Dienstag, 3. Februar 2015

Das Fräulein Grete Meier spielt Miss Marple

Das Fräulein Grete Meier spielt Miss Marple 

"Also das ist doch ..." Gerade noch so konnte das Fräulein Grete Meier einen Sturz vermeiden. Wutschnaubend betrachtete sie den roten Koffer, der mitten im Hausflur und somit ihren Beinen im Weg stand. Ein schöner roter Lederkoffer. Das musste sie trotz ihres Ärgers anerkennend feststellen. Grete stellte ihre Tasche ab und umkeiste den Koffer. Garantiert teuer. Und kein Namensschild. Nichts was auf den Besitzer hinwies. Grete überlegte. Ob Frau Korters Besuch bekommt? Oder vielleicht Herr Wenig? Nein, dachte die Grete. Das wüsste ich doch. Marie gehört der Koffer auch nicht. Ganz sicher nicht. Und Herrn Heinevetter oder den Hebers? Grete schüttelte den Kopf. Nee, die Koffer kenne ich doch alle. Sie wartete noch einen Moment, aber niemand erschien. Schulterzuckend griff die Grete ihrer Tasche und ging die Treppe hinauf in Richtung Wohnung. Langsam. Sehr langsam. Auf jeder zweiten Stufe blieb sie stehen und horchte. Nichs. Kein Laut. Grete rief sich zur Ordnung. Was kümmert dich denn so ein herrenloser Koffer. Wird schon keine Bombe drin sein. 
Das Wort Bombe löste allerdings dann doch etwas Unbehagen in ihr aus. Mit gemischten Gefühlen schloss Grete ihre Wohnungstür auf. Was wenn doch ... ? Ach Grete, du malst mal wieder den Teufel an die Wand!
Keine fünf Minuten später stand die Grete wieder im Flur. Argwöhnisch schaute sie über das Geländer nach unten. Der Koffer stand, soweit sie ihn sehen konnte, noch immer an Ort uns Stelle. Grete beugte sich noch etwas weiter vor. Ertappt zuckte sie zurück, als sie plötzlich Schritte vernahm. Irgendjemand ächzte und Grete hörte ein Schleifgeräusch. sie hielt den Atem an. Eine Tür klappte. Dann war Ruhe. 

Noch immer zitternd machte sich die Grete erneut eine Zigarette an. Die zweite innerhalb von zehn Minuten."Und dann, Herr Heinevetter, ich kann ihnen sagen, das war richtig gruselig ...!"
Der lachte nur. "Na, Frau Meier, Poltergeister haben wir aber hier nicht im Haus."
"Echt jetzt Herr Heinevetter, meinen sie ich sei so dämlich und glaub an Geister?" Grete war sichtlich empört. "Aber was ich gesehen hab, hab ich gesehen. So, basta!"
Herr Heinevetter legte seine Hand beruhigend auf Gretes Arm. "So habe ich es ja nicht gemeint. Aber gesehen? Im Grunde haben sie doch gar nichts gesehen. Nur einen Koffer, der jetzt nicht mehr da ist. Und die Tür? Na, das wird Herr Wenig gewesen sein, der den Koffer reingeholt hat."
"Aber das ist es doch", erwiderte die Grete. Herr Wenig ist gar nicht zuhause. Ich hab ja gleich bei ihm geklingelt. Und um sicherzugehen, habe ich auch noch in der Klinik angerufen. Er hat Dienst. Was sagense jetzt!?"
So schnell fiel Herrn Heinevetter natürlich keine Antwort ein auf Gretes Einwand. Also  grummelte er nur vor sich hin. Das gefiel der Grete ja nun überhaupt nicht. "Und kommense mir nicht mit den anderen. Die wohnen ja nicht unten, und die Treppe ist keiner rauf. Da stand ich ja. Und aus der Haustür ist auch keiner. Die fällt ja schon seit Monaten immer laut ins Schloss. Und außerdem bin ich direkt runter und habe auf der Straße nachgeschaut. Nix."
"Vielleicht direkt in ein Auto?", wagte Herr Heinevetter nochmal einen Vorstoß. Grete unterbrach ihn sofort. "Nee, nee, so schnell wie ich unten war ... nee, nun wirklich nicht."
Bevor Grete jedoch ihren Verdacht äußerte, zog sie noch einmal an ihrer Zigarette.. Verschwörerisch beugte sie sich dann zu Herrn Heinevetter über die Mauer. "Ich glaub ja", flüsterte sie, "ich glaub ja, dass jemand den Koffer in die Wohnung gezogen hat."
"In welche Wohnung?" Herr Heinevetter war sichtlich irritiert. "Sie haben doch eben gesagt, dass Herr Wenig im Krankenhaus ist!"
"Nicht so laut", wies die  Grete ihn zurecht. "Ich meine nicht die Wohnung von Herrn Wenig. Ich meine DIE Wohnung!"
So langsam ging Herrn Heinevetter ein, wenn auch nur kleines, Lichtlein auf. Er senkte ebenfalls die Stimme. "DIE Wohnung? Echt jetzt?"
Grete nickte heftig. "Ja, DIE Wohnung! Aber eines sage ich ihnen, das kriege ich noch raus. Mit mir nicht. Da muss einer früher aufstehen, wenn er die Grete überlisten will."








Kommentare:

  1. Ach mein liebes Fräulein Grete,
    was bin ich froh, dass ich endlich wieder auf ihren Blog komme und auch einen Kommentar hinterlassen kann. Diese Geschichte ist wirklich gruselig und geheimnisvoll. aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie der Sache auf den Grund gehen und auch alles herausfinden.
    Also: ich bin auch wieder da!!!!!
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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  2. ? Da bin ich ja mal gespannt *lach*
    liebe Grüße von Petra

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  3. Es wird spannend, vielleicht ist eine Leiche im Koffer oder ganz viel Geld oder oder....
    Ich bin sicher, die Liebe Grete wird mit Spürsinn und ein ganz klein wenig Neugierde das Rätsel lösen :-)
    Gruß Geli

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  4. Liebe Miss Marple,
    ich hoffe ja sehr, der Koffer enthält weder Bomben noch Leichen noch Schwarzgeld, sondern ist einfach ganz und gar harmlos gefüllt... Wir werden sehen!
    Ganz liebe lachfaltige Rostrosengrüße
    Traude

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...