Dienstag, 16. Juni 2015

Das Fräulein Grete Meier ist angeschlagen

Das Fräulein Grete Meier ist angeschlagen 

Das Fräulein Grete Meier saß auf der Bettkante in ihrem Schlafzimmer und betrachtete ihren linken Fuß, der rot und mehr als angeschwollen war. Und haderte. Mit sich und der Welt. Mit der Berta und überhaupt. Brandenburg, Brandenburg ... und dann auch noch auf einem Campingplatz. Direkt an einem See. Was musste die Berta auch auf so eine dusselige Idee verfallen. Grete grummelte. Der Fuß juckte, ebenso die rechte Wade. Grete angelte die Antibiotikasalbe aus der Verpackung, öffnete den Verschluss und fing an ihren Fuß damit einzureiben. Vorsichtig, damit die eitrige Blase, die mittendrin in der Rötung zu sehen war, nicht aufplatzte. Aufpassen, Frau Meier, hatte der Arzt gesagt. Mit Kriebelmückenstichen ist nicht zu spaßen. Das kann leicht eine Sepsis geben. Schön die Finger davon lassen, auch wenn es juckt. Nicht kratzen.
Na, der hatte gut reden. Die rechte Wade juckte dermaßen, dass die Grete sich auf die Lippen biss. Biste selber schuld, Grete, hättste ja nicht mitfahren brauchen. Aber nein, du musstest ja wieder mal nachgeben. Und nur, weil die Berta so gejammert hat, dass sie nicht alleine fahren will. 
Grete klebte noch Pflaster auf die Stiche, zog vorsichtig Strümpfe an und humpelte Richtung Küche. Mit einer Tasse Kaffee und ihrer obligatorischen Zigarette bewaffnet stand sie fünf Minuten später auf dem Balkon. Kein Herr Heinevetter zu sehen. Grete setzte sich auf ihre Bank und betrachtete ihr Blumenkästen. Na, wenigstens hatte Herr Heinevetter das Gießen nicht vergessen, während ich weg war. Die Petunien und Geranien leuchteten farbenfroh in der untergehenden Sonne. Grete seufzte. Wäre ich doch nur hiergeblieben, dachte sie.
"Tach, Frau Meier! Wieder im Lande?" Grete zuckte zusammen. Sie hatte nicht bemerkt, dass Herr Heinevetter aus seiner Wohnung gekommen war. Er beugte sich über die kleine Mauer, die beide Balkone trennte. "Wassn los? Sie sehen ja total geschafft aus. Ich hab ihnen doch gleich gesagt, nicht in den Osten fahren. Das ist zu gefährlich!"
Grete musste trotz ihrer Schmerzen schmunzeln. "Ja, das haben sie gesagt. Aber ich glaube der Osten kann nichts für die dämlichen Mücken! Bis auf die Vicher, war es nämlich ganz toll gewesen. Klasse Campingplatz und das Wetter, ein Traum. Die Gegend ist echt schön."
Noch bevor das Fräulein Grete Meier ihre Zigarette aufgeraucht hatte, war Herr Heinevetter im Bilde. Grete war das Opfer einer, oder vielleicht auch zweier Kriebelmücken geworden. So ganz genau wusste sie es nicht, denn die Viecher hatte sie nicht zu Gesichte bekommen, nur die Folgen.  Und die waren für die Grete verhehrend gewesen. Starke Schwellungen, Rötung, Juckreiz und diese gräßliche Eiterblasen, die sie schließlich dazu zwangen, im Urlaub einen Arzt aufzusuchen. "Und der, mein lieber Herr Heinevetter, hat mir sofort einen Tetanusimpfung verpasst. Und was soll ich ihnen sagen, die hab ich überhaupt nicht vertragen. Ich bin immer noch angeschlagen und der rechte Oberarm schmerzt total. Das zieht bis in den Nacken. Fahren sie mal so Auto. Neun Stunden! Als ich gestern Nacht nach Hause kam, bin ich nur noch so ins Bett gefallen. Wie gut, dass ich noch bis Ende der Woche Urlaub habe. Die Berta, die hatte gar nichts. Keinen einzigen Stich. Ungerecht isse die Welt."
"Ach, die Welt hat nicht daran schuld, Frau Meier. Ich sach es ihnen. Schuld sind se selber. Nich in den Osten hab ich gesagt. Da is alles noch anders. Ich kann ihnen da Sachen erzählen ..."
Doch davon wollte die Grete heute so rein gar nichts mehr wissen. Die Ost-West-Litanei von Herrn Heinevetter kannte sie nur zu gut. Und teilte seine Meinung in keinster Weise. "Lassen se mal gut sein", unterbrach sie Herrn Heinevetter. "Das könnense mir ein andermal erzählen. Ich muss jetzt rein. Der Doktor hat gesagt, ich soll die Beine hochlegen. Und außerdem, das Lieschen will gleich noch anrufen."
Das stimmte zwar nicht, aber ab und an eine kleine Notlüge schadet schließlich nicht. 







 


Kommentare:

  1. Gute Besserung!! Und nicht kratzen....
    Herzlichst
    yase

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  2. Auweia, das hört sich wirklich nicht gut an. Ich kann ein Lied davon singen. Allerdings von so einem Untier bin ich wohl noch nicht gestochen worden. Also nicht kratzen und vielleicht tut kühlen auch gut. Gute Besserung.
    Liebe Grüße schickt Dir
    Irmi

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  3. Auch von mir gute Besserung!!! LG Anna

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  4. Oh da juckt es mir auch gleich am Bein...
    Hoffentlich heilt es schnell und gut ab.
    Liebe Grüße von Sylvia

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  5. Diese Mücken kenne ich nicht, vielleicht zum Glück :D
    gestochen wurde ich von einer Hummel, die ja - wie mir jeder Zweite sagt - nicht stechen, Irrtum ;)

    Liebe Grüße
    Björn :-)

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  6. Au weia, nicht kratzen, nicht so einfach wenn es verdammt juck, kenne ich, aber nicht von Mücken
    Gute Besserung, wünscht Klärchen

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...