Dienstag, 19. August 2014

Von Mäusen und einem Kater

Von Mäusen und einem Kater

Kaum hatte das Fräulein Grete Meier am Samstag ihren Balkon betreten, ergoss sich ein Schwall von Worten über ihr. Oh mein Gott, dachte sie, während sie sich ihre schmerzenden Schläfen rieb. Keine gute Idee! 
Obwohl sie nach klarer kühler Luft gierte, bereute sie den Schritt nach draußen sofort. Grete hatte einen Kater, und was für einen. Ein ausgewachsenes biestiges Tier, dass hartnäckig ihren Kopf malträtierte und in ihrem Magen wühlte. Und eines auf keinen Fall jetzt ertragen konnte. Herr Heinevetter. Besser gesagt seinen Redefluss. Fast schien es der Grete, als ob das Vieh davon noch mehr angestachelt würde. Und jetzt hielt der Trottel ihr auch noch eine Tasse Kaffee unter die Nase. Grete würgte. 
Endlich fiel auch Herrn Heinvetter auf, dass etwas mit Grete nicht stimmte. Ganz und gar nicht stimmte. "Was ist denn mit ihnen los, Frau Meier?", unterbrach er seine Litanei. "Und überhaupt, hammse mal auf die Uhr geguckt? Ist schon zehne durch. Ich wart schon seit mehr als einer Stunde auf sie."
Die Grete reagierte äußerst grantig. "Also ehrlich, darf man jetzt nicht mal mehr länger schlafen? Wo simmer denn hier, auffem Kasernenhof? Und nehmense bloß die Tasse weg!"
Erschrocken schaute Herr Heinevetter das Fräulein Grete Meier an. "Ja also, jetzt ... da meint es mal gut ... und dann sowas." Er stellte den Kaffee auf dem Mäuerchen, dass die Balkone trennt, ab. "Undank ist der Welten Lohn!"
Auch wenn sie jetzt gerne gelacht hätte über das beleidigte Gesicht von Herrn Heinevetter, es wollte der Grete nicht gelingen. Immerhin konnte sie ein "Ist ja schon gut" zwischen ihren Lippen herausquetschen. Dann revoltierte ihr Magen und Grete suchte schleunigst das Weite. Besser gesagt das Klo.
"Nee, neee", jammerte sie fünfzehn Minuten und eine Kopfschmerztablette später. "Und das mir! Ich werde alt, Herr Heinevetter." 
Der wusste noch immer nicht, was mit der Grete los war. Aber er hatte Geduld und wartete, bis die Grete einen Schluck Kamillentee intus hatte. Grete war ihm dankbar für die Ruhe. Nach weiteren Schlucken hatte sich ihr Magen einigermaßen beruhigt. Auch wenn der Kater immer noch einen Trommelwirbel nach dem anderen in ihrem Kopf schlug, so war die Grete zumindest wieder soweit, dass sie Herrn Heinevetter den Grund für ihre "kleine" Unpässlichkeit erzählen konnte.

Freitag, kurz vor Feierabend, war Eido in Gretes Vorzimmer gestürzt. "Wir haben Mäuse, Frau Meier. Um genau zu sein, drei Stück. Zumindest habe ich nicht mehr gesehen. Im Lager. Susi sitzt kreischend auf einem der Packtische und kommt nicht mehr herunter."
Mäuse? Im Lager? Also sowas. Und Susi, wie kommt die überhaupt aus ihrem Büro dahin? Gretes Gedanken stürzten übereinander. Ach egal was Susi da wollte, die Mäuse müssen weg und Susi vom Tisch herunter. Resolut wie immer packte die Grete Eido am Arm und eilte mit ihm ins Lager. 
"Ein Anblick für die Götter, Herr Heinevetter, wie die Susi da kreischend und zitternd auf dem Packtisch hockte. Bewaffnet mit einem Tacker und einer Rolle Paketklebeband. Zum Schießen! Na, jedenfalls haben wir dann noch die berta geholt und den Chef. Mit Pappkartons bewaffnet ist es uns dann nach einer Stunde gelungen alle drei Mäuse einzufangen. Susi ist die ganze Zeit nicht vom Tisch heruntergekommen. Erst als wir ihr mehrfach versichert haben, dass wir alle Mäuse im Hinterhof ausgesetzt haben, hat sie sich bequemt. Naja, und auf den Schreck hin und weil wir ja so erfolgreiche Mäusejäger waren, hat der Chef eine Flasche Wein spendiert. Und dann noch eine, und noch eine. Ja und dann hatten wir alle Hunger. Also haben wir den Pizzadienst gerufen. Und zu der Pizza gab es dann Rotwein, auf Kosten des Hauses. Und als der alle war, hab ich noch eine Flasche Sekt rausgerückt, die noch von Weihnachten in  meinem Büroschrank stand. Tja, und das Ergebnis sehen sie jetzt. Ich hab einen ausgewachsenen Kater."

Herr Heinevetter lachte sich kaputt. "Das letzte Glas, Frau Meier", japste er, "das letzte war ganz bestimmt schlecht!"





Kommentare:

  1. :-)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))!
    ...und wo ist der Kater jetzt???

    Meiner wurde leider heute abgeholt!!!
    ;-((((((((((((((((((((((((((((((((((((((((((

    lg eva

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  2. Ich halte das für ein Gerücht. Das ist meist kein Kater, sondern eine schlechtgelaunte Katze.
    So! Aber angenehmer macht diese Tatsache das Ganze auch nicht. Wie gut, dass ich ein Drache bin. Mir machen so kleine Miezen nichts aus.

    Viele Grüße vom Drachen

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  3. Ach, so ein Kater, gegen den kann man sich ganz selten manchmal irgendwie nicht wehren ;-)
    Liebe Grüße,
    Frauke

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  4. Das find ich aber sehr gut, dass die Mäuse eingefangen wurden und wieder in die Freiheit entlassen wurden. Ein Grund zum Feiern, schade, dass der Kater dann die Freude getrübt hat, mehrere Weinsorten durcheinander, das kann ich auch nicht vertragen ...
    Mitfühlende Grüße
    Regina

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  5. O weh, da leide ich direkt mit. Soooo ein Kater ist wahrlich übel (Mir reicht meiner schon, der mich auch ohne Sekt und Rotwein traktiert).Wie gut, dass der Kater erst nach der Mäuseaktion auftrat. So konnten die Tierchen wenigstens gerettet werden. Susi hätte ich in der Situation ja alles zugetraut. Doch Grete hat, beherzt wie immer, alles zum Guten gefügt. Und musste soo leiden, die Arme.
    Die Situationsbeschreibung ist wieder köstlich.

    Liebe Grüße
    Enya, die hofft, dass der Kater sich getrollt hat...

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  6. lachend lese ich deine Katergeschicht...na was*n Glück dass die Mäuslein irgendwo im Freien wieder flitzen können..aber den kater, den wüncht man ja keinem!....
    man sagt ja um ihn zu bekämpfen sollte man morgens wieder damit beginnen womit man abends aufgehört hat, aber ich
    halte das für ein billiges Alibi weiterzusüffeln...gehts dem Köpfle nun wieder besser...?
    eine köstliche Geschichte...wie immer
    farbenfroh erzählt....

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...