Dienstag, 11. August 2015

Das Fräulein Grete Meier hebt ab

Das Fräulein Grete Meier hebt ab 

Hätte, hätte, Fahrradkette - Das Fräulein Grete Meier schüttelte den Kopf. "Es nutzt doch nix, Grete!", murmelte sie vor sich hin, während sie mit der kleinen Scheuerbürste hantierte. Spritzer der Waschpaste landeten auf ihrem Gesicht. Grete hielt inne. Sie hob den Kopf und betrachtete sich im Spiegel. Langsam schlich sich ein Grinsen in ihre Mundwinkel. "Ach was solls, den Rest kann die Waschmaschine erledigen!" Sie legte die Scheuerbürste aus der Hand und spülte ihren hellgelben Pullover nochmals aus. Nachdem sie ihn ausgewrungen hatte, schnappte sie sich einen Korb, füllte ihn mit weiterer Wäsche und machte sich auf in den Keller. Im Flur hörte sie Luis lachen, dann die Stimme von Frau Heber. Eine Tür klappte und nun war nichts mehr zu hören. Der Schlawiner, dachte die Grete. Wollte bestimmt wieder ausreißen. Das machte Luis nämlich in letzter Zeit mit Vorliebe. Frau Heber war schon ganz verzweifelt. "Die Kette an der Tür nützt nix und seit er weiß, wie man den Schlüssel ins Schloss steckt und die Tür aufschließt, bringt das Abschließen auch nichts. Egal wo ich das Teil auch verstecke, er findet den Schlüsselbund", hatte sie erst neulich der Grete erzählt. "Gestern habe ich ihn oben auf den Küchenschrank gelegt. Und was war? Er hat sich einen Stuhl an den Schrank geschoben, ist auf die Ablage geklettert und hat ihn sich geholt. Und das alles in den paar Minuten wo ich auf der Toilette war. Hab ihn dann vor Herrn Heinevetters Tür gerade noch abgefangen, bevor er Sturm klingeln konnte."  Jaja, der Luis war schon ein kleiner Wirbelwind. Sturm klingeln bei Herrn Heinevetter oder bei ihr und dann flugs wieder rauf. Was für ein Spaß für den kleinen Kerl. Zumal Herr Heinevetter, natürlich mit voller Absicht, beim Öffnen immer laut durch den Flur schimpfte. 
Grete bückte sich, packte die Wäsche in die Maschine, gab Waschpulver dazu und schaltete sie ein. Der Luis. Na, immerhin schien es ihm wieder gut zu gehen. Vor zwei Stunden hatte das nämlich noch ganz anders ausgesehen. Leichenblass war er da gewesen. Und die Grete hatte ihr Quentchen dazu beigetragen.Sie starrte auf die sich drehende Waschtrommel und augenblicklich wurde es der Grete blümerant. Übelkeit stieg in ihr hoch und der Magen drehte sich im Takt der Waschtrommel. Grete riss den Blick los von der Trommel, drehte den leeren Wäschekorb um und setzte sich darauf. "Atmen, Grete, ganz langsam atmen. Ist gleich vorbei!" Die Übelkeit ebbte ab. 

"Du bist aber auch ein Trollo. Karusselfahren war doch noch nie dein Ding. Und dann ausgerechnet ein Kettenkarussel!", schimpfte Lieschen mit ihr abends auf dem Bildschirm. Dabei tippte sie sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. Grete schmollte. "Auch du hättest Luis nicht widerstehen können. Du hättest mal sehen sollen, wie er mit diesen strahlendeA augen und dem mit Zuckerwatte und Schokoladeneis verschmierten Mund "Bitte Bitte" gesagt hat. Da wärste auch weich geworden. Wie konnte ich denn ahnen, dass dieser Mensch vom Kettenkarussell das Ding plötzlich rückwärts fahren ließ. Und noch ne Runde, die Herrschaften. Und noch ne Runde. Ich hatte das Gefühl, ich heb ab und der hält das Ding überhaupt nicht mehr an."
Lieschen lachte. "Und der Luis hat dir dann echt auf den Pulli gekotzt? Und du gleich mit? Ich schmeiß mich weg!"
Jetzt musste Grete auch lachen. "Ja, so ähnlich. Luis hat erst gespuckt, nachdem wir ausgestiegen waren. Vielmehr, als ich ihn aus dem Sitz hob. Herr Heber hat sich dann gleich um ihn gekümmert. Na, und ich hab es gerade noch hinter das Kassenhäuschen geschafft. Ich kann dir sagen. Peinlich hoch drei. Aber sowas von ..."








Mittwoch, 5. August 2015

Gretes Senf am Mittwoch (05.08.15)

Gretes Senf am Mittwoch (05.08.15) 

Was war das doch heute für ein wunderschöner Mittwochmorgen. Kurz vor acht, klare Luft, 20 Grad, Sonne am blauen Himmel und tolle Musik auf WDR 2. Und dann das. Die Nachrichten. Ich bin immer noch total geplättet, geknickt und todtraurig. Nicht wegen dem gefeuerten Generalbundesanwalt Range. Das erste Thema des Tages. Auch nicht wegen den anderen BlaBla-Neuigkeiten.  
Nein, denn als diese Themen endlich abgehandelt und die diversen morgendlichen Staumeldungen über den Äther gegangen waren, kam sie. Die Meldung, die mir den ganzen Tag versaut hat. Und das im halbwegs wahrsten Sinne des Wortes. Kermit und Miss Piggy haben sich getrennt. Eine Sauerei sage ich dazu nur. Wie können die mir das antun? Der Frosch und das Schwein. Der Inbegriff von Liebe, die sich über alle Grenzen hinweg setzt. Da kommt keine Schwulen- oder Lesbenehe mit. KEINE. Woran soll ich jetzt noch glauben, wenn auch das letzte bisschen Hoffnung auf Toleranz hin ist? Denn diese Beziehung hat ja nun wirklich jeder toleriert. Das war geradezu das Paradebeispiel von Toleranz. Da hat niemand die Kirche als Moralapostel angeführt. Da war keine Rede von ... geht so nicht ... ist ja ekelhaft ... völlig unnatürlich and so on. Nicht einer hat die Gesetze bemüht, um diese Beziehung zu verhindern. Im Gegenteil. Alle waren dafür. Restlos alle. Da brauchten sich die Frösche und Schweine der Welt nicht zu einem CSD zu versammeln, um in  pinken und grünen Röckchen Fahnen der Liebesfreiheit zu schwingen. Alles war richtig. Weil es genaus so - gut war. 
Tja, war ... oder vielleicht doch nicht? Hoffnung (ist grün - also Frosch tu was)) stirbt ja bekanntlich zuletzt und so atmete ich dann doch ein wenig auf, als sich in den Medien während des Tages so langsam das Gerücht breitmachte, dass es sich eventuell um einen PR-Gag handeln könnte, wegen der neuen Show, die geplant ist. Ich bete, wirklich ich bete, um unser aller Wohl, dass sich das als Wahrheit herausstellt und nicht als Ente. Dann hätten wir alle wohl nochmal Schwein gehabt. Auch Kermit.

Gruß vonner Grete