Sonntag, 12. Oktober 2014

Das Fräulein Grete Meier träumt in Lavendel

Das Fräulein Grete Meier träumt in Lavendel

Sonntagmorgen 9.00 Uhr. Das Telefon klingelte ... und klingelte ... und klingelte ...
Für einen kurzen Moment überlegte das Fräulein Grete Meier, die wohlig-warme Badewanne zu verlassen. "Ihr könnt mich alle ...", rief sie dann kurzentschlossen, hielt sich die Ohren zu und tauchte wie zur Bekräftigung einfach unter. Hätte sie gewusst, wer da so hartnäckig versuchte sie zu erreichen, wäre sie wohl mit einem Affenzahn, pudelnackig und nass ans Telefon gestürzt. Aber so ... nun, das Lieschen wird es ihr verzeihen.

Grete tauchte wieder auf, strich sich die nassen Haare zurück und horchte. Alles ruhig. Seufzend lehnte sie sich zurück und genoss den zart nach Lavendel duftenden Schaum, der sich an ihren Körper schmiegte wie eine federleichte Dauenendecke. Was ihr jetzt noch fehlte, waren ein Kaffee und eine Zigarette. Aber das musste warten. Denn Rauchen im Badezimmer ... nein, das ging nun wirklich nicht. Und wenn, sie hätte aufstehen müssen, und das war das letzte was die Grete wollte. Grete schloss die Augen und ... träumte. Von sonnenüberfluteten Lavendelfeldern und lange vergessenem Liebesgeflüster. Lange ging das allerdings nicht gut, denn die letzten drei Wochen lagen ihr so in den Knochen, dass sich die Erlebnisse in ihre Traumwelt mischten und für ein Durcheinander in ihrem Kopf sorgten. Der Chef turnte wie ein Schlafwandler durch den Lavendel und das Feld war plötzlich mit Messeständen übersät. Menschenmassen drängten sich hindurch und trampelten alles platt. Rolf winkte und rief ihr etwas zu, aber Grete konnte nicht verstehen was er sagte. Onkel Günther schrie ständig nach seiner Brille und Tante Heidi lag merkwürdigerweise blass und matt in einem weißen Bett. Grete wollte zu Rolf aber er verschwand in einer lilafarbenen Wolke ... wie alles plötzlich um sie herum. 

Wasser drang in ihre Ohren und in die Nase. Grete schnappte nach Luft. Offensichtlich war sie, dank ihrer Träumerei, mit dem Kopf unter Wasser gerutscht. Nee, dachte die Grete, so geht das nicht. Entspannen ist anders. Und Entspannung hatte sie bitter nötig. Also, erst mal raus aus der Wanne. 

Eine halbe Stunde später saß die Grete in ihrem Morgenmantel am Küchentisch. Vor sich eine Tasse Kaffee und in der Hand die obligatorische Zigarette. Genussvoll zog sie daran. Und während sie andächtig rauchte und ab und an einen Schluck Kaffee trank, ließ sie die letzten drei Wochen nochmal an sich vorbeiziehen. Die ganzen Überstunden  und die Aufregung wegen der Messe und nicht zuletzt der Umstand, dass das Hotel überbucht gewesen war und sie vier Tage mit dem Chef in einem Doppelzimmer (das bedeutete drei Nächte auf einer harten Couch schlafen, während der Chef friedlich in einem weichen Bett vor sich hin schnarchte!) verbringen musste, hatten an ihren Nerven gezehrt. Zu allem Übel musste Tante Heidi während dieser Zeit ins Krankenhaus gebracht werden, wegen einer starken und undefinierbaren, sehr schmerzhaft verlaufenden Allergie. Es war das erste Jahr gewesen, dass die Grete nicht zum Friedhof kam, am Todestag ihrer Eltern.
Nun, immerhin hatte der Chef ihr drei Tage Sonderurlaub gegeben, nach der Messe. Der allerdings angefüllt war mit Krankenhausbesuchen. 

Das Fräulein Grete Meier, rührte gedankenverloren in ihrem Kaffee. "Is doch alles wieder gut, Grete", sagte sie laut. Sie stand auf und ging auf den Balkon. 
"Und, Frau Meier", wurde sie von Herrn Heinevetter begrüßt, "ausgeschlafen? Wie geht es der Tante?" Er hielt ihr eine Tasse Kaffee entgegen. Grete lächelte. "Alles wieder gut, Herr Heinevetter."
Sie erzählte ihm kurz, dass Tante Heidi wieder zuhause ist, zwar noch etwas angeschlagen, aber immerhin. Und ließ auch nicht unerwähnt, dass Onkel Günther endlich eine neue Brille hat. "Jetzt, wo er wieder sehen kann, isser wenigstens nicht mehr so grantig." Grete ließ ihren Blick in den Himmel schweifen. "Heut wird ein schöner Tag, Herr Heinevetter. Wissense was, ich zieh mich jetzt an und dann fahren wir zwei zum Friedhof. Besuchen das Grab ihrer Frau und das meiner Eltern. Und danach ... na schaun mer mal. Der Tag ist noch lang ... und viel zu schade um ihn in der Wohnung zu verbringen." 







Kommentare:

  1. Da wünsche ich dir doch einen wunderbaren Tag. Hoffentlich scheint auch bei euch die Sonne so schön wie hier und ihr könnt den Besuch auf dem mit einem herrlichen Herbstspaziergang verbinden.
    Herzliche Grüße und einen schönen Herbstsonntag
    Regina

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    1. Der Sonntag war wirklich schön ...und ein Spaziergang war drin ..
      Danke dir ..
      Gruß vonner Grete

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  2. Dann wünsche ich Dir einen schönen und entspannten Sonntag liebe Grete :)
    Glg, Kebo

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    1. Den hatte die Grete, ganz gewiss. Dank an dich
      Gruß vonner Grete

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  3. Waaaaaaaaaaaaaaaaaas, mit dem Chef im Doppelzimmer. MMMMhhhh, ich hatte mal einen Chef, den hätte auch gerne in meinem Doppelbett gehabt!!!!

    ;-))))))))))

    Lieben Gruß Eva,
    die dir auch einen schönen Sonntag und viel Ruhe wünscht.

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    1. Ruhe war da... und die Sache mit dem Chef ..naja.. ich dneke, die Grete hat es überlebt. Fragt sich nur ob das auch für den Chef gilt ..Lach ..
      Gruß vonner Grete

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  4. Also, wenn ich da so an meinen 'alten' Chef denke. Wenn ich mit dem ein Doppelzimmer hätte teilen müssen, dann hätte ich anschließend mindestens drei Wochen Sonderurlaub benötigt.
    Na, da hast du aber wirklich eine hochstressige Zeit hinter dir. Aber wie sagt die Grete: alles wieder gut. So isses!! Schmunzeln musste ich über den Schluss, denn in nicht allzu ferne Zukunft wird es bei mir eine Reizwörtergeschichte geben, wo man denke könnte, ich hätte den Schluss jetzt gerade bei dir geklaut. Ist aber nicht so, denn sie ist schon geschrieben - kommt glaube ich übernächsten Dienstag an die Reihe!!! Ne, sowas aber auch!! LG Martina

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    1. Sonderurlaub ist gut ..und ich hoffe, dass ich deien Geschichte entdecke, wenn es soweit ist. Ich bin ja leider nicht immer mit Zeit gesegnet.
      Gruß vonner Grete

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  5. Oh man, das klingt nach anstrengenden Wochen, die hinter der lieben Grete liegen!
    Ich wünsch euch einen schön entspannten Sonntag!
    Liebe Grüße,
    Frauke

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    1. Danke Frauke, für die lieben Wünsche ..
      Gruß vonner Grete

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  6. was für eine Aufregung hatte die Grete und mit dem schnarchenden Chef in einem Zimmer, das geht ja gar nicht.
    Armes Gretchen, nun ist ja hoffentlich ein schöner Sonntag für Dich zuende gegangen.
    das Klärchen grüßt dich herzlich und gönnt Dir Entspannung im Lavendelbad, aber nicht einschlafen.

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    1. Einschlafen in Lavendelduft ist bestimmt auch was Feines ..
      Danke dir
      Gruß vonner Grete

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  7. Na, da hat der Drache aber einen Schreck gekriegt. Er hatte schon Angst, dass die Grete absäuft inne Badewanne. Das wär's ja noch gewesen. Man hätte sagen können: Erst kräftig ein'n geschluckt, und dann - lavendelmäßig verduftet! Aber ist ja - gottlob! - alles nochmal gutgegangen.

    Schöne Woche und Grüße vom Drachen

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    1. Lach, wie immer eine treffende Antwort von dir.
      Dankeschön
      Gruß vonner Grete

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  8. Hallo Grete,
    das war ja eine aufregende Zeit.Wünsche dir nun wieder etwas mehr Ruhe.Wieder toll geschrieben,ich sehe es immer alles bildlich vor mir und muß dann schmunzeln:).
    Liebe Grüße Pippi

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    1. Das freut mich, Petra ... darum schreibe ich ..
      Gruß vonner Grete

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  9. Liebe Grete, das klingt wirklich nach einer Zeit, die danach pure Entspannung fordert! Ich hoffe, du kannst sie dir gönnen. Die "Chefsache" finde ich auch "ulkig", ich hätte bisher keinen Chef gehabt, mit dem ich ein Hotelzimmer hätte teilen wollen... Ich glaube, das Gespräch / Kaffetrinken und der gemeinsame Friedhofsbesuch mit Herrn Heinevetter hat der Grete dann gut getan...
    Alles Liebe, Traude

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    1. Hallo Traude ..manchmal treibt das Leben eben seltsame Blüten. Dazu gehört auch so eine "Chefsache" ..
      Dank an dich
      Gruß vonner Grete

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  10. Hallo Grete,
    schön beschrieben, wie Du versuchst, zur Ruhe zu kommen. Geht mir auch so, dass zu viele Dinge auf einen einstürzen. Da fällt es schwer, einen Ruhepol zu finden.

    Gruß Dieter

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    1. Hallo Dieter, schön dich hier zu lesen. Freut mich
      Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...