätigkeit sagen können?
    Natürlich muss man sein Auskommen haben und ich denke, gerade bei Buchläden ist das nicht so einfach.
    Liebes Fräulein Grete, das, was du heute schreibst, hat mich berührt.
    Ich liebe auch gebundene Bücher - einmal, wenn sie ganz neu sind, sie aufzuschlagen, darin zu blättern, den Geruch einzuatmen....und dann meine alten mit all ihren kleinen Macken, es gibt in ihnen Seiten, die ich immer mal wieder lese...Na ja, ziemlich sentimental. Als Kind war ich so oft allein und da sind Bücher meine "Lebenselixier" geworden.

    Da ich aber sehr viel lese und nicht alles bei mir horten kann, habe ich jetzt auch so ein Lesegerät (von meinen Kindern, die immer praktisch denken). Das ist dann für unterwegs.

    Diese Buchläden mit persönlicher Beratung und in denen man das Herzblut spürt, sie werden immer weniger.
    Zum Glück habe ich hier am Ort einen, in dem ich so manche Stunde verbringe.


    Irgendwie habe ich mich erneut wiedergefunden in deinem heutigen Bericht, mag auch gar nicht mehr dazu schreiben, sondern es einfach wirken lassen.

    Und dann meinen Tag ausklingen lassen, auf dem Sofa mit einem richtigen Buch.

    Dir wünsche ich auch einen entspannten Abend,vielleicht ja auch lesend.
    Lieben Gruß und gute Nacht
    Enya

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    1. Ich hoffe, liebe Enya, du hast den Abend auf der Couch genossen.
      Danke dir
      Lieben Gruß vonner Grete

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  4. Hallo Grete,
    ich bin reichlich konserativ und genieße es, in Büchern herum blättern zu können. Leider habe ich sowieso den Eindruck, dass ich von technischen Neuerungen überrollt werde. Zuletzt hatte ich versucht, What's App auf dem Smartphone meiner Göttergattin zu installieren - das hat grauenhaft lange gedauert. Ich habe meine Bücherregale mit jede Menge Büchern. Nichts kann dieses Gefühl ersetzen, in Büchern herum zu schmökern und die Seiten eines Buches zwischen den Fingern zu spüren.

    Gruß Dieter

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    1. What´s App... habe mich auch ziemlich lange dagegen gesträubt. Nu isses da und ich nutze es sogar.
      Danke dir
      Lieben Gruß vonner Grete

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  5. Liebes Fräulein Grete
    Danke für Deinen lieben Besuch und den netten Kommentar auf meinem Blog.
    Ich wünsche Dir eine glückliche Restwoche und grüsse Dich herzlichst Yvonne

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    1. Das gebe ich doch gerne zurück. Hoffe sehr, dass es dir hier gefällt.
      Lieben Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...