Donnerstag, 24. Oktober 2013

Von Hölzchen, Stöckchen und Karten

Von Hölzchen, Stöckchen und Karten

Was für ein Glück hatten das Lieschen und die Grete doch gestern mit dem Wetter. Herbstsonne satt. Dementsprechend stand einem vergnüglichen Kaffeeklatsch nichts im Wege.Das Fräulein Grete Meier war so gut gelaunt, dass sie sich sogar von Lieschen etwas Tabak erbat. "Mal schauen, ob ich es noch kann. Früher habe ich mir ja auch Zigaretten gedreht. Filter war ja kaum möglich mit meinem Taschengeld." Lieschen reichte ihr schmunzelnd das Päckchen mit dem Tabak und ein Papierchen zum Drehen über den Tisch. "Das Ergebnis rauchste dann aber auch. Weggeworfen wird hier nix!" Grete nickte und klaubte sich etwas Tabak aus dem Päckchen.Griff nach dem Papier und flugs verschwanden beide Hände unter dem Tisch, um kurz darauf mit fertig gedrehter Zigarette aufzutauchen. Schnell noch mit der Zungenspitze über das Papierchen und keine Minute später paffte die Grete auch schon genüsslich. "Da staunste Lieschen, gell? Aber nur so kann ich es. Ich habe nämlich mein Zigaretten meist versteckt unter der Schulbank gedreht. Da saß jeder Handgriff. Und du siehst, was man einmal gelernt hat, verlernt man nie."
Natürlich tauchten die zwei sofort wieder in die Jugendzeit ein. Aber nur für ein paar Sätze.Schnell waren sie bei all den technischen Veränderungen, die sie seither begleitet haben und dies sie mehr oder minder mitmachen mussten. Beim Smartphone angekommen, gab es einen direkten Schwenk zu Frau Merkel und Herrn Obama. "Is ja auch ein Ding, dass der alles ausspioniert hat. Staatsgeheimnis hin oder her, aber die telefoniert doch bestimmt auch mal mit ihrem Mann, wenn sie abends allein im Hotelzimmer sitzt, irgendwo in Timbuktu. Das geht ja nun wirklich niemanden was an." Hier kam die Unterhaltung dann ein wenig ins Stocken, was aber nicht am Thema lag, sondern am Kellner, der die bestellte Käsesahnetorte brachte. Also keine ganze Torte. Aber für Lieschen und  für Grete jeweils ein Stück. 
"Karneval soll ja zum Weltkulturerbe gemacht werden, wie findste das Lieschen?" Wie die Grete jetzt von Obama über die Käsesahnetorte zum Karneval gekommen ist, erschloss sich dem Lieschen zwar nicht so ganz, aber da sie solche waghalsigen Sprünge von der Grete gewohnt ist, dachte sie erst gar nicht weiter darüber nach, sondern sprang auf den Zug auf. Nach wenigen Minuten war auch diese Thematik adacta gelegt. Platz gemacht hatte das Weltkulturerbe dem Kölner Dom und Willi Millowitsch. Der verließ die Kaffeebühne für Heidi Kabel. Auch die hielt sich nicht lange auf. Es reicht gerade mal für ein Kuchengäbelchen mit Torte. Vielleicht lag es ja daran, dass sie ebenso wie Herr Millowitsch nicht mehr unter uns weilt. Und eben aus diesem Grunde keine Titelseiten mehr füllt. Jedenfalls kamen die zwei von Hölzchen auf Stöckchen, in welcher Reihenfolge auch immer. Nach zwei Stunden munterer Plauderei war man beim Thema Kartenlegen angelangt. Grete hatte damit mal ungute Erfahrungen gemacht. "Weißte Lieschen, ich hab mir vor vielen Jahren mal Tarotkarten gekauft. Und ein Buch dazu. Von dem Hajo Banzhaf.  Hab alles genau gelesen und dann einer Bekannten mal die Karten gelegt. Und alles genau nach dem Buch interpretiert. Kennst mich ja, ausschmücken kann ich gut. Im Vordergrund stand jedenfalls ein neuer Job. Was hat die mich ausgelacht. Nie und nimmmer, hat sie gesagt. Hab ich keine Ambitionen. Hab doch einen guten Job. 
Und was soll ich dir sagen! Ganz aufgeregt kam die drei Wochen später zu mir. Mit einem Jobangebot in den USA. Hat sich bei mir bedankt. Und wollte gleich nochmal die Karten gelegt haben. Komisch war mir da zumute, das kannste mir glauben. Aber ich habs gemacht. Auch beim Chef und bei der Berta. Der Chef hat den tollen Auftrag gekriegt, genau wie es in den Karten stand und die Berta, das war richtig unheimlich. Da las ich nämlich was von einem tiefen Kummer in den Karten. Und der kam zwei Monate später. Da ist nämlich Bertas Mutter gestorben. Ganz plötzlich. Die Karten habe ich danach samt Buch in die hinterste Ecke vom Schrank verfrachtet und nie wieder angepackt." Grete stand das Grausen, allein bei dem Gedanken an die Karten, im Gesicht geschrieben. "Angst  hab ich gekriegt, vor mir selber!"
Grete weiß ja, dass Lieschen sich für Spirituelles interessiert. Und sich richtig gut damit auskennt. Grete hat nur bodenständige Menschenkenntnis und ihr Bauchgefühl. Lieschen hört und schaut viel genauer hin als die Grete. Bei den Menschen und überhaupt. Das bewundert die Grete. Auch dass Lieschen sich gerne auf Neues einlässt, wenn es um ihren Körper und ihre Seele geht. Und so blieb das Thema hängen, denn Grete lauscht gerne, wenn das Lieschen darüber und über ihre Erfahrungen berichtet.  Bis es dunkel wurde und langsam kalt.
Auf dem Heimweg hat die Grete dann noch länger über Lieschens Meinung zu Herrn Heinevetter und dem Führerschein nachgedacht. Der war natürlich auch mitten auf dem Tisch gelandet. Irgendwo zwischen Hölzchen und Stöckchen. Lieschen, dachte die Grete, als sie ihr Autochen parkte. Lieschen, du hast schon ein bisschen Recht. Aber versprochen, ich halt mich beim nächsten Problem erstmal zurück. Frag einfach nochmal nach, bevor ich meine Nase rein stecke. Ich versuch es, ehrlich.



Was Lieschen dazu sagt, könnt ihr spätestens morgen hier nachlesen ---> KLICK

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Kommentare:

  1. Ja, liebe Grete,
    manchmal kommt man eben vom Hölzchn aufs Stöckchen. Das macht ja eine gute und rege
    Unterhaltung aus. Das mit dem Kartenlegen hatte ich auch mal versucht. Da bin ich heute allerdings der Meinung, dass wir dem Schicksal nicht in die Speichen greifen dürfen.
    Grete ist so und Lieschen ist so - wenn es anders wäre, würde dieser Blog halb so interessant sein.
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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  2. Gelesen habe ich vorhin und nun - komme vom Tanzen - folgt der Kommi. Es ist gut, dass die Menschen unterschiedlich sind, das macht auch Freundschaften aus. Dieses Ergänzen, der eine ist spontan, der andere besonnen. Mir hat auch schon einmal jemand Karten gelegt, aber das ist lange her, ein anderes Leben. LG Geli

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  3. Hallo Grete,
    ist doch eigentlich wunderbar, dass niemand weiß, was in der Zukunft passiert. Ich erinnere mich an meine Zeit in der Ausbildung. Eine Kollegin wusste genau, dass sie in 2 Jahren heiraten würde, dass sie kurz nach der Heirat in ihr neu gebautes Haus einziehen wollte, dass sie zwei Kinder haben würde, wovon das erste in 4 Jahren zur Welt kommen würde. Den Einzug ins Haus und die Geburt des ersten Kindes habe ich noch mitbekommen. Danach ist unser Kontakt abgerissen. Stelle ich mir öde vor, wenn alles so durchgeplant ist und dann auch so eintritt.

    Gruß Dieter

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  4. Ich hab schon ein paar Mal hier vorbeigeschaut und bin stets inspiriert.

    Sehr guter Artikel. Sehr förderliche Information :) Hatte schon
    eine Weile danach gesucht. Danke aufregend.

    my web site; channeln lernen forum

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...