Dienstag, 31. März 2015

Das Fräulein Grete Meier ist gerädert

Das Fräulein Grete Meier ist gerädert

Herrjeh, war das eine Nacht gewesen. Das Fräulein Grete Meier fühlte sich so, als ob zehn Güterzüge über sie hinweg gerast wären. Buchstäblich gerädert. Aber sowas von.
Da passte ihr der heutige freie Tag ganz gut in den Kram. Ihr Spiegelbild war wohl ebenfalls dieser Meinung. Denn es nickte ihr zustimmend aus verquollenen Augen zu. Augen, die die sie gestern Nacht keine 5 Minuten zugemacht hatte.  
Da, da war es schon wieder. Grete spürte, wie sich leise Wut in ihrem noch leeren Magen breit machte. Diese verdammte Baustelle. Grete eilte noch im Morgenmantel zur Balkontür und riss diese auf. Das hätte sie besser nicht getan. Denn sofort prasselten dicke Hagelkörner auf den Laminatbodes ihres Wohnzimmers. Und der Grete ins Gesicht. Nur mit viel Mühe gelang es ihr, die Tür wieder zu schließen. Was für ein Sturm.
Und genau der war es auch, der Grete um den Schlaf gebracht hatte. Oder besser gesagt, eines der metallenen Absperrgitter, das in schöner Regelmäßigkeit gegen ein anderes knallte. Klong ... und schon wieder. Grete hielt sich die Ohren zu. Das ist Folter, dachte sie. Reine Folter. Durchatmen, Grete. Tief durchatmen. Das hilft immer. Und eine heiße Dusche.

Eine halbe Stunde später durchzog Rührei- und Kaffeeduft die Küche von der Grete. Aus dem Radio dudelte Musik, etwas lauter als sonst, um das KLONG zu übertönen. Und die Grete fühlte sich tatsächlich etwas besser. Zumal sich der Himmel etwas aufgeklart hatte und Sonne durch das Küchenfenster auf den Frühstückstisch fiel. Grete spießte etwas Rührei auf ihre Gabel und griff nach ihrer Tasse. Während sie genüsslich kaute und schluckte, beobachtete sie aus dem Küchenfenster die Wolken, die in rasender Geschwindigkeit am Himmel vorüberzogen. Vielleicht sollte ich die Gelegenheit nutzen, solange die Sonne ...  Grete schob den Teller mit dem Rührei beiseite, stand auf und ging ins Wohnzimmer. Alles ruhig. Kein Klong. Der Sturm hatte etwas nachgelassen. Also öffnete die Grete die Balkontür, was ihr diesmal problemlos gelang, um nach ihren Blumenkästen zu sehen. Wohlweislich hatte sie die Kästen gestern abend schon von der Balkonbrüstung heruntergenommen und auf den Boden gestellt. Wie die Grete dann allerdings feststellen musste, hatte das wenig genutzt. Überall auf dem Balkon lagen entwurzelte Pflanzen zwischen Blumenerde und den Trümmern der Kästen. "Verdammte Scheiße", entfuhr es der Grete. "Die teuren Terracotta-Blumenkästen!"
"Ich habe es ihnen doch gleich gesagt", ertönte es von links. "Plastikkästen sind viel praktischer. Denen macht ein bisschen Hagel nichts aus." 
Herr Heinevetter. Wie konnte es auch anders sein. Alter Besserwisser, knurrte die Grete vor sich hin. Ein bisschen Hagel. Na, nach einem bisschen Hagel sah das hier auf keinen Fall aus. eher nach einem Tornado. Ohne ihren Nachbarn weiter zu beachten, holte die Grete Besen, Schaufel und einen Müllsack. Fluchend kehrte sie alles zusammen. Mittlerweile hatte sich der Himmel wieder komplett zugezogen. Grete schaffte es gerade noch den Müllsack zuzubinden, bevor es wieder los ging. Klong ...

"Und dann, Lieschen, habe ich mir ein Buch geschnappt, Mir Ohropax in die Ohren gesteckt und mich wieder ins Bett verzogen. Mit einer riesen Schachtel Pralinen, die mir Tante Heidi neulich mitgegeben hat. Deshalb habe ich das Telefon vorhin nicht gehört. Glaub mir, noch ein Klong und ich wäre ausgerastet." 







Kommentare:

  1. Gretchen, ich kann dir ja so nachfühlen. Terracottakästen sind schon ein herber Verlust.
    Hier war auch ein starker Sturm - und er kam mir noch stärker vor, weil ich eben allein im Hause bin. Da hört man auf jedes Geräusch und bibbert, dass kein Ziegel vom Dach knallt.
    Auf der Brücke merkte man auch jede Böe, die das Auto erfasste. Ich war froh, als ich wieder zu Hause war. Hoffen wir auf eine ruhigere Nacht.
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

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  2. Hallo Grete,
    auch bei uns alles durcheinandergewirbelt worden - glücklicherweise ohne solch ein "KLONG". Bin gestern Abend bei heftigen Windboen und Regen in den Supermarkt. Als ich zurückkam: gelbe Mülltonne umgestürzt, so dass der Verpackungsmüll in der halben Nachbarschaft herum flog. Einsammeln, Mülltonne näher zur Hauswand stellen, die Nacht über ist alles gut gegangen.

    Gruß Dieter

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  3. Ach ja, diese Baustellen *seufz* kann ich verstehen, aber sowas von....
    Seit Jahren herrscht Lärm, rund um das Büro und nun auch noch vor heimischer Tür und den Fenstern natürlich auch, nix als Lärm *doppelseufz*

    Ohropax klingt gut ;)

    Liebe Grüße und schöne alltagserinnerungen
    Björn :)

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  4. ja, wir haben Vollmond und so bleibt das Wetter wie der April, mit Regen ,Hagel und Sonne.
    Stimmt, bestimmt!
    L.g. Klärchen aus dem stürmischen Norden

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  5. Das war schon etwas happig, die Tage.
    Bei uns in der Straße flog ein riesen Trampolin über eine hohen Zaun hinweg und landete, ausgerechnet, vor einem Altenheim, was eine gewissen Komik nicht entbehrte ;-)
    Ist aber Gottseidank nichts weiter passiert.
    Auch diverse Schäden durch herumfliegende Mülltonnen und entwurzelte alt Riesenbäume richteten nur materiellen Schaden an.
    Jaja, diese Niclas, das war schon ein gewaltiges Naturereignis.Liebe Grüße

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...