Dienstag, 3. Dezember 2013

Das Fräulein Grete Meier und ihr Laster

Das Fräulein Grete Meier und ihr Laster 

Ein wenig Zeit hatte das Fräulein Grete Meier heute morgen noch im Büro, bevor der Trubel los ging. Das Handelsblatt war gelesen und so surfte die Grete durch ein paar Blogs, die sie, wenn es ihr die Zeit erlaubt, besucht. Virtuell versteht sich. Auf dem Blog von Irmi, hat sie dann etwas entdeckt. Neben den informativen Schilderungen von Bildern, die sich so alles in Kathedralen finden lassen. Irmi hat nämlich überlegt, ihr Lieblingslaster unter ihren Schreibtischstuhl zu kleben. Dann könne ihr Hinterteil meditierend darauf sitzen und der Versuchung den Kampf ansagen. Mit den Worten: Du kannst mich mal. Also richtig ausgedrückt und aufgrund der Tatsache, das das Laster nun unter dem Hinterteil sitzt - somit wortwörtlich genommen: Du mein Lieblingslaster, kannst mich mal am Arsch lecken. 
Die Grete hat laut gelacht. Zu komisch ist aber auch die Vorstellung, dass da so ein Laster unter dem Stuhl hockt. Komisch aber auch, dass man unter all seinen Lastern auch ein Lieblingslaster hat. Die Grete kam ins Grübeln. Hat sie etwa auch ein Lieblingslaster? Eines dem sie vor allen anderen Lastern den Vorzug gibt? 
Laster kommt von Last. Eine Last kann man entweder tragen oder nicht. Und wenn man sich schon für das Tragen entschließt, dann kann man sie auch irgendwann abstellen. Irgendwo. Vielleicht am Straßenrand. Oder zwischenlagern. Falls man sie wieder mal braucht, die Last, irgendwann. Man könnte so ein kleines Laster auch verstecken. Unter dem Mantel oder so. Damit es keiner sieht. Wobei, überlegte die Grete, das geht wohl nur, wenn es wirklich klein ist. So ein richtig großes Laster, das lässt sich nicht mal eben in die Tasche stecken.
Wer beurteilt denn, ob so ein Laster klein oder groß ist? Der der es trägt, der der es sieht? Grete ist überfragt. Immer tiefer dringt sie in ihre Gedanken ein. "Ist mein Hang zu Torte und Kuchen schon ein Laster? Naja, ein kleines vielleicht für mich. So ein persönliches. In den Augen von der Heidi Seelig wird es wahrscheinlich zu einem Monster anwachsen. Die achtet ja immer so auf ihre Figur. Ob ein Monster wohl unter meinen Schreibtischstuhl passt? Sicherlich nicht. Auch nicht unter den Stuhl von der Frau Seelig. 
Jetzt musste die Grete grinsen. Sie stellte sich ein riesiges, tortenvertilgendes rosa Moster unter ihrem Stuhl vor, das verzweifelt versucht ihrem meditierenden Popo zu entkommen. 
"Grete, komma zur Sache", schimpfte sie laut. "du schweifst wieder ab! Also los, geh in dich. Irgendwo muss doch auch DEIN Lieblingslaster lauern." Nur wo? 
Die Grete schaute unter ihren Stuhl. Aber da hockte nix. Noch nicht mal ein winzig kleines. Musste also woanders sein. Sie entleerte ihre Handtasche auf dem Schreibtisch. Auch da war alles normal. Auch in den Schubladen wurde sie nicht fündig. Nicht im Spiegel und nicht ... weiter kam sie nicht, denn der Chef steckte seinen Kopf durch die Tür. "Morgen Frau Meier,  wir müssen sofort ..." Und da hatte er sie wieder. Der Alltag. Die Gedanken vom morgendlichen Surferlebnis gingen im Bürostress dann völlig unter.

Total geschafft nach dem Tag, führte der erste Weg von der Grete, noch im Mantel, auf den Balkon. In Ruhe eine Zigarette rauchen wollte sie. Als sie es dann hörte, dieses "Hamse schon gehört" von Herrn Heinevetter, da wusste sie wie es aussieht - ihr kleines persönliches  Lieblingslaster. Und das, würde sie auf keinen Fall unter ihren Schreibtischstuhl kleben. 




Kommentare:

  1. Die Irmi hat ja tolle Ideen und da ist was dran. Mein Laster ist in letzter Zeit facebook, ich bin viel zu viel hier, aber natürlich genieße ich den Blog hier. Eben sehe ich links die Leiste, ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen.
    Müßiggang ist aller Laster Anfang oder so ähnlich sagt ein Sprichwort. Laster können auch sehr positiv sein, manchmal liebt man sie sogar.
    Es ist doch schön seine Gedanken mal schweifen zu lassen, denn der Alltag holt einen blitzschnell wieder ein. LG Geli

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  2. Grete, jetzt habe ich laut gelacht. Typisch Grete - die macht aus Etwas was. Und jetzt komme ich ins Grübeln. Mein Lieblingslaster ist auch klitzeklein für mich - für die Hungerhaken aber riesengroß. Ich esse gern Marzipan - darf es nicht und soll es nicht. Aber manchmal hole ich es unter dem Stuhl hervor - tue, als ob es gar nicht da wäre und esse genüsslich ein Stück Marzipan. Dann kann ich das Papierchen ja wieder unter den Stuhl kleben.
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen Tag
    Irmi

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  3. da überleg ich ja glatt was ich für ein Laster hab. Kann man Gedanken auch ein Laster nennen? Und passen die unter einen Bürostuhl? Wie klebt man Gedanken fest, vor allem wenn sie lästerlich sind? Mensch Grete, du bringst mich am frühen Morgen aber auf merkwürdige Gedanken

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  4. Hallo Grete,
    toll geschrieben. Wie Irmi bereits erwähnt hat, bastelst Du aus jedem kleinen Gedanken gleich eine größere Geschichte. Schön, dass Du aus Irmis Post selbst etwas entwickelt hast. Gelegentlich habe ich das auch hingekriegt, Gedankenketten und Anstöße von anderen Bloggern in einen eigenen Text zu transformieren. Insgesamt habe ich dabei ein wenig das Problem, dass ich Inhalte brauche, um einen kompletten Text auszufüllen. Inhalte, die nicht trocken oder langweilig wirken, so dass sie beim Leser auch ankommen.

    Gruß Dieter

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  5. Köstlich weitergesponnene Lastergedanken! Und jetzt guck ich mal bei Irmi...
    Liebe Grüße
    Christiane

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...