Dienstag, 16. September 2014

Das Fräulein Grete Meier will auswandern

Das Fräulein Grete Meier will auswandern

Vollkommen fertig saß das Fräulein Grete Meier an ihrem Schreibtisch. Da Susi die Türe vergessen hatte ins Schloss zu ziehen, kam sie nicht umhin zu hören, was diese der Frau Seelig auf dem Flur zurief. Das "Da gehense besser nicht rein, mit der Meier ist heute nicht gut Kirschen essen" ging ihr ganz schön unter die Haut. 
"Recht hat se ja, die Susi", dachte sie, während sie sich über die Haare strich. Die im Übrigen heute wie Spaghetti herunterhingen. Was kein Wunder war, bei den neuerdings merkwürdigen Schlafgewohnheiten der Grete. Wenn man denn überhaupt von einer Art Schlaf reden konnte. Denn meist lag die Grete hellwach und lauschte in die Dunkelheit. Dementsprechend gerädert war sie dann am nächsten Tag im Büro. Sogar der Chef ging ihr bereits aus dem Weg. Schuldbewusst starrte die Grete auf die geschlossene Tür zum Chefzimmer. "Grete, du musst was unternehmen, so geht es nicht weiter!"
Entschlossen klopfte die Grete an die Tür. Doch wie es im Leben oft genug ist, des einen Problem ruft beim anderen nur Lachanfälle hervor. So auch beim Chef, als Grete ihm schilderte, was sie seit Tagen um den Schlaf brachte. "Eine Spinne, Frau Meier, das ist doch nicht ihr ernst? Und deswegen schlafen sie Tagen unter einem Laken? Nee, Frau Meier, das ist ja zu köstlich! Alleine die Vorstellung wie sie zittternd unter einem Bettlaken liegen ..." 
Die Grete war ganz schön beleidigt. "Echt jetzt, Chef. Das ist nicht nur eine kleine Spinne. Handtellergroß ist die mit gaaanz haarigen Beinen. Und angestarrt hat die mich. Gruselig, direkt über meinem Kopfkissen hing die von der Decke runter." Grete schüttelte sich. "Total ekelig!"
"Ja in Gottes Namen, warum haben sie das Tier denn nicht entfernt? Und wenn sie das schon selber nicht hinkriegen, was ist denn mit den Herren bei ihnen im Haus. Dieser Herr Heinvetter wird ja wohl kaum vor einer Spinne Angst haben. Und Herr Heber und Herr Wenig ja wohl auch nicht!"
Grete schüttelte den Kopf. "Nee, haben die auch nicht. Zuerst habe ich ja den Herrn Heinevetter geholt. Der hat das Ding ja dann auch noch gesehen. Doch als er auf meinem Bett stand und mit seinem Schluffen draufhauen wollte, ist das Biest ab hinter den Schrank. Ich hab ihn dann als Wache dagelassen und Herrn Heber geholt. Der hat es dann allerdings nicht geschafft, den Schrank von der Wand zu rücken. Also musste Herr Wenig dann auch noch ran. Mit Marie habe ich dann erstmal den Schrank halb leer räumen müssen, damit die Herren ihn von der Wand wegbekamen. Aber das Biest war gar nicht mehr dahinter. Einfach weg war die Spinne. Wir haben die Kommoden abgerückt und alles ausgeräumt, weil Marie meinte, sie könnte sich ja auch in einer Schublade verkrochen haben. Sogar den Lampenschirm haben die runtergeholt. Nix ... spurlos verschwunden! Dabei sollte Herr Heinevetter doch aufpassen!"
Mittlerweile war Gretes Gesicht mit hektischen roten Flecken übersät, die sich langsam auf ihrem Hals ausbreiteten. Ein sicheres Zeichen für den Chef, sich nicht weiter über die Grete lustig zu machen. "Die ist bestimmt schon längst durch Flur und Wohnzimmer auf den Balkon und ab durch die Mitte", versuchte er die Grete zu beruhigen.
"Neee, neee, Chef, ganz bestimmt nicht. Die Tür vom Schlafzimmer haben wir immer zugelassen. Die muss noch da sein. Deswegen liege ich doch unter dem Laken. Krieg kaum Luft und ständig höre ich irgenwelche komischen Geräusche. An Schlaf ist da gar nicht zu denken." Grete holte tief Luft. "Chef, könnten sie nicht ... sonst muss ich auswandern!"
Der wehrte direkt ab. "Nee, Frau Meier, für eine Spinnenjagd habe ich nun wirklich keine Zeit. Sie wissen doch ...Termine, Termine ..." Ernst schaute er die Grete an. "Vielleicht ist auswandern gar keine so schlechte Idee ...!" Danach konnte er nicht anders. Er prustete vor Lachen und schlug sich auf die Schenkel.
Grete, total empört, drehte sich auf dem Absatz um und rauschte aus dem Büro. Die Tür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss. Auswandern soll ich ... auswandern. Was fällt dem denn ein.
Wütend schnappte sich Grete ihre Tasche. Auswandern, das kannste haben. Mit einem letzten Fünkchen Verstand öffnete die Grete nochmals die Tür zum Chefzimmer. "Überstundenabbau!" Sprachs und ward für den Rest des Tages nicht mehr im Büro gesehen. 

Als Grete zuhause ankam, hatte sie sich wieder etwas beruhigt. Ein Übriges tat ein Tasse Lieschentee und eine Zigarette auf ihrem Balkon dazu. Vielleicht ist auswandern ja keine so schlechte Idee, sinnierte sie. Die Couch im Wohnzimmer ist doch im Grunde ganz bequem und ich könnte dann endlich mal wieder schlafen. 
Während die Grete schon gedanklich dabei war ihr Nachtlager vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer zu verlegen spürte sie plötzlich etwas an ihrem rechten Fuß, der wie immer, wenn sie zuhause war, in einer offenen Birkenstockksandalette steckte.

Gretes Schrei war mit Sicherheit noch drei Straßen weiter zu hören. Immerhin hatte er die Spinne scheinbar so erschreckt, dass diese rüber zu Herrn Heinevetter floh. Den Grete die nächsten Tage ganz bestimmt nicht mehr besuchen gehen wird. So viel ist sicher.












Kommentare:

  1. Die Ziele zum Auswandern in ein mit Sicherheit spinnenfreies Land scheinen ohnehin übersichtlich zu sein. Aber am Nordpol soll da noch was machbar sein. So ein Iglu hat ja auch mitunter was heimeliges.

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    1. Lach. ich glaube bevor ich erfriere, lebe ich lieber mit einer Spinne...
      Danke dir
      Gruß vonner Grete

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    2. welch eine kösstliche Geschichte, ! ich hab echt!°lauthals gelacht, wenn das auch dem Gretchen natürlich nix nutzt bei ihrer Spinnenphobie!, Auswandern ist natürlich nicht schlecht, so als Alternative für durchwachte Nächte....
      aber wenn dann dieses Spinnentier dir auch noch folgt wie ein Nachtgespenst!
      Igitt...igitt...
      ich würds wie du machen und das Nachtlager für eine Weile wechseln!
      Noch lache ich, aber wenn sie bis zu mir gekrochen - geflogen oder gebiemt kommt, lass ich es wieder und fürchte mich auch"!°

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  2. Eine Spinne grins*** Frauen haben damit oft Probleme. Vor Jahren ist mir mal mein Welle hinter den Wohnzimmerschrank geflogen. Als ich den Schrank leergeräumt hatte spazierte das Tierchen quietschvergnügt hervor - gut, er ist keine Spinne.....Ich stelle mir immer vor wie dieses arme Tierchen einen Menschen sieht und sich fürchterlich erschreckt....
    LG von Geli, die heute aus dem Urlaub zurück ist

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    1. Hallo Geli, ich hofffe du bist gut erholt. Du hörst dich auf jeden Fall so an. Freue mich, dich hier zu lesen.
      Gruß vonner Grete

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  3. Hallo Du Arme,
    bah, mit Haaren, echt eklig :-)
    Mein Sohn schläft seit Tagen bei der Schwester, weil er die Terrassentür offen gelassen hatte und das Licht im Zimmer an war und jetzt eine riesige Schnake dort rumfliegt - allerdings nie, wenn ich als Vernichtungswaffe anwesend bin. Erst heute bin ich auf die Idee gekommen, zu sprühen, denn der arme Kerl traut sich noch kaum ins Zimmer, um seine Kleidung rauszusuchen...
    liebe Grüße!

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    1. Oh, dieses Riesenschnaken gefallen mir auch nicht. Da werde ich ganz unentspannt. Sie sind mir nicht geheuer.
      Gruß vonner Grete

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  4. Hallo grete,
    Ich schreibe auf dem iPad und das ist nicht so einfach.
    Also, schrei, wenn du kannst, das war mal ein Film. Da ging es nicht um spinnen, das ist mir aber gleich eingefallen, als ich deinen Post gelesen habe.
    Jetzt kannst du beruhigt schlafen, weil die Spinne oder der spinnerich ausgewandert ist.

    Herzlichst eva

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    1. Hallo Eva..Spinnerich ist gut ..das werde ich mir merken. Danke fürs Vorbeischauen und deinen Kommentar.
      Gruß vonner Grete

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  5. Nun muss ich wirklich lachen, ja, ja ,die Spinnen, wer eine Phobie gegen sie hat, der findet immer irgendwo eine Spinne, sie verfolgen den Menschen förmlich.Meine Schwiegertochter könnte Dir die Hand reichen, da gabs schon einige Erlebnisse, auch erstarrt im Bett. Gestern habe ich draußen eine Kreuzspinne fotografiert die gerade sowas grünes einwickelte.
    Habe mich zusammengerissen, mag Spinnen allgemein nicht im Haus, besonders nicht die Langbeinigen, die so huschen im Blickwinkel.
    Grüssle zu Dir, Marie-Claire

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  6. Oh, wie gut kann ich die Grete nachvolziehen. Ich überlege grade, ob ich vielleicht bei der Erfindung der Grete Pate gestanden habe ;-))
    Herrlich, wenn man über sich selbst lachen kann. Zumindest bis die nächste Spinne auftaucht.

    LG Petra K.

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  7. Neulich wollte ich mal ein Gepäckstück auf meinem Fahrradgepäckträger befestigen und bat meine Frau:"Wirf mir mal bitte die Spinne aus der Schublade zu."Daraufhin ein schriller Schrei aus dem Kinderzimmer:"Iiiiiiiiiiii...Spinne...wo..Iiii !!!"

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...