Dienstag, 13. Mai 2014

Das Fräulein Grete Meier und der europäische Gesang

Das Fräulein Grete Meier und der europäische Gesang 

Generell schaut sich die Grete ja mal ganz gerne Musiksendungen im Fernsehen an. Sofern es sich nicht um Sendungen handelt in denen Blasorchester spielen und Jodelattacken ihre Ohren quälen. Denn Volksmusik, nee, das ist nix für die Grete. Lediglich Andreas Gabalier hat da eine kleine Chance. Den mag sie nämlich. Aber auch erst seit dieser neuen Sendung "Sing meinen Song". 
"Der ist ja sowas von sympathisch", hat sie erst neulich der Berta Kalt im Büro vorgeschwärmt und den ganzen Tag "I sing a Liad für di" vor sich hin geträllert. Sehr zum Leidwesen von Susi. Nun, immerhin, die konnte in ihre Abteilung flüchten. Der Chef leider nicht. Aber weil er es sich nicht mit der Grete verscherzen wollte, machte er lediglich seine Bürotür zu.
Schon vor einer Woche war der Grete eine Einladung ins Haus geflattert. Besser gesagt, sie klebte mittig an ihrer Wohnungstür. Unverhofft kam sie nicht, die Grete hatte sie schon ewartet. Denn schon seit Jahren war es Tradition im Haus, dass jedes Jahr, wenn der europäische Songcontest (kurz ESC) ansteht, im Haus eine Party organisiert wird. Dieses Jahr war Marie an der Reihe, ihr Wohnzimmer zur Verfügung zu stellen.
Am Samstagabend war es dann soweit. Klaus Wenig hatte seinen Mega-Fernseher zu Marie hochgeschleppt. Denn Marie selber besitzt gar keinen Fernseher. "Ach ma Gretee, isch biin doch kaum zu ause ..." 
So nach und nach trudelten die anderen ein. Die Hebers hatten Sohn Luis zur Oma gebracht und turtelten schon im Flur miteinander. Grete sah es mit Vergnügen. Ist doch schön für die zwei, mal kinderfrei und losgelöst vom Alltag, dachte sie, während sie die Teller mit ihren mitgebrachten Schnittchen auf dem Tisch verteilte. Herr Heinevetter hatte es sich bereits in Maries Schaukelstuhl bequem gemacht und redete in einem fort auf Frau Korters ein, die in einem Sessel neben ihm saß. Und, wie Grete schmunzelnd feststellte, heimlich ans Ohr griff, um ihr Hörgerät leiser zu stellen. Grete setzte sich auf einen Stuhl, denn die Couch wollte sie den Hebers, Herrn Wenig und Marie überlassen. Letztere trippelte aufgeregt auf ihren High-Heels um Klaus Wenig herum und sah bewundernd zu ihm auf. Ist ja auch ein toller Kerl, dachte die Grete. Wäre doch super wenn die zwei ... Grete, ganz ruhig. Kuppeln is nich. Aber wer weiß, nachher, so auf der Couch, ganz dicht beieinander ...hach, wäre doch schön.
Gerade noch rechtzeitig, bevor Grete vollends in rosa Wolken versinken konnte, schaltete Klaus Wenig den Fernseher ein. Wurde auch höchste Zeit, denn in Kopenhagen war man schon startbereit. Von Kandidat zu Kandidat stieg die Stimmung in Maries Wohnzimmer. Es wurde mitgeträllert und jeder Song heiß diskutiert. Einig war man sich grundsätzlich nicht. Während Grete und Frau Korters den Beitrag aus den Niederlanden favorisierten, hing das Herz von Marie und, wie kann es auch anders sein, das von Herrn Wenig an dem deutschen Beitrag. Die Hebers dagegen waren für Herrn oder Frau Wurst ( von welcher Seite aus man es eben betrachtet). Einzig Herr Heinevetter hielt sich konsequent aus jeglicher Diskussion heraus. "Das is doch alles Mist. Ja, früher, da wurde noch richtig gesungen beim ESC. Wenn ich da noch an Conny Froboess denke ... zwei kleine Italiener!" Bei so einigen Liedern wünschte sich auch die Grete insgeheim die Conny oder den Udo Jürgens auf die ESC-Bühne zurück. 
Später, als die Votingergebnisse bekanntgegeben wurden, kochte die Stimmung nochmal so richtig hoch. Die Hebers jubelten als feststand, dass ihre "Conchita" die begehrte Trophäe erhalten würde. Marie und Klaus Wenig waren spürbar enttäuscht, dass der deutsche Beitrag kaum Punkte erhalten hatte. So ganz nachvollziehen konnte die Grete die verschiedenen Votings auch nicht. Sie gönnte es aber Österreich. Denn eigentlich war der Beitrag doch recht nett gewesen. Also gesanglich. Über den Rest mochte sie nicht urteilen. Auch nicht am nächsten Tag, als in den Zeitungen und im Internet dem Wort "Wurst" eine immense Bedeutung zugewiesen wurde.  
"Jedem Tierchen sein Pläsierchen", sagt Onkel Günther immer. Und daran hält sich die Grete. Meistens jedenfalls. 





Kommentare:

  1. hi grete,
    da habt ihr ja tatsächlich ein riesenevent gehabt. an mir gings vorbei, ich schau das seit jahren nicht mehr und wundere mich, dass dieser "......" so in der presse rumgezogen wird.
    wers mag. ja früher, zwei kleine italiener, daran kann ich mich noch erinnern. der song contest war schon immer politik und man zeigt deutschland, wie sehr man es mag.
    den beitrag von frau wurst fand ich nun, da er ständig aus dem radio trällert ganz gut,
    aber sonst, eher nicht.
    ich habe mir angewöhnt zu sagen: " das ist geschmackssache".
    den andreas, nein danke! wen ich in dieser sparte mag, das ist der hubert von goisern,
    aber mehr auch nicht.
    wenn ich sehe, was das für mist produziert wird, flüchte ich mich lieber wieder in meine
    opern- und klassikwelt. da habe ich mehr davon.

    in diesem sinne
    eva

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  2. Liebe Grete,
    ich habe auch geschaut, im Urlaub, mit Mutter und Schwester zusammen und auch bei uns gab es heiße Diskussionen. Mein Favorit waren die Schweizer, dann die Holländer. Den Siegersong fand ich gut gesungen, aber er riss mich nicht vom Hocker.
    Liebe Grüße
    Regina

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  3. ui, da seh ich ja ganz bekannte Grüße obendrüber von mir und mach mal winke,winke hinauf!....
    die "Songs" hab ich nur in der Wiederholung gesehen, aber man braucht ja nur den Partybericht vonner Grete zu lesen, der war schön und hat so richtig einen bleibenden Eindruck hinterlesen, mehr noch als die diversen Songanteile...tralalalala...
    die "Conchitawust" fordert natürlich heftige Diskussionen heraus, mancher mag das Outfit, andere finden es künstlich übertrieben - eben reine Geschmackssache, aber die Stimme und der Song - waren gut, da gibbet nix dran zu meckern....man soll sie/ihn vielleicht mal fragen ob sie/er das Märchen vom Wolf gut kennt :was hast du für einen großen Mund!!!!!°" bißchen kleiner geschminkt kommen schöne Töne da raus..lacht....
    ja ja, die Grete erzählt schöne Sachen, aber: nicht kuppeln Grete, nicht kuppeln das ist verboten! - grinst....

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  4. Liebe Grete,
    ich habe nichts gesehen. Aber am nächsten Tag war ich dann doch überrascht. Ich hatte von Frau Wurst ja noch nichts gehört. Ich gönne ihr den Erfolg und wünsche nur, dass sie nicht zu viele Nackenschläge auf ihrem Weg erhält.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  5. Hallo Grete,
    ESC ist nicht mein Musikgeschmack. Da mag vielleicht ein einzelnes besseres Stück dabei sein. Ich tue mir das aber nicht an, mir den kompletten ESC anzusehen.

    Gruß Dieter

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...