Dienstag, 8. September 2015

Das Fräulein Grete Meier hat die Hose voll

Das Fräulein Grete Meier hat die Hose voll

Das Fräulein Grete Meier schwang sich von ihrem Fahrrad, lehnte ihr Vehikel an den rostigen Mülleimer und setzte sich schnaufend auf die Parkbank. Sie nestelte ein Taschentuch aus ihrer Jackentasche und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Grete, du wirst alt", murmelte sie dabei. "Nicht mal zwei Kilometer schaffste ohne Pause!" Im Grunde wusste sie genau, dass weniger ihr Alter daran schuld war, dass sie nach Luft schnappend und mit Herzjagen auf der Parkbank saß, sondern viel mehr ihre ewige Unlust an jeglicher Art von sportlicher Betätigung. Aber das muss man ja nicht laut sagen. Auch nicht, wenn es eh keiner hören konnte. Ab und an ein bisschen Gymnastik ... das reicht doch. Und wenn ihr Arzt fragt, na dann wird aus dem ab und an ganz gerne mal ein "Jeden Tag Herr Doktor, jeden Tag ein bisschen, ehrlich!" Grete schob den Gedanken an den zweifelnden Blick ihres Arztes in die hinterste Ecke ihres Kopfes. Und die mahnenden Stimme von Dr. Heimel: "Denken sie an ihren Blutdruck, Sport ist wichtig", gleich hinterher. Denn wichtig war jetzt etwas ganz anderes. 
Grete nestelte am Gepäckträger des Fahrades. Besser gesagt, an der knallgelben Tasche, die sie dort festgeklemmt hatte. Schnell fand sie in den endlosen Weiten der Tasche, das was sie suchte. Da lag er, unter dem Handy und der Packung Tempos. Zwischen Hausschlüssel, Brieftasche, Hustenbonbons, diversen Einkaufsquittungen, einem Schraubenzieher (Ach da ist der!) Zigarettenschachtel und Feuerzeug. Ein Brief. Schmal und in elegantem Champagnerton gehalten. 
"Nur unter Protest, Frau Meier!", hatte Herr Heinevetter gesagt, als er vorhin bei ihr geklingelt hatte. Mit spitzen Fingern hatte er ihr den Brief entgegengestreckt. Begleitet von einem wütenden Blick. Sie hatte sich gar nicht getraut den Brief zu öffnen. Stattdessen hatte sie ihn in die gelbe Handtasche gesteckt und sich auf das Rad geschwungen. Raus an die Luft. In den Park, zum Nachdenken.
Grete drehte und wendete den Umschlag. Für Frau Grete Meier stand darauf geschrieben. Immer noch unschlüssig und auch etwas beunruhigt starrte die Grete auf die Schrift. Wenn der mir jetzt ... und dann auch noch schriftlich ... die Grete mochte gar nicht weiterdenken. Stur war er ja schon immer, der Heinevetter. Aber sowas von. Gretes Gedanken liefen von einer Ecke in die nächste. Dann im Kreis. Ohne Ausweg. Sie straffte ihre Schultern. Also wenn der Heinevetter mir wirklich wegen der Sache mit der Duzerei die Freundschaft kündigt, dann .... Ja was dann? Grete wurde es urplötzlich schlecht. Sie sah sich schon auf dem Balkon stehen, allein, Selbstgespräche führend und einsame Rauchwölkchen in die Luft pustend. Keine Fußballabende mehr mit Schnittchen und nie wieder: Hammse schon gehört ... Grete zitterte und der Brief fiel aus ihren Händen. Grete bückte sich und hob ihzn wieder auf. Es hilft nix, Grete, du musst ihn öffnen. 
Mit einem Ruck riss sie den Umschlag auf. Eine Karte! Eine Karte? Grete zog sie heraus. EINLADUNG prangte ihr in ein fein ziselierten Schrift entgegen. Wie jetzt? Keine Freundschaftskündigung, eine Einladung? Aufgeregt las die Grete weiter. Stefan Heinevetter und Markus Werberitz sagen JA ... am 26. September 2015 ... im alten Rathaus in ...
Stefan heiratet? "Wie geil ,ist das denn!", entfuhr es der Grete. Und mich will er dabei haben  ... Grete kullerten ein paar Tränen über die Wangen. Was für ein guter Junge, der Neffe von Herrn Heinevetter. 
Herrjee, Herr Heinvetter. Keine Freundschaftskündigung also. Grete war sichtlich erleichtert. Gleichzeitig kamen ihre Schuldgefühle wieder hoch. Denn dass Herr Heinevetter immer noch sauer ist, steht wohl kaum außer Frage. "Nur unter Protest!" Also das hat er damit gemeint. Nur unter Protest hat er ihr die Einladung übergeben. Grete grinste. Sie konnte sich die Szene ganz gut vorstellen, als Stefan Herrn Heinevetter die Einladung für die Grete mitgegeben hatte. Mit Engelszungen wird er auf Stefan eingeredet haben. Aber der Junge ist eben auch stur. Naja, Äpfel fallen ja bekanntleich nie weit vom Stamm herunter. 
Grete steckte die Karte wieder in den Umschlag zurück, selbigen in die gelbe Tasche, die sie wieder fest auf den Gepäckträger klemmte und schwang sich auf das Rad. Beschwingt trat sie in die Pedale. Ihre Gedanken tanzen bei jedem Tritt Samba. Eine Hochzeit. Wie aufregend. Nee, was da alles noch erledigt werden musste. Ob das blaue Kleid wohl noch passt? Und überhaupt, zum Friseur musste sie auch. Ganz dringend. Und neue Schuhe und einen neue Handtasche. Passend zum Kleid natürlich. Und wenn es regnet? Was die Braut wohl trägt? Hier stockte die Grete etwas. Wer ist denn da nur die Braut, oder spricht man da von zwei Brätigammen? Immerhin, so  eine Hochzeit nur mit Männern, das war auch für die Grete neu. Da musste noch einiges recherchiert werden. Man will ja schließlich nichts falsch machen. Und die Grete schon dreimal nicht. Hoffentlich weiß Mr. Google da etwas drüber. 
Aber zuerst ... nun zuerst musste die Sache mit Herrn Heinevetter bereinigt werden. Und zwar ganz schnell. Da half nu nix mehr.
Mittlerweile war Grete wieder zuhause angekommen. Ungeachtet ihres Blutdruckes, der mittlerweile ganz sicher einige Höhen erklommen hatte, stürmte die Grete in ihre Wohnung und schnurstracks auf den Balkon. Gott sei Dank, da stand er. Mit einer Zigarette im Mundwinkel. "Mein lieber, lieber Herr Heinevetter ..."



Kommentare:

  1. Cool!! Bitte, Fräulein Grete, berichten sie uns von der Feier!
    Herzlichst
    yase

    AntwortenLöschen
  2. Viel Vergnügen bei der Hochzeit und ich freu mich drauf, zu erfahren, wie es mit Herrn Heinevetter ausgegangen ist ;-)
    Liebe Grüße,
    Kebo

    AntwortenLöschen
  3. Schmunzel, schmunzel...lach. Immerhin eine Hochzeit und Herr Heinefetter wird sich schon beruhigen. Grete... bleib cool, dann geht der Blutdruck auch wieder runter.
    Viel Spass bei der Hochzeit,
    Klärchen

    AntwortenLöschen
  4. Na, liebe Grete, das war wohl eine Überraschung. Welches Geschenk gibt es denn für das Brautpaar? Da wird es noch einiges zu überlegen und zu tun geben. Aber immer mit der Ruhe, dann klappt das schon alles. Auf den Bericht über die Feier bin ich schon ganz gespannt.
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
  5. coool, und eine Mordsüberraschung liebe Grete, das freut mich aber sehr für dich dass du so angenehm überrascht wurdest!!!! Was fürn Schreck wenn man erst was ganz anderes erwartet, da hattest du richtig Muffesausen - gell?!
    ich hoffe mit Hernn heinevetter das renkt sich nald wieder ein damit das Pläuschchen auf dem Balkon wieder läuft, das würden wir doch ungern verpassen!
    den Bericht was der" Bräutigam von der "Braut" am Leibe trug, wie die Farben und details aussahen einschließlich Brautstrauss dürfen wir hoffen sie bald zu erfahren?....
    schön diese geschichte.....
    herzlichst Angelface

    AntwortenLöschen

Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...