Mittwoch, 5. Februar 2014

Gretes Senf am Mittwoch (05.02.14)

Gretes Senf am Mittwoch (05.02.14)

Ja wer hat der denn denen ins Gehirn gespuckt? Gut, die Meldung der Stadt Essen zu einem neuen Projekt, um alkoholabhängigen Langzeitarbeitslosen (oder Obdachlosen ) zu helfen, hat es nicht auf Seite 1 geschafft, dennoch bin ich darüber gestolpert. Alleine schon die Überschrift hat mich quasi zum sofortigen Lesen gezwungen. 
"Bier für Alkoholiker"
Wie jetzt, Bier für Alkoholiker. Reicht es nicht, dass irgendwelche Spinner den Konsum von Marihuana und Haschisch legalisieren lassen wollen? Frei nach dem Motto: Alle Macht den Drogen?
Nee, der Stadt Essen reicht das wohl nicht. Um die alkoholabhängigen Menschen von der Straße zu holen, also um ihnen zu helfen, sollen die, statt dort nur herumzulungern, diese säubern. Von Unrat und Dreck, den der übrige Teil der Bevölkerung, der eben nicht permanent dem Alkohol zuspricht, dort hinterlassen hat. Sechs Stunden kehren pro Tag. Und dafür gibt es dann ein bisschen Geld und eine warme Mahlzeit. Sollte man annehmen. Dem ist aber nicht so. Um die kranken Menschen (Ja, Alkoholismus ist eine Krankheit!) bei der Stange zu halten, soll es neben ein bisschen Bargeld (man spricht von 10 Euro!!), fünf Dosen Bier und ein Päckchen Tabak geben. Sieht so Hilfe aus? Ich glaub mein Schwein pfeift!

Und wenn ich dann noch lese, dass diese Menschen ohne Alkohol ja gar nicht arbeitsfähig wären, könnte ich kotzen. Arbeit stärkt das Selbstwertgefühl. Noch so eine spinnerte Aussage. Der ich unter anderen Umständen nicht widersprechen würde. Doch hier frage ich mich, wie bei einem Stundenlohn von umgerechnet drei Euro fünfzig (Bier und Tabak neben den 10 Euro mit eingerechnet) jemand allen Ernstes annimmt, dass damit das Selbstgefühl gestärkt wird. Den Dreck anderer Menschen wegkehren ist ein mieser Job, den kaum einer machen will. Und wenn, dann bitte nur gegen anständige Bezahlung. So grenzt das für mich an Ausbeuterei. Da werden kranke Menschen schamlos benutzt, damit die "Gutbürgerlichkeit" durch saubere Straßen gehen kann. Und anstatt ihnen, der Krankheit angemessene, Hilfe angedeihen zu lassen, wird ihre Abhängigkeit noch unterstützt. Und das alles unter dem Deckmantel eines sozialen Projektes.
Amsterdam hat es vorgemacht. Struktur in den Alltag bringen, heißt es dort. Ganz sicher ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Suchtkranke in der Regel keinem geregelten Arbeitsablauf mehr nachgehen können. Die Sucht bestimmt den Tagesablauf. Dass man an dieser Stelle eingreifen kann und Vorraussetzungen schaffen könnte, um diesen Kreislauf zu durchbrechen, sicherlich ein guter Ansatz. Doch wo bleibt die soziale Verantwortung, wenn zeitgleich die Sucht noch gefördert wird? Und das öffentlich!

Methadon ist für Heroinabhängige ein Mittel, die Sucht einigermaßen in den Griff zu bekommen. Es dient als Suchtmittelersatz. ERSATZ. Ärztlich beaufsichtigt. Die Stadt Essen will aber nichts ersetzen. Im Gegenteil. Sie unterstützt die Menschen, die eh schon am Rande der Gesellschaft leben, noch und verstärkt in meinen Augen so das Krankheitsbild. 

Ich kann nur hoffen, dass niemand von den Initiatoren dieses Projektes jemals in die missliche Lage kommt, alkoholkrank zu werden. Nein, ich wünsche das wirklich keinem Menschen. Obwohl ... vielleicht würde das den einen oder anderen zum Umdenken bewegen. Unter einem sozialen Projekt, verstehe ich jedenfalls etwas anderes. Nämlich auch soziales Verhalten.

Gruß vonner Grete





Kommentare:

  1. Alkoholsucht ist weit verbreitet, wir sehen nur die armen Menschen die obdachlos sind. Schon das regelmäßige Glas Wein oder zwei ist nicht zu unterschätzen.

    Natürlich stimme ich zu, diese Art der Hilfe ist völliger Quatsch. Es ist nur bequemer, statt sich zu kümmern wird geduldet. Nur das konsequente Umstellen kann helfen, aber auch die Obdachlosen werden nur verwaltet, genau wie die Arbeitslosen. Es gibt Statistiken und Studien. Wo bleibt aber der menschliche Kontakt? Zuspruch Wärme wäre viel wichtiger.

    Das ist alles sehr sehr schlimm. LG Geli

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    1. Sehe ich auch so, liebe Geli. Mich hat dieser Bericht doch sehr erschüttert.
      Danke für dein Statement.
      Gruß vonner Grete

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  2. Liebe Grete,
    dieser Bericht hat mich sehr erschüttert und nachdenklich gemacht. Ich hoffe doch, dass man in Essen noch umdenkt. Gerade den Alkoholismus darf man in keiner Weise unterstützen. Die Dunkelziffer ist noch viel höher als man denkt. Und so kann man weder
    den Obdachlosen noch den Alkoholikern helfen. Der menschliche Kontakt ist hier ganz wichtig, guter Zuspruch und Einrichtungen, in denen sie Wärme finden.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Hallo Irmi, es gibt sicherlich auch Menschen, die sich nicht helfen lassen wollen. Doch jene, die noch ein stückweit Hoffnung auf Genesung in sich tragen, sollte man unterstützen. aber eben nicht mit weiterem Alkohol.
      Danke dir.
      Gruß vonner Grete

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  3. Es ist mal wieder ein Paradestück, das unsere Gesellschaft spiegelt.Es grenzt an Ausbeuterei und fördert das Wegschauen vor den eigentlichen Problemen, Verantwortungsbewusstsein wird in die Ecke gestellt.
    Ich habe mitbekommen, wie kontrovers diese Sache diskutiert wird und es macht betroffen und traurig, wie oberflächlich manches gesehen wird.
    Am Ende wird nicht nur der Müll entsorgt, sondern auch die Menschen.
    "Das Projekt könnte Erfolg haben..." Ja, klar: die Straßen sind vielleicht auf einfache billige Art gesäubert. Ein toller Erfolg!
    Hier wird subtil Suchthilfe geleistet und ich frage mich, ob das ein neues Instrumentarium unserer Gesellschaft ist, anstatt anders tätig zu werden.
    Alkoholsucht ist - wie Grete sagt - eine Krankheit und kein Laster.
    Wer käme denn auf die Idee, Menschen mit anderen Krankheiten derart einzuspannen und dann noch zu behaupten, man gebe ihrem Leben Struktur? Oder sind wir vielleicht gar nicht mehr weit davon entfernt, jene, die im normalen Arbeitsprozess auf Grund von Krankheit nicht mehr das Erforderliche leisten können auf diese Weise bei der Stange zu halten?
    Stärkt vielleicht das Selbstwertgefühl und ist billig.
    Vielleicht hat der eine oder andere alkoholkranke Mensch seinen Arbeitsplatz wegen des Trinkens verloren und nun darf/soll er arbeiten und wird mit Alkohol entlohnt. Welche Ironie!
    Das, was solche Menschen wirklich brauchen, bekommen sie so nicht und man unterstützt nur das Anwachsen einer "Randgesellschaft".

    Sorry, mich macht das wütend, genauso wie Grete und ich finde es gut, dass dieses Absurdum so deutlich angesprochen wird.
    Danke, Grete, für dieses Mittwochsposting. Ein richtig "scharfer Senf".

    Lieben Gruß
    Enya.

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    1. "Hier wird subtil Suchthilfe geleistet und ich frage mich, ob das ein neues Instrumentarium unserer Gesellschaft ist, anstatt anders tätig zu werden."
      Es ist eben ein einfacher Weg. Die Alkoholabhängigen stören nicht mehr die Passanten und die Straßen sind sauber. Kostet weniger als echte Hilfe. Ein Armutszeugnis.
      Danke dir, liebe Enya für den ausführlichen Kommentar dazu.
      Gruß vonner Grete

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  4. Hallo Grete,
    zunächst einmal mein Kompliment, dass Dir eine solche Rubrik eingefallen ist. Mitunter denke selbst darüber nach, meine Ideen in eine ähnliche Form hinein zu packen. Wie Du schreibst, hört sich der Vorschlag sinnlos an, denn Alkoholiker müssen in einen Entzug und man darf ihnen nicht aktiv Alkohol zuführen. Bei Ausbeutung denke ich an all die 1 €-Jobs, die Hartz IV-Empfänger machen müssen / mussten, um weiter ihr Hartz IV zu bekommen. Ich weiß nicht genau, ob es diese 1 €-Jobs noch gibt. Jedenfalls ist in einem Buch, das ich vor 3-4 Jahren gelesen habe, berichtet worden.

    Gruß Dieter

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    1. Danke für das Kompliment, lieber Dieter. Und ja, die 1 Euro Jobs gibt es noch.
      Gruß vonner Grete

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  5. hallo grete,
    ich habs auch gelesen und war doch verwundert und habe den kopf geschüttelt.
    aber es wird wohl auch dankbar von den leuten angenommen.

    alkohol ist halt weit verbreitet und es wundert mich auch, wie manche auf ihr tägliches
    glas sekt oder den wein nicht verzichten können. genauso geht es mit radler, weißbiert u.a.
    mal bei einem guten essen ein glas wein. aber jeden tag, ist für mich schon sucht.

    vielleicht überlegen die sich das in essen nochmals.

    lg eva

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    1. Hallo Eva, ja, die Grenzen von Genuss und Sucht sind unscharf. Für viele nicht mehr erkennbar, da Alkohol im Gegensatz zum Nikotin eben nicht verpönt ist in der Gesellschaft.
      Danke dir
      Gruß vonner Grete

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  6. Liebe Grete,

    da will ich doch auch noch meinen Senf dazu geben, denn ich sehe es genauso, ich finde das ist einfach ungeheurlich. Richtige Hilfe würde den Menschen gut tun.

    Herzliche Grüße
    Kerstin

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    1. Hallo Kerstin, danke für deine extraportion Senf zu diesem Thema.
      Gruß vonner Grete

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  7. Sehr aktuell, habe es in den Medien mitbekommen. Die meinen dass doch tatsächlich ernst, kaum zu glauben.
    Da will man Alkoholikern und Arbeitslosen helfen und gibt ihnen hintenrum die Dosen Alkohol wieder die sie entsorgen sollen. Das ist ja förmlich einen Einladung zum Alkolismus.
    Du bekommst von mir ein Bier und darfst dafür Deine Flasche (Dose) entsorgen. Das kann doch nicht wahr sein.Damit werden sie nicht integriert und leben weiter am Rande der Gesellschaft, wo ist denn da Struktur? Da kann man nur mit dem Kopf schütteln über soviel Dummheit.
    Die Grete hat es richtig angepackt und scharfen Senf dazu gegeben.
    L.G.Klärchen

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    1. Dummheit - ja, das ist es wohl neben asozialem Verhalten. Danke für deine Gedanken dazu.
      Gruß vonner Grete

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  8. Die machen sich´s aber sehr einfach - zugleich ist es so dumm, Abhängigkeit noch zu unterstützen!
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Mehr als dumm, liebe fahrradfrau ...danke, dass du bis hierhin geradelt bist.
      Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...