Dienstag, 17. März 2015

Von pinkem Zuckerguss und einem schönen Tag

Von pinkem Zuckerguss und einem schönen Tag

Nee, was war das für ein schöner Tag gewesen. So ein richtig rosaroter. Sonne satt und jeder, dem die Grete heute begegnet war, hatte vor guter Laune nur so gesprüht. Wenn einer heute glücklich ist, dann das Fräulein Grete Meier. Und vielleicht auch die Susi. Denn die hatte eine mehr als gute Nachricht erhalten.
Das Fräulein Grete Meier stand in ihrer Küche vor dem Backofen und klopfte sich selber auf die Schulter. Gut haste das gemacht, der Kuchen für die Susi sieht mehr als gelungen aus. Nun noch schnell den Ofen aus, das Machwerk rausnehmen, abkühlen lassen und dann verzieren. Mit pinken Zuckerguss und perlmuttfarbenen Liebesperlen. Sogar ein paar pinke Schmetterlinge aus Fondant hatte die Grete extra dafür besorgt.
Grete schnappte sich ihre Teetasse und die Tageszeitung und machte es sich am Küchentisch bequem. Auskühlen konnte der Kuchen schließlich alleine und für den Guss, der angerührt werden musste, war es noch zu früh. Keine einzige Schlagzeile konnte jedoch die Grete fesseln. Vielleicht wollte sie das aber auch nicht. Wer will sich denn schon die gute Laune verderben lassen von all den Merkwürdigkeiten unserer Zeit. Grete jedenfalls nicht und so blätterte sie einfach nur die Zeitung durch, mit den Gedanken ganz woanders. Nämlich bei all den heutigen freudigen Ereignissen. Und die hatten nicht erst im Büro angefangen. Sondern bereits vor Gretes Wohnungstür. Genauer gesagt auf ihrer Fußmatte. Da hatte er nämlich heute morgen gelegen. Der bunte Strauß mit den Tulpen. Einfach so. Keine Tausend, aber immerhin zwölf an der Zahl. Mit einem kleine Zettel dran. "Für die Frau, die Tulpen so gerne mag" , hat da gestanden. In einer schönen, gestochen scharfen Handschrift. Zuerst hatte die Grete ja den Herrn Heinevetter als edlen Blumenspender in Verdacht gehabt, aber dann viel ihr ein, dass dieser immer nur Nachrichten in Druckschrift hinterlässt. Weil ich doch so ne Sauklaue habe, die keiner lesn kann, hatte er der Grete mal auf Nachfragen erzählt. Der fiel also schon mal aus. Vielleicht Herr Wenig, oder Marie? Nee, die waren ja gar nicht zuhause. Kurztrip nach Holland. Und die Hebers, oder Frau Korters? Kein Grund für Blumen. Blieb also nur noch ... Grete hatte es nicht gewagt, weiterzudenken. Auch jetzt schob sie den Gedanken an jemand ganz bestimmten in den hintersten Winkel ihres Kopfes. Was wenn ich falsch liege? Nee, besser nicht. Sie zündete sich eine Zigarette an. Der Weg ins Büro war dann allerdings ein einziges Schweben auf irgendwelchen ominösen Wolken gewesen. Dort angekommen, hatte sie dann allerdings auch keine Zeit mehr gehabt weiter über die Tulpen nachzudenken. Denn Susi war ihr direkt freudestrahlend um den Hals gefallen.

"Ach Frau Meier, gestern war es in der Post, als ich nach Hause kam. Das Ergebnis. Zwei, zwei, zwei, ich fass es nicht!" 
Grete konnte es auch nicht fassen und musste sich erstmal setzen. "Zwei? Wie kann das denn sein. Und keinem ist das bis jetzt aufgefallen?" 
Susi hörte ihr gar nicht richtig zu, so sehr war sie damit beschäftigt durch das Vorzimmer zu tanzen. "Wer hätte das gedacht, ne Frau Meier. Sie auch nicht. Nur der Simon, der hat es von Anfang an gewusst. Hach, ich bin so glücklich. Zwei, zwei, zwei ..."
Grete war verwirrt. "Wie, der Simon hat das gewusst. Wie geht das denn. Und überhaupt, was sagt denn dein Arzt dazu?" 
Jetzt war es an der Susi verwirrt zu sein. "Wieso der Arzt? Welcher Arzt?"
"Na, dein Frauenarzt. Ich verstehe immer noch nicht, wie man das übersehen konnte", erklärte die Grete.
Susi blieb mitten im Zimmer stehen, starrte die Grete an und als sie endlich verstand,  prustete sie los. "Also das is ja ein Ding, Frau Meier. Also sowas. Ich krieg nicht zwei Babies. Ich habe meine Prüfung mit Zwei bestanden. Klingelt es jetzt bei Ihnen?"
Es dauerte noch ganze fünf Sekunden. aber dann brach auch die Grete in Lachen aus. "Yesses, in dem Brief stand das Prüfungsergebnis." Grete schnappte nach Luft, Tränen liefen ihr vor lauter Lachen über die Wangen. "Und ich dachte schon ... ich bin aber auch eine dumme Pute."

Grete musste schon wieder lachen, als sie daran dachte. Schnell hatte die Geschichte die Runde in der Firma gemacht. Das Wörtchen ZWEI war das Wort des Tages gewesen. Egal wo Grete auch aufgetaucht war. Es war schon vorher da gewesen.Sogar der Chef hatte es ich nicht nehmen lassen, die Grete damit aufzuziehen .Lachen ist eben gesund, das hatte man den ganzen Tag im Büro gespürt.
 
So Grete, nu aber mal fix an den Kuchen, der Guss rührt sich nicht von alleine. Grete stand auf, nahm den Kuchen vorsichtig aus der Form und stellte ihn auf einen Rost. Schnell den Puderzucker in eine Schüssel, etwas Zitronenwasser dazu und die pinke Farbe. Während die Grete alles verrührte, blieb ihr Blick sinnend an der Vase mit den Tulpen hängen, die auf der Fensterbank stand.  Nee, was für ein wunderschöner Tag.



Kommentare:

  1. Grete,
    ich habe jetzt auch ganz laut gelacht. Ein kleiner, feiner Unterschied, der so eine Heiterkeit auslösen kann. Susi wird froh sein, dass es das Prüfungsergebnis ist und nicht die Zwillinge.
    Aber nun zu denTulpen: Hast du so gar keine richtige Ahnung? Ich glaube schon, sonst wärest du nicht wie auf Wolken ins Büro geschwebt.
    Ein sonniges Bergfest wünscht dir
    Irmi

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  2. Wie es der Zufall - oder wer auch immer - will, wird es in den nächsten Tagen beim Klümpchen einen Post über Blumen und ihre Bedeutung geben und weil das hier gerade soooo wunderbar passt: Lies, mal, Grete!
    Die Tulpe gehört auch weiterhin zu den beliebtesten Blumen in Deutschland. Und das ist auch kein Wunder, schließlich gibt es sie in vielen leuchtenden Farben und Farbkombinationen. In Rot stehen sie für entflammte Liebesgefühle, sonnige Gelbtöne zeigen sich dagegen voller Fröhlichkeit und purer Lebenslust. Zarte Liebesbande können mit rosafarbenen Tulpen ausgedrückt werden, Orange bedeutet dagegen: „Du faszinierst mich“. Wer weiße Tulpen verschenkt, der drückt damit eine endlose Liebe aus – für Zurückhaltung und Bescheidenheit steht dagegen die Farbe Violett. Wer jemandem „schöne Augen“ machen möchte, der sollte sich am besten für einen bunten Strauß voller Tulpen entscheiden.
    Da werde ich den Text doch noch einmal lesen, ob die Grete - ganz zufällig - erwähnt hat, welche Farben diese Tulpen hatten!!! ;-)

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...