Mittwoch, 20. Januar 2016

Gretes Senf am Mittwoch (20.01.16)

Gretes Senf am Mittwoch (20.01.16) 

Kinder. Sind toll. Bereichern das Leben. Machen Freude. Finde ich jedenfalls. Eltern dagegen? Zumindest einige ... sind einfach nur schrecklich. 
Heute in der Fußgängerzone : Vor mir hopst fröhlich ein kleiner Zwerg, wahrscheinlich kaum älter als 2 Jahre. Dick eingepackt in einem hellblauen Skianzug. Bei dieser Kälte auch vernünftig. Der Vater zwei Schritte hinter ihm.  So gehen wir eine Weile alle hintereinander. Plötzlich dreht sich das Kind um und bleibt stehen. Die Arme hoch in die Luft gereckt. Natürlich stoppt auch der Herr Papa. Ich überhole die zwei. Höre dabei wie der Junge sagt: "Papa, Arm."  Ich denk noch so: Wird wohl etwas schwierig mit dem dicken Anzug, aber Papa wird es wohl schon richten. Tat er auch. Mit folgenden Worten:" Kannst du nicht mal einen ganzen anständigen Satz formulieren?" 
Ausgebremst. Aber vom  Feinsten. Echt Leute, ich bin bald umgefallen. Kinder zum richtigen Sprechen anzuregen ist das eine, aber so? Muss das sein? Da steht ein kleiner süßer Knirps und möchte nur eines. Auf den Arm. Einfach dem Papa ganz nah sein. Gut, wie gesagt, der Skianzug war ziemlich dick und es wäre in der Tat etwas schwierig gewesen, dass Kind auf den Arm zu nehmen. aber der feine Herr Papa, hätte sich bücken und das Kind in den Arm nehmen können. Und ihm dann erklären können, dass es momentan eben nicht geht. Aber nein ... solche Anmerkungen über ganze Sätze die anständig formuliert werden sollen, sind ja pädagogisch viel wertvoller. Arme Deutschland. Arme Kinder.

Irgendwie hat mich dann das alles an die Kindergarten- und Grundschulzeit meiner Tochter erinnert. Elternabende. Gruselig. Ich habe mich gedrückt, soweit es möglich war. Diese ewigen Diskussionen der Ökotanten über Buntstifte, die eventutell giftig sein könnten und welche Art der Pausenbrotbestückung ernährungstechnisch wertvoll ist, ob und wieviel Hausaufgaben die Kinder bloß nicht überfordern ... das war einfach nie mein Ding. Und erst diese merkwürdigen Bastelstunden. Da sitzen dann zwanzig Mütter (von denen nur eine einzige ganztägig arbeiten ging und deshalb schief angeschaut wurde - nämlich ich) auf winzig kleienn Kindergartenstühlen und basteln irgendwelche komische Laternen. Viel lieber hätte ich die Zeit mit meiner Tochter verbracht. Was ich im Übrigen später dann auch tat. Und dann die tollen Gespräche während der Bastelstunde. "Wissen Sie, mein Kind hat ja Flötenunterricht. Und geht zum Reiten. Und Donnerstag immer zum Ballett. Sie ist ja so talentiert ..." Jaja, so talentiert, dass sie andere Kinder ständig beißt und kratzt. Und von Teilen noch nie etwas gehört hat. Und weiter: "Wie, ihre Tochteer hat keine Zusatzkurse? Nicht mal Ballett? Ach, sie gehen arbeiten? Naja, dann bleibt die Erziehung und die Förderung ja auf der Strecke ... die kann ja nichts werden." Und das war noch eine harmlose Bemerkung. 

Ja, is klar. Wer arbeiten geht kann keine Kinder erziehen. Und fördern schon mal gar nicht. Eine Einstellung über die ich nur lachen kann. Meine Tochter ist schon mit 6 Jahren im Bus aufgestanden und hat älteren Menschen ihren Platz angeboten. Weil ich es ihr vorgemacht habe. Wie so vieles andere auch. Weil ich mir Zeit genommen habe, für die täglichen Dinge des Alltags, trotz meiner Vollzeitbeschäftigung. Weil ich ihr gezeigt habe, was Höflichhkeit und Freundlichkeit bedeutet.  Weil ich sie auf oder in den Arm genommen habe, wenn ihr danach war. Ja, aus meiner Tochter ist etwas geworden. Eine feine und selbständige junge Dame mit einem tollen Job. Die weiß was sich gehört. Die kochen ( übrigens viel besser als ich), bügeln,  putzen und mit Geld umgehen kann. Demnächst wird sie selber Mutter. Eines weiß ich genau. Steht ihr Kind vor ihr (oder vor dem Papa) und will auf den Arm genommen werden, wird es niemals solche Sätze zu hören bekommen wie der kleine Knirps von heute morgen. Gut so ..

Gruß vonner Grete







Kommentare:

  1. Du sprichst mir aus der Seele .....

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  2. Hey Fräulein Grete, Sie werden Ona? Das ist ja mal Klasse!
    Und ja, auch aus Kindern, die Buchstaben verwechseln, und heute noch ""Eispigel" für Spiegelei sagen, ist ohne heilpädagogische Frühförderung was geworden.... Und ich bin echt stolz auf es!
    Herzlichst
    yase

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  3. seufz, ja Grete so ist es, darüber kann ich mich auch a u f r e g e n" beim sprechen erst mal darüber nachdenken ehe man die Worte unbedacht aus dem was sich Mund nennt - quellen lassen.
    deine Schilderung bei deiner Altenssprechstunde hat mich schmunzeln lassen, aber nur kurz - denn an ähnliches erinnere ich mich auch. All die Eltern die ihren Kiddys Angebote vom Reiten, segeln,Ballettanz und Gitarre üben machen, möchten angeblich die Kinder fördern und merken nicht, dass sie einfach nur überfordern, wahrscheinlich wünschen sie sich(für ihr Kind) besseres und mehr - als sie selbst als Kind bekamen, das wäre noch der leichteste und erklärbarste Vorwurf den man ihnen beim nicht darüber nachdenken - machen kann.Aber warum tun sie es dann?
    Gutes Thema, darüber sollten sich so manch heutige 30-40 jährige (mit Kind) doch mal Gedanken machen.Ich denke, wir sind mittlerweile antiquiert indem wir so erzogen dass es dem Kind auch Freude macht seine Jugend und Kindheit kindgerecht(wozu sicher weder segeln, noch Ballet oder reiten gehört) zu leben, du sprichst mir echt mit deinem beitrag aus der Seele!...
    herzlichst ein Gruß in deinen Tag und ich wünsche mir keinen Tag jünger zu sein!als ich es bin!

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  4. Der arme kleine Kerl!
    Wenn die Eltern ihren Kindern Aufmerksamkeit und Liebe schenken, dann kommt alles andere auch. Auch die vollständigen Sätze. Ein Kind zu fördern, ist die eine Seite, aber ein Kind mit Freizeitaktivitäten zu überschütten, ist die andere Seite. Solche Eltern versuchen nur ein schlechtes Gewissen zu provozieren, sollten aber mal überlegen, ob sie selbst vielleicht ihren Kindern mehr Zeit schenken könnten.
    LG
    Astrid

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...