Samstag, 22. Februar 2014

Das Fräulein Grete Meier muss mit

Das Fräulein Grete Meier muss mit

Drücken gilt nicht, Frau Meier. Sie müssen mit. Unbedingt sogar. Is gut für das Betriebsklima. Nu sei mal kein Frosch, Grete. Ausreden gibbet nich. Selbst der Eido is dabei. Wird bestimmt lustig und ohne sie ...
Ohne mich, dachte die Gete, als gestern alle im Büro auf sie einredeten. Sagte dann aber, allerdings nur auf Grund des massiven kollegialen und sicherlich gutgmeinten Drucks, am Ende doch zu. Widerwillig, aber das schien keiner zu bemerken. Im Gegenteil, ihr lautes - Ja in Gottes Namen, dann komme ich eben mit - löste allgemeinen Jubel aus.

Das Fräulein Grete Meier rührte lustlos in ihrem Samstagskaffee. Selbst schuld, schimpfte sie in den beginnenden Tag hinein. Jetzt haste den Salat. 
Am liebsten hätte die Grete sich in den Allerwertesten gebissen.Weiberfastnacht nach Köln. Was für eine hirnrissige Idee. Alleine schon bei dem Gedanken blieb ihr das Rührei im Hals stecken. Grete musste würgen. Was aber nun weniger an der Tatsache lag, dass der Gedanke an diesen "Betriebsausflug" ihr derart Unbehagen bereitete, sondern vielmehr daran, dass ihr wohl der Salztopf ausgerutscht war. Grete hustete und spuckte. Nun völlig verärgert, griff die Grete nach dem Teller und das Samstagsfrühstück endete mit Schwung im Mülleimer. Was Grete jetzt brauchte, war frische Luft und eine Zigarette. 
Auf dem Balkon war es zwar noch kühl, der Himmel dafür wolkenlos und die Sonne zeigte bereits schon ihr strahlendes Gesicht. Vögel zwitscherten und während die Grete rauchte, nahm der samstägliche Frieden, der noch über der Stadt lag, langsam auch von ihr Besitz. Sätze wie - "wer A sagt muss auch B sagen" und "es gibt kein größer Leid ..." - krochen langsam von den großen Zehen bis unter die Haarspitzen. Gegenüber hielt ein Bus und im Quietschen der Bremsen vermeinte die Grete Worte von Tante Heidi zu hören. "Was immer du tust und egal wie du dich entscheidest, mach das Beste draus"
"Et kütt wie et kütt und es hätt noch immer joot jejange", palaverten die Spatzen im Tonfall von Onkel Günther. "Man soll die Feste feiern wie sie fallen!" Ja, genau das sagt er immer.  Irgendwie beruhigte das die Grete. Sehr sogar. Sie drückte ihre Zigarette aus und straffte die Schultern. Hoch erhobenen Hauptes ging sie wieder zurück in ihre Küche. Die zweite Tasse Kaffee schmeckte schon wieder richtig gut. Gretes Gedanken rotierten. Über den Sinn oder Unsinn dieses karnevalistischen Vorhabens wollte sie jetzt nicht mehr nachdenken. Fakt is Grete, du hast gesagt, dass du mitkommst. Also, brauchste jetzt erst mal ein Kostüm. Vielleicht das Clownkostüm von vor zwei Jahren? Nee, nicht wirklich. Die komische orange Perücke hatte der Grete nämlich damals den ganzen Abend verdorben. So gejuckt hatte die. Am liebsten hätte sie sich das Ding vom Kopf gerissen. Ging aber nicht, das die Frisur darunter garantiert nicht mehr vorzeigbar gewesen war. Und diese viel zu großen Schuhe erst. Ständig war sie über ihre eigenen Füße gestolpert.
Kein Clown, gut Grete. Streng deinen Grips an. Was lagert denn noch so in den Kostümkisten im Keller.  In Gedanken ging Grete alle vorhandenen Kostüme aus den letzten Jahren durch. Hexe? Nee, da ist doch der Hut kaputt.  Indianer? Bestimmt zu eng und sicher auch zu kurz. Fee? Grete, mach dich nicht lächerlich. Feenhaft gebaut biste nun ganz sicher nicht mehr.
Grete überlegte hin und her, aber so etwas wirklich Gescheites wollte ihr nicht einfallen. Was zur Folge hatte, dass sich Brüderchen Unmut wieder in Gretes Gedanken schlich. Huckepack mit Schwesterchen Selbstmitleid. Gerade noch rechtzeitig, bevor die zwei es sich so richtig gemütlich machen konnten, klingelte das Telefon. "Morgen Frau Meier, hier ist die Susi. Ich fahr gleich in die Stadt. Brauche noch ein Kostüm für Weiberfastnacht. Und da habe ich mir gedacht ... die Grete, also ich mein natürlich die Frau Meier, die hat bestimmt auch noch kein Kostüm. Stimmts?" Grete nickte stumm. " Frau Meier, sind se noch dran?" Wieder nickte die Grete. "Huhu, könnense mich hören?"
Endlich fand die Grete ihre Sprache wieder. "Klar bin ich noch da!"
"Supi Frau Meier, also was sagense, soll ich sie gleich abholen? Das wird bestimmt lustig. Wir zwei auf Kostümsuche!" Na, ob das so lustig werden würde? Grete war sich da nicht so sicher. Aber immerhin, das war eine Option. Grete sagte flugs zu. "Aber nix in Pink, hörste!"




Kommentare:

  1. Schade, jetzt hätte ich doch gern erfahren als was die Grete denn geht. Aber das kommt sicherlich noch.....
    Ich bin eine waschechte Norddeutsche, mit Karneval oder Fasching habe ich nix am Hut. Schon meine Kinder mochten das Verkleiden im Kindergarten nicht. Das hat immer für Aufruhr gesorgt. In Braunschweig gibt es aber den längsten Umzug Niedersachsens und den habe ich mir schon einmal angeschaut - das war super. Was haben wir für Bonbons aufgesammelt - herrlich.

    Ich wünsche dem Gretchen einen vergnügten Tag mit viel Abwechslung und Freude.

    AntwortenLöschen
  2. Genau wie Geli bin ich gespannt, als was Frau Grete Meier geht. In diesem Jahr ist "Frosch"
    in, habe ich mir sagen lassen.
    Früher, in meiner Jugend, bin ich mehrmals in Köln gewesen. Mir hat es immer gefallen, auch wenn ich nicht so der Karnevalsgeck bin.
    Das war sicher ein lustiges Kostümekaufen mit der lieben Susi. Da wäre ich gern dabei gewesen.
    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    Irmi

    AntwortenLöschen
  3. Viel Spaß, Grete!
    Ich selbst hasse Fasching. ;)

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Grete,
    au weiaah ! Ich bin auch total unkarnevalistisch. Gerne beschreibe ich das Rheinland mit seinem Grundgesetz - wie Du das auch machst - aber mitten in den Trubel des Karnevals hinein !?!?!? Humor und Frohsinn ja, aber solch ein karnevalistisches Treiben liegt jenseits meiner Rationalität, dass ich lieber die Zeit gestalten will und über den Dingen stehen will. Wünsche trotzdem viel Spaß. Meine Frau ist jedenfalls eine viel leidenschaftlichere Karnevalistin und stürzt sich Weiberfastnacht mitten in den Trubel hinein.

    Gruß Dieter

    AntwortenLöschen
  5. hallo grete,
    zwecks frosch mußte ich lachen. ich war heute auf einem kleinen fest,
    ein junge sprach etwas merkwürdig, da fragte ich ihn, ob er einen frosch verschluckt hätte.
    "nein" sagte er, "ich habe doch gar keine frosch gegessen". ich mußte so lachen und gerade ist es mir - beim lesen deines posts - wieder eingefallen.

    lg eva

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ouuppssss, das war ja nicht heute, sondern gestern.
      bin erst nach hause gekommen.

      lg eva

      Löschen
  6. Na dann viiiiieeeel Spaß... ich bin ja kein Karnevalsfreund, aber ein mal muss ich mich auch immer verkleiden... Leider.
    Liebe Grüße und schönen Sonntag,
    Kebo

    AntwortenLöschen
  7. Herrlich!
    Ich war so richtig bei Grete, kenne das Gefühl nur zu gut.
    Aber am Ende wird es bestimmt doch lustig. Wenn der erste Schritt getan ist, sind die anderen nicht mehr so schwer.
    Ich bin kein Fastnachter, aber einmal im Jahr besuche ich eine Sitzung eines kleinen Vereins, bei dem gute Freunde mitmachen. Erst mit Seufzen, doch dann ist es jedes Mal nett.
    Also los, Grete! Und ein Kostüm findest du mit Susi bestimmt. Und Weiberfastnacht ist ja noch mal was Besonderes. Mein Mann zieht an diesem Tag immer die ältesten Kravatten an und nennt es "unkomplizierte Entsorgung".
    O, was bin ich gespannt - auf Kostüm und das Ereignis überhaupt.

    Liebe Grüße
    Enya

    AntwortenLöschen
  8. Ich nehme an, Fortsetzung folgt, liebe Grete??? :o))
    Natürlich kenne ich das auch - mich zunächst mal sperren und dann doch breittreten lassen - und zumeist wird das dann richtig gut - also lass dich fallen (natürlich nur bildlich gesprochen!) und genieße!
    Ganz liebe rostrosige Montagsgrüße, Traude
    .•´ ♛ ¸.•*´¨) ♥ ¸.•*¨) ♬ ¸.•´¸.•*´¨) ♛
    PS: Wie sind denn nun Feen gebaut, liebe Grete? Ich dachte, da gäbe es auch solche und solche und solche...

    AntwortenLöschen

Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...