Dienstag, 28. Januar 2014

Was nicht sein kann, kann nicht sein ...

Was nicht sein kann, kann nicht sein ...

"Sag mal, muss ich mir jetzt Sorgen machen?" Das Fräulein Grete Meier wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Einerseits war die Geschichte ja auch zu komisch, anderseits gab sie ihr doch zu denken. Da sich Tante Heidi aber schier ausschüttete vor Lachen, entschied sich die Grete es ihr gleich zutun. Darüber nachdenken, ob es doch Anlass zur Sorge gab, konnte sie ja später immer noch. Immer noch lachend legte sie den Hörer auf. "Onkel Günther, nee was ist das manchmal für ein Trollo! Da hätte ich zu gern Mäuschen gespielt."
Grete goss sich einen Kaffee ein und machte es sich mit einer Zigarette auf ihrem Sessel bequem. Sie schleuderte ihre Pumps von sich, schnappte sich die Fernbedienung und zappte sich durch die Programme. Der Tag im Büro war ziemlich anstrengend gewesen und die Grete hatte dementsprechend zu nix Lust. Während die Kiste völlig sinnfrei vor sich hinflimmerte, schweiften ihre Gedanken ab. Und blieben, wie kann es auch anders sein, bei Onkel Günther hängen. "Ob mir das auch hätte passieren können?", dachte sie. "Wer weiß das schon, Grete, vielleicht nicht jetzt, aber wenn du mal in dem Alter bist ..."
Weiter kam sie nicht, denn Herr Heinevetter rief nach ihr. Grete raffte sich auf, sammelte die Schuhe ein, zog sie an und öffnete die Balkontür. "Is mir zu kalt heute, Herr Heinevetter, aber kommense doch rüber, ich hab frischen Kaffee."
Der ließ sich das natürlich nicht zweimal sagen. Fünf Minuten später saßen die zwei in Gretes Küche. Grete konnte nicht anders, sie musste die Geschichte loswerden.
"Ich sach ihnen, Herr Heinevetter, alte Leute und Technik. Da geht öfter was schief. Stellense sich mal vor, was Onkel Günther gestern passiert ist. Die zwei haben sich doch vor einiger Zeit ein neues Telefon angeschafft. Von Vodafone. Festnetz und Handy in einem. Mit Flatrate. Also, das Ding sieht aus wie ein Handy und ist mit zwei Nummern ausgestattet. Einmal mit der Festnetznummer und dann noch mit einer Handynummer. Ich hab ja nie verstanden, was das soll, zumal beide noch ein normales Handy besitzen. -"Grete", hat Onkel Günther gesagt, "Grete, davon verstehste nix. Das ist praktisch. Wenn mich jetzt jemand auf dem Festnetz anruft, bin ich immer erreichbar. Das funktioniert nämlich in einem Umkreis von 1000 Metern. Kann ich also problemlos mit in den Garten oder die Garage nehmen."- Naja, wenn man darüber nachdenkt, macht es dann doch Sinn. Beide hören ja nicht mehr so gut und die Freunde und Bekannten sind ja meist im selben Alter und bevorzugen einen Anruf über das Festnetz. Also, seitdem die das Telefon haben, schleppt Onkel Günther es immer mit sich rum. Sogar ins Bad nimmt er es mit. Gestern morgen ist er dann wie immer zu seiner täglichen Fahrradtour aufgebrochen. Weit ist er aber nicht gekommen. Nur bis unten an die Kreuzung. Und da hat er es dann gehört. Das Klingeln. Natürlich ist er abgestiegen und hat sein Handy aus der Satteltasche gezogen. Aber das klingelte nicht. Irgendwie kam ihm auch der Klingelton unbekannt vor. Vielleicht ne SMS hat er gedacht. Dann klingelt es doch anders. Aber das war es auch nicht. Mittlerweile hatte die Bimmelei auch aufgehört. Gerade als er wieder auf das Rad steigen wollte, fing es wieder an. Er also wieder runter vom Rad. Alle Taschen hat er abgeklopft. Ist zigmal um das Rad rumgelaufen und hat sogar die Reifen untersucht. Nix, das Klingeln hörte nicht auf. Plötzlich war dann wieder Stille. Später hat er dann Tante Heidi erzählt, dass zwei Frauen aus der Nachbarschaft an der Bushaltestelle standen  und sich wohl köstlich über sein Treiben amüsiert haben. Als das Bimmeln wieder ertönte, ist er völlig entnervt umgekehrt. Und wissense, lieber Herr Heinevetter, was des Rätsels Lösung war?"
Herr Heinvetter beugte sich gespannt über den Küchentisch. "Tante Heidi wollte zuhause telefonieren und hat den Apperat nicht gefunden. Alles hat sie abgesucht. Hat gedacht, dass Onkel Günther das Ding irgendwo im Haus liegengelassen hat. Schlau isse ja, die Tante Heidi. Als alle Suche ergebnislos war, hat sie von ihrem Handy aus die Festnetznummer gewählt. Hat es ewig Klingeln lassen. Immer wieder. In jeden Raum ist sie gegangen, sogar ins Gartenhaus. Irgendwo musste es ja sein, das blöde Ding. Auf dem Weg zur Garage ist ihr dann Onkel Günther klingelnderweise entgegengekommen. Er hatte das Telefon wohl im Bad in die Hosentasche gesteckt. Und dann vergessen rauszunehmen, bevor er zu seiner Tour aufgebrochen war. Nee, was hat sich meine Tante kaputtgelacht!"
"Und wieso hat er das Ding bei seiner Suche nicht gefunden?", japste Herr Heinevetter, nachdem er sich die Lachtränen aus dem Gesicht gewischt hatte.
"Na", meinte die Grete, "weil er wie immer ein Paket Tempos in die Hosentasche gestopft hatte. Und anstatt die Taschen mal auszuleeren, hat er nur von außen gefühlt. Ich kann mir das so richtig vorstellen. Links die Tempos, rechts das Taschenmesser, in der Innenseite der Jacke die Packung TicTac und die Brieftasche und in der Satteltasche Werkzeug und Handy. Und nix anderes. Was nicht sein kann, kann eben nicht sein!" Die Grete ahmte beim letzten Satz die Stimme von Onkel Günther perfekt nach. 
"Und jetzt mal ehrlich, Her Heinevetter, muss ich mir Sorgen machen, oder ist das normal?"




Kommentare:

  1. Eine lustige Geschichte gut geschrieben,so aus dem Leben. Man sollte doch nicht ständig und überall erreichbar sein.
    Viel Zeit und Ärger erspart man sich auf der Suche nach dem Telefon.
    Ich hatte mal meine Anruftöne geändert,und nicht dran gedacht. Spazierte im Wald und in meiner Jackentasche wie aus weiter Ferne erklang ein Walzer von Strauß, wer hat denn hier das Radio an, dachte ich.Das es mein Handy war, darauf kam ich nicht, so war ich auch nicht erreichbar. Dein Thema hat mich erinnert, wenn es sich auch etwas anders zutrug.
    Liebe Grüsse, Marie-Claire

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    1. Lach, das kann ich mir gut vorstellen. Ist mir auch schon passiert.
      Danke dir.
      Gruß vonner Grete

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  2. Ich muss auch lachen, so kann es kommen, aber es ist nichts Schlimmes passiert und das ist die Hauptsache. Wie oft suche ich mein Handy und mein Sohn muss mich anrufen, damit ich mich finde.
    Sorgen muss sich das Gretchen nicht machen findet Geli

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    1. Also, "das eigene Handy anrufen" muss ich leider auch öfter mal machen. Und du hast sicherlich recht. Sorgen muss man sich wohl nicht machen.
      Gruß vonner Grete

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  3. haha...was ist normal?? und dann wäre ja noch die frage...ist normal gut oder nicht???
    fragen über fragen ;-)
    LG

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    1. Mit dieser Frage kann man sich bestimmt einige Zeit beschäftigen..aber ob das normal ist?
      Danke dir
      Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...