Dienstag, 7. April 2015

Das Fräulein Grete Meier und die Maus

Das Fräulein Grete Meier und die Maus

Ah, endlich. Herr Heinevetter. Seit geschlagenen 10 Minuten wartete das Fräulein Grete Meier nun schon auf ihrem Balkon. Sofort hielt sie ihm triumphierend ihr Smartphone unter die Nase. "Da isse! Mausetot!" 
"Wer ist tot?" Umständlich kramte Herr Heinevetter in der Jackentasche nach seiner Brille, während die Grete ungeduldig auf das Display zeigte. "Na, die Maus! Nu setzen sie doch endlich mal das Ding auf die Nase!" 
Herr Heinevetter klappte das Brillenetui zu. "Immer langsam mit den Pferdchen, son alter Mann wie ich ist doch kein D-Zug!" Endlich fand die Brille den Weg auf seine Nase. Er nahm Grete das Handy aus der Hand und drehte und wendete es. "Wo denn, alles schwarz!" 
Grete entriss ihm ihr gutes Stück wieder, drückte, wischte und hielt es ihm dann direkt vor die Augen. "Hier!"
"Yessas, Frau Meier, die ist aber groß. Sieht schon fast aus wie eine Ratte!" Herr Heinevetter schüttelte sich. "Und die war in ihrem Büro?"
"Sag ich doch, und das schon seit mehreren Wochen. Aber mir wollte ja keiner glauben. Sie ja auch nicht!" Das klang fast ein wenig beleidigt.
Herr Heinevetter versuchte sich zu verteidigen. "Mäuse im Büro ist ja auch komisch. Und außerdem, das müssen sie aber nun wirklich zugeben, nie hat ein anderer die Maus gesehen. Nur sie!" Leider musste die Grete ihm da recht geben. Weder der Chef noch die Susi hatten die Maus jemals zu Gesicht bekommen. Und nur widerwillig hatten sie der Grete vor ein Wochen geholfen das Büro abzusuchen. Natürlich wurde nichts gefunden und tagelang hatte sich die Grete den Spott anhören müssen. Bis letzte Woche der Chef ein paar Kekse von der Grete wollte.
Jeder in der Firma weiß, dass Grete immer einen kleinen Vorrat an Keksen in einem der Schränke hat. Und Schokolade. Notfallnervennahrung sagt sie. Das muss sein. Ob beim Chef allerdings wirklich immer ein Notfall vorliegt, wenn er nach Keksen fragt, bezweifelt die Grete allerdings stark. 

Naja, wie auch immer, Grete zeigte mit einem Finger auf den Schrank, da sie mitten in einem Telefonat steckte. Dass sie allerdings abrupt beenden musste, als der Chef laut schreiend auf den Schreibtisch sprang.  Denn die nicht existente Maus, war aus dem Schrank direkt in das Gesicht von ihrem Chef gesprungen und lief nun im Zickzackkurs durch das Büro. So ein kleines bisschen Schadenfreude empfand die Grete ja dann schon. 
Natürlich wurde das Büro, nachdem die Maus hinter einem Aktenschrank verschwunden war und sich die allgmeine Aufregung wieder etwas gelegt hatte, gründlichst durchsucht. Nichts. Die Maus blieb verschwunden. Also musste ein Kammerjäger her.  "Eine Riesenmaus", schilderte die Grete diesem das Dilemma. "Dick und rund gefressen. An meine Keksen!" Grete war total empört und hielt dem Kammerjäger auch gleich das Beweisfoto unter die Nase. Der konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Was die Grete nur noch mehr in Rage brachte. "Männer!" 
Der Kammerjäger verteilte ein paar Köder und versprach in ein paar Tagen wiederzukommen. 

"Und glaubense mir, Herr Heinevetter, das war auch nötig. Als ich heute nach den Ostertagen ins Büro kam, hat es dermaßen gestunken, das mir ganz schlecht wurde. Hab dann gleich bei dem Herrn angerufen. Und was sag ich ihnen? Der hat sie dann gefunden, die tote Maus. So vollgefressen, dass er selber den Kopf schütteln musste. Von wegen, ich übertreibe!"  Wieder hielt die Grete ihm das Foto der toten Maus unter die Nase. "Dick und fett gefressen. Hab ich doch gesagt! Und nu muss ich rein. Onkel Günther anrufen. Der hat mir nämlich auch nicht geglaubt. Na, da is jetzt aber ne mega Entschuldigung fällig."

Grete verschwand hinter ihrer Balkontür und Herr Heinevetter konnte sich jetzt endlich seinen Zigarette anmachen. "Solange sie keine Entschuldigung von mir will ... soll mir alles recht sein!"


Das Keksbeweisfoto











Kommentare:

  1. Das muß man der Maus lassen: Sie hat sich sehr bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten akkurat zu arbeiten. Irgendwie gefällt mir das Ergebnis - so rein ästhetisch betrachtet.

    AntwortenLöschen
  2. Ich mag mir die Maus gar nicht vorstellen bei dem Biss, den die hatte!!! Das du das überhaupt überlebt hast. Und dann dein Chef. Das war ja ein regelrechter Angriff von einer Monstermaus!!! Gerne gelesen! ;-) LG Martina

    AntwortenLöschen
  3. Hihi :-) Geschmack hatte die Maus :-D

    AntwortenLöschen
  4. hat se toll gemacht die Maus ( auch wenn sie von keinem "gemocht wird" ja, was soll sie denn sonst fressen, auch Mäuse haben ein recht auf Leben, kastrieren geht schlecht, also töten....durch den Kammerjäger oder durchs überfressen sich selber, brave Maus, die deinen Chef so erschreckt hat, aber irgendwie isser ja selber schuld, hätt DIr eben glauben müssen!!! Männer, immer alles besser wissen, ja ja ja seufz, kennen wir schon, mögen wir nicht, dann lieber die geschichte von der vollgefressenen Maus...:)) lacht Angel...die übrigens wieder mal sehr hübsch erzählt wird.....

    AntwortenLöschen

Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...