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Dienstag, 9. Februar 2016

Das Fräulein Grete Meier haut auf den Putz

Das Fräulein Grete Meier haut auf den Putz 

Das Fräulein Grete Meier rollte mit den Augen. "Nicht schon wieder", knurrte sie vor sich hin. Stand dann aber doch von ihrem Schreibtisch auf. 
Ich mag sie, ich mag sie - tickte es wie ein Uhrwerk in ihrem Kopf, während sie gemessenen Schrittes zum Büro des Chefs ging. Dennoch, so sehr sie sich auch bemühte ruhig zu bleiben, mehr als ein genuscheltes "Was´n los", brachte sie nicht über die Lippen, als sie die Tür öffnete. 

"Und dann", schnaubte die Grete zehn Minuten später in der Küche, "dann hat Madame doch tatsächlich verlangt, dass ich einen Termin beim Friseur und anschließend noch einen Termin zur Massage machen soll. Sie bräuchte unbedingt Entspannung nach der vielen Arbeit. Entspannung .. das ich nicht lache ... viel Arbeit ... jajaja ... Fingernägel lackieren ist ja sowas von anstrengend!" 
Berta Kalt sah sie mitleidig an. "Hab schon von der Seelig gehört, dass es wohl keine so gute Idee war vom Chef, seiner Frau die Leitung zu übertragen während er in der Reha ist. Die is auch schon mit den Nerven fertig. Gestern hat sie die Warenbestelllisten zig mal über den Haufen geworfen." 
Grete nippte an ihrem Kaffee. "Scheiße, heiß .. das auch noch!" Sie rieb sich die schmerzende Lippe. "Es ist zum Mäusemelken. Ich fand die Frau vom Chef immer so nett. Ich hätte nie gedacht, dass das so ein Drachen ist. Keine Ahnung von nix, aber immer was zu kamellen. Was hat der sich nur dabei gedacht?"
"Wahrscheinlich nix", antwortete Berta. 
Grete prustete und schüttelte den Kopf. "So sieht es auch aus. Und jeden Abend lüg ich ihm die Hucke voll, wenn er anruft. Chef, sag ich dann immer. Chef, alles in bester Ordnun. Ihre Frau hat alles im Griff. Ha, von wegen. Aber ich sach dir Berta, heute abend ...."
"Besser nich, Grete", wurde sie von Berta unterbrochen. " Aufregung ist Gift für ihn. So ein Schlaganfall ist kein Zuckerlecken. Der braucht Ruhe und nochmals Ruhe. Wenn du dem was sagst, kommt der glatt direktemang aus der Reha zurück. Nee, nee, reiß dich besser zusammen."
Grete schüttete den restlichen Kaffee in den Ausguss. "Hast ja recht, Berta, dennoch ... so kann es nicht weitergehen! Ich muss jetzt auch wieder zurück. Rechnungen durchgehen. Eigentlich sollte sie das ja machen, aber das Computerprogramm ist ihr zu schwierig. Dabei hat der Simon es ihr gestern erst zigmal erklärt. Bis später dann."

Wieder zurück in ihrem Büro musste Grete sich erstmal mittels Schokolade stärken. Während sie sich ein Stück nach dem anderen in den Mund schob, rasten ihre Gedanken wie ein Kettenkarussell im Kreis herum. Was für ein Dilemma, dachte sie. Irgendwas muss ich doch machen können. Grete, denk nach. Was würde Lieschen in soner vertrackten Situation tun? 
Beim Gedanken an Lieschens Art, stets geradeheraus zu sein, hielt das Karussell endlich an. Ja, so mache ich es. 

Grete zog an ihrer Zigarette und lächelte in die Kamera. "Und dann hab ich an dich gedacht, Lieschen. Also was du da so tun würdest. Hab meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin in ihr Büro. Und hab ihr alles gesagt. Das es so nicht weitergeht und alle schon ganz wuschig sind in der Firma."
Lieschen, am anderen Ende der Welt, lachte lauthals los. "Echt jetzt Grete? Das haste ihr alles gesagt?" Dann wurde sie ernst. "Ich hoffe, in ruhigem Ton, oder Grete?
Grete tat empört. "Was denkst du denn von mir! Ich war ruhig. Aber sowas von. Und, ich habe ihr nicht nur alles gesagt, sondern ihr auch meine Hilfe angeboten. Und die von Berta, der Seelig, dem Eido und ..ach einfach von allen. Und ich sag dir was. Die war total erleichtert. Frau Meier, hat se gesagt, Frau Meier, ich bin ihnen ja so dankbar. Ich habe mich nie um die Firma gekümmert, weiß gar nicht wo ich hier anfangen soll. Ich will ja alles richtig machen und alles lernen. Und auf keinen Fall will ich meinen Mann enttäuschen. Ehrlich Lieschen, die hat nur die Chefin raushängen lassen, weil sie sich geschämt hat, dass sie im Grunde keine Ahnung von dem hat, was ihr Mann alles so leistet."
Lieschen hate ihr interessiert zugehört. "Irgendwie verständlich. Sowas habe ich mir schon gedacht. Und nu?"
Jetzt war es die Grete, die lachte. "Also als erstes habe ich nochmal das Rechnungsprogramm erklärt. Dann haben wir alle Rechnungen zusammen fertig gemacht. Und morgen, stell dir mal vor, morgen will sie es ganz alleine versuchen. Und mit der Seelig hat sie auch noch geredet und sich entschuldigt. Was sagste nun ...?" Zufrieden lehnte sich die Grete zurück.
"Was willste jetzt von mir hören, Grete?  Das du alles richtig gemacht hast? Ja, das haste, aber ... du hättest das schon früher machen sollen, anstatt dich so aufzuregen und alles in dich reinzufressen. Dennoch, Hut ab, besser spät als nie!"

Lange saß das Fräulein Grete Meier später noch, als sich das Lieschen längst verabschiedet hatte, vor dem dunklen Bildschirm. Lieschen hat ja recht, sinnierte sie. Hätte ich früher auf den Putz gehauen .. . nächstes Mal mache ich es besser. Dann sag ich gleich was.








Dienstag, 29. September 2015

Von #facebookdown und falschen Brüsten

Von #facebookdown und falschen Brüsten

Zahnschmerzen, facebook kaputt und dann noch das Theater am Telefon mit der Berta Kalt. Das Fräulein Grete Meier lag in ihrem Bett und wälzte sich von einer Seite auf die andere. Sie war völlig erledigt. Total erschossen. Immerhin, so langsam zeigte die Schmerztablette Wirkung, denn das unangenehme Pochen im rechten Unterkiefer ließ langsam nach. So einer langwierigen Zahnbehandlung hatte sich die Grete noch nie unterziehen müssen. "Ein Versuch noch, Frau Meier. Wenn wir dann die Entzündung nicht rauskriegen ... na, dann muss der Zahn weg. Aber alles kein Problem, wir setzen dann einfach ein Implantat ein." Der hatte gut reden. Ein Implantat. Was das wieder kosten würde. Trotz Zusatzversicherung. Natürlich hatte die Grete, gleich als sie vom Zahnarzt zurück in ihrer Wohnung war, den Computer angeschmissen und Mr. Google gefragt. Nicht nur nach den Kosten so eines Implantats. Die waren relativ schnell gefunden. Zumindest Pi mal Daumen. Grete hatte auch nach den Methoden geschaut, wie man so ein Implantat einsetzt. Und war über die ganze Sucherei  schnell in irgendwelchen Foren gelandet, wo ihr völlig fremde Menschen eine  Horrorgeschichte nach der anderen auftischten. Da war eine Ulla H. gewesen, aus Herne, der hatte man beim Einsetzen der Verschraubung in den Kieferknochen gebohrt. Oder der Herr Ludger S., aus Hamburg. Bei dem hatte sich alles so entzündet, dass das Zahnfleisch verfaulte. Grete hatte es richtiggehend mit der Angst zu tun  bekommen. Dennoch, sie hatte danach das einzig richtige getan, zumal mittlerweile die Betäubung nachgelassen und der Zahn sich wieder bemerkbar gemacht hatte. Sie hatte die Gefilde gewechselt. Weg von Mr. Google und seinen Schreckgespenstern. Ab zu facebook. Da gibt es wenigstens Katzenvideos. Doch, Pustekuchen, facebook war nicht erreichbar gewesen.  Keine Katzenvideos - keine Ablenkung! Vielleicht twitter? Nun, der alles beherrschende Twittertrend war ... #facebookdown. Als wenn die Grete das nicht selbst schon wüsste. Also doch wieder Ulla H. aus Herne und dieser Ludger aus Hamburg. Wie gut, dass justament das Telefon geklingelt hatte. Die Berta Kalt, was Grete unweigerlich an "Hoch auf dem gelben Wagen ..." erkannt hatte. "Für jeden einen anderen Klingelton, für jeden. So weiß ich immer wer dran ist!", hatte sie erst neulich zu Herrn Heinevetter gesagt. 
Grete drehte sich wieder um in ihrem Bett. Streng darauf achtend, den Kopf nicht allzu sehr zu bewegen. Wo doch gerade Ruhe war in ihrem Mund. Nicht dass da der Zahn wieder wachgerütelt wurde. Nee, wie der Herr Heinvetter da geguckt und neugierig nach seinem Klingelton gefragt hatte. Aber die Grete hatte nix verraten. Sie kicherte. Nach der Kletterpartie damals auf seinem Balkon war es der Grete passend erschienen "Faust auf Faust" von Klaus Lage für ihn auszuwählen. Immerhin hatte er es damals ja Schimanski gleichtun wollen. "Hoch auf dem gelben Wagen" für die Berta. Wo die doch so gern wandert.  
Na, jedenfalls war die Berta in der Leitung gewesen. Also Ablenkung. Und die Grete hatte dann auch gleich losgelegt. Von wegen Implantat für die rechte Seite und dass das ja so teuer sei und überhaupt die ganzen Gefahren bei so einer OP. Grete musste jetzt doch schmunzeln, als sie das Gespräch nochmals Revue passieren ließ. 
"Und stell dir vor Berta, ich kann auch ohne Vollnarkose!" Doch anstatt vor Mitleid zu zerfließen, wie es die Grete erwartet hatte, reagierte die Berta recht ungehalten. "Also, Grete, dass du sowas nötig hast, ausgerechnet du. Also nee, das hätte ich nicht gedacht. Das muss sich doch total falsch anfühlen, wenn man sowas hat!
Grete stutzte. Diesen Aspekt hatte sie noch gar nicht bedacht. "Man gewöhnt sich bestimmt Berta. Und dann fühlt es sich wie echt an."
"Und wieso überhaupt nur rechts? Ist denn links weniger? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen." Immer noch klang Bertas Stimme irgendwie empört.
Nun war Grete leicht verwirrt. Doch ehe sie antworten konnte redete Berta schon weiter. Diesmal schwang deutliche Missbilligung in ihrem Ton mit. "Sag mal Grete, und dann noch ohne Vollnarkose? Du fährst doch wohl nicht nach Polen zu irgendeinem Stümper. Und das alles wegen dem Holzmann! Nee, Grete, also wirklich!" 
Tausend Fragezeichen tanzten mittlerweile vor Grete auf und ab. Was bitte hat denn jetzt der Holzmann mit ihrem Zahn zu tun! "Echt jetzt Berta, was quasselst du denn da, Wieso der Holzmann?"
In der Leitung war es augenblicklich still. Grete hörte, wie die Berta scharf die Luft einzog. "Grete, sag jetzt nicht, dass du den Holzmann für einen anderen abserviert hast. So ein feiner Herr. Hätte ich mir ja denken können, dass der nie und nimmer von dir eine Brustvergrößerung gefordert hätte. Also, wie heißt der Kerl?"
Grete fiel dast der Hörer aus der Hand."Berta, was erlaubst du dir. Brustvergrößerung? Ich?!! Für den Holzmann? Oder für wen auch immer ...  Ja bist du denn von allen guten Geistern verlassen?  

Grete, schon halb im Schlaf, lächelte. Zu gerne hättte sie das Gesicht von der Berta gesehen, als die kapierte, dass es nicht um ein Brust - sondern um ein Zahnimplantat ging.




Dienstag, 16. Juni 2015

Das Fräulein Grete Meier ist angeschlagen

Das Fräulein Grete Meier ist angeschlagen 

Das Fräulein Grete Meier saß auf der Bettkante in ihrem Schlafzimmer und betrachtete ihren linken Fuß, der rot und mehr als angeschwollen war. Und haderte. Mit sich und der Welt. Mit der Berta und überhaupt. Brandenburg, Brandenburg ... und dann auch noch auf einem Campingplatz. Direkt an einem See. Was musste die Berta auch auf so eine dusselige Idee verfallen. Grete grummelte. Der Fuß juckte, ebenso die rechte Wade. Grete angelte die Antibiotikasalbe aus der Verpackung, öffnete den Verschluss und fing an ihren Fuß damit einzureiben. Vorsichtig, damit die eitrige Blase, die mittendrin in der Rötung zu sehen war, nicht aufplatzte. Aufpassen, Frau Meier, hatte der Arzt gesagt. Mit Kriebelmückenstichen ist nicht zu spaßen. Das kann leicht eine Sepsis geben. Schön die Finger davon lassen, auch wenn es juckt. Nicht kratzen.
Na, der hatte gut reden. Die rechte Wade juckte dermaßen, dass die Grete sich auf die Lippen biss. Biste selber schuld, Grete, hättste ja nicht mitfahren brauchen. Aber nein, du musstest ja wieder mal nachgeben. Und nur, weil die Berta so gejammert hat, dass sie nicht alleine fahren will. 
Grete klebte noch Pflaster auf die Stiche, zog vorsichtig Strümpfe an und humpelte Richtung Küche. Mit einer Tasse Kaffee und ihrer obligatorischen Zigarette bewaffnet stand sie fünf Minuten später auf dem Balkon. Kein Herr Heinevetter zu sehen. Grete setzte sich auf ihre Bank und betrachtete ihr Blumenkästen. Na, wenigstens hatte Herr Heinevetter das Gießen nicht vergessen, während ich weg war. Die Petunien und Geranien leuchteten farbenfroh in der untergehenden Sonne. Grete seufzte. Wäre ich doch nur hiergeblieben, dachte sie.
"Tach, Frau Meier! Wieder im Lande?" Grete zuckte zusammen. Sie hatte nicht bemerkt, dass Herr Heinevetter aus seiner Wohnung gekommen war. Er beugte sich über die kleine Mauer, die beide Balkone trennte. "Wassn los? Sie sehen ja total geschafft aus. Ich hab ihnen doch gleich gesagt, nicht in den Osten fahren. Das ist zu gefährlich!"
Grete musste trotz ihrer Schmerzen schmunzeln. "Ja, das haben sie gesagt. Aber ich glaube der Osten kann nichts für die dämlichen Mücken! Bis auf die Vicher, war es nämlich ganz toll gewesen. Klasse Campingplatz und das Wetter, ein Traum. Die Gegend ist echt schön."
Noch bevor das Fräulein Grete Meier ihre Zigarette aufgeraucht hatte, war Herr Heinevetter im Bilde. Grete war das Opfer einer, oder vielleicht auch zweier Kriebelmücken geworden. So ganz genau wusste sie es nicht, denn die Viecher hatte sie nicht zu Gesichte bekommen, nur die Folgen.  Und die waren für die Grete verhehrend gewesen. Starke Schwellungen, Rötung, Juckreiz und diese gräßliche Eiterblasen, die sie schließlich dazu zwangen, im Urlaub einen Arzt aufzusuchen. "Und der, mein lieber Herr Heinevetter, hat mir sofort einen Tetanusimpfung verpasst. Und was soll ich ihnen sagen, die hab ich überhaupt nicht vertragen. Ich bin immer noch angeschlagen und der rechte Oberarm schmerzt total. Das zieht bis in den Nacken. Fahren sie mal so Auto. Neun Stunden! Als ich gestern Nacht nach Hause kam, bin ich nur noch so ins Bett gefallen. Wie gut, dass ich noch bis Ende der Woche Urlaub habe. Die Berta, die hatte gar nichts. Keinen einzigen Stich. Ungerecht isse die Welt."
"Ach, die Welt hat nicht daran schuld, Frau Meier. Ich sach es ihnen. Schuld sind se selber. Nich in den Osten hab ich gesagt. Da is alles noch anders. Ich kann ihnen da Sachen erzählen ..."
Doch davon wollte die Grete heute so rein gar nichts mehr wissen. Die Ost-West-Litanei von Herrn Heinevetter kannte sie nur zu gut. Und teilte seine Meinung in keinster Weise. "Lassen se mal gut sein", unterbrach sie Herrn Heinevetter. "Das könnense mir ein andermal erzählen. Ich muss jetzt rein. Der Doktor hat gesagt, ich soll die Beine hochlegen. Und außerdem, das Lieschen will gleich noch anrufen."
Das stimmte zwar nicht, aber ab und an eine kleine Notlüge schadet schließlich nicht. 







 


Dienstag, 21. April 2015

Von einem Armbruch und göttlicher Speise

Von einem Armbruch und göttlicher Speise

Auch wenn es nicht zum Lachen war, das Fräulein Grete Meier konnte nicht anders. Sie musste lachen. Auch noch Stunden später. Und das, obwohl sie die Konsequenzen tragen muss. Zumindest für die nächsten vier Wochen. Denn so lange würde die Berta Kalt in der Firma ausfallen. Was nicht weiter tragisch wäre, wenn die Grete vom Wareneinkauf etwas mehr Ahnung hätte, als ein Stallhase von Ostern. Hatte sie aber nicht. Und dennoch, sie musste lachen. "Ich sag ihnen, Herr Heinevetter, das muss ein Anblick für die Götter gewesen sein!" Grete kicherte und steckte sich eine Zigarette in den rechten Mundwinkel. "Steigt die Berta vor ihrer Haustür aus dem Auto aus, tritt mit dem Absatz des rechten Schuhs in den Umschlag des linken Hosenbeines, bleibt hängen und kippt um wie ein gefällter Baum. Und nu isser gebrochen. Direkt am Ellbogengelenk. Nee, das hätte ich zu gern gesehen."
Herr Heinevetter starrte die Grete entgeistert an. "Und das finden sie lustig? Die Ärmste. Die hat doch bestimmt starke Schmerzen. Also nee, Frau Meier. Echt jetzt!"
Gretes breites Grinsen fror fest und blieb schief in ihrem Gesicht hängen.Jetzt schämte sie sich fast ein bisschen. Allerdings nur für eine Minute. "Ach, was wissen sie denn schon. Natürlich ist das lustig. Vor allem, weil sie sich in letzter Zeit ständig darüber lustig macht, dass ich Schuhe ohne Absatz trage. Dabei wusste sie bis vor ein paar Monaten selber nicht, dass es so etwas überhaupt gibt.  Erst seit sie diesen Typen da in einer Tanzbar kennegelernt hat, trägt sie diese Dinger mit den spitzen Pfennigabsätzen. Und stolziert damit wie ein Pfau durchs Büro. Zigmal ist sie schon gestolpert. Berta, habe ich zu ihr gesagt, Berta, eines Tages wirst du dir noch die Haxen brechen. Und ich hab recht gehabt. Aber sowas von." Triumphierend sah die Grete ihren Nachbarn an, der immer noch den Kopf schüttelte. "Trotzdem!"
"Was trotzdem! Nix trotzdem!" So langsam wurde die Grete ärgerlich. Doch gerade, als die Grete zu einer weiteren Tirade ansetzen wollte, knallte es. Hinter ihr, in ihrer Wohnung. So laut, dass beide zusammenzuckten. "Kleine Sünden ...", murmelte Herr Heinevetter, aber das hörte die Grete schon nicht mehr.
Hastig drückte diese ihre Zigarette aus und eilte ins Wohnzimmer. Alles ruhig. Alles an seinem Platz. Auch der Fernseher lief noch. Ebenso ihr Computer. Grete ging in die Küche. "Was um alles in der Welt ...! Yessas Maria, die Götterspeise!"

Zwei Stunden später saß die Grete fix und fertig, mit hochrotem Kopf und total verklebt auf dem Badewannenrand und heulte. Neben ihr stand Herr Heinevetter am Waschbecken und sah nicht minder verklebt und beschmiert aus. "Das ist aber auch ein Sauzeug, Frau Meier. Nu hörense schon auf  zu knatschen. Ist doch nix passiert."
"Nix passiert, nix passiert? Alles ist verklebt und die Wand ist grün. Die muss ich streichen. Und die schöne Schüssel von Tante Heidi ist auch hin." Grete schluchzte und schluchzte.
"Na, nu kommense mal wieder runter. Wir haben doch alles saubergemacht. Gestrichen ist die Wand schnell und so eine Schüssel lässt sich doch ersetzen. Ein Beinbruch ist das nun nicht!" Herr Heinevetter reichte der Grete ein Papiertuch. "Ich gehe jetzt rüber, duschen. Das sollten sie auch tun. Und den Rest macht die Waschmaschine." Jetzt konnte sich Herr Heinevetter ein Lachen nicht verkneifen." Ernsthaft, selbst ich weiß ja, dass man in eine Glasschüssel kein kochendes Wasser gießt. Das ist sowas von dumm. Wo das grüne Zeug aber auch überall gelandet ist, sogar auf der Lampe.  Sagense mal, wieviel Päckchen waren das denn überhaupt?"
"Vier", gab die Grete kleinlaut zu. "Ich ess das grüne Wabbelzeug halt gern! Und weil es soviel war, musste ich eine große Schüssel nehmen. Und da hab ich halt nur die eine."
"Wir haben zwei Liter Wackelpudding weggeputzt?" 
Ein feines Lächeln schlich sich in Gretes Gesicht. "Im wahrsten Sinnde des Wortes. Und nicht ein Löffelchen ist im Magen gelandet!"








Dienstag, 27. Januar 2015

Das Fräulein Grete Meier hat eine Mission

Das Fräulein Grete Meier hat eine Mission

Das Fräulein Grete Meier genoss die sonntägliche Stille und ihr Rührei. Völlig entspannt blätterte sie im Wochenblättchen, dass immer Sonntags den Weg in sämtliche Briefkästen der Stadt findet. Neben der Sonntagszeitung gehört das Wochenblättchen zu Gretes Sonntagsmorgensentspanndichgefälligstmalritual, ist also somit Pflicht für die Grete. Die Werbebeilagen lässt sie meistens außer acht, mehr interessiert sie der Veranstaltungskalender und die großen und kleinen Nachrichten, die direkt ihre Stadt betreffen und die, wegen "wen interessiert schon der Dackelclub", keinen Passierschein für die Tagespresse erhalten hatten.  Heute jedoch interessierte sie nicht mal, dass im Kindergarten unten an der Ecke schon wieder die Rutsche kaputt ist. Gretes sonntägliches Interesse galt nur zwei Seiten der Zeitung. Den zwei Seiten, auf denen man die Kontaktanzeigen findet. Und es handelte sich hierbei keinesfalls um ein flüchtiges, der Neugierde entsprungenes Interesse. Nein, eher um ein um vielfach gesteigertes. Zumindest, seit ihr die Berta vor ein paar Tagen angeraten hatte, sich diese Kontaktanzeigen doch mal genauer anzuschauen. "Weißte, Grete, eine Bekannte von mir hat so ihren Mann gefunden. Man muss sich auch mal was trauen." 
Heidi Seelig hatte natürlich sofort eingeworfen, dass Kontaktanzeigen oldscool sind und man heute Internetkontaktbörsen bevorzugt. Susi hatte sich nur kaputtgelacht und ein "ich sag nur Disco" in die Runde geschmissen. Etwas leiser war dann noch "aber dafür sindse ja schon zu alt, Frau Meier", zu hören gewesen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte es die Grete zutiefst bereut, dass sie von ihren IchsuchmireinenMann-Plan so leichtfertig in der Frühstückspause erzählt hatte. Erst als die Grete nachmittags mit Nachdruck die Vorzimmertür ins Schloss hatte fallen lassen, hatten sie aufgehört, die ungebetenen Ratschläge. Zumindest vorerst.
Nun, Grete ist ja nicht nachtragend und guten Ratschlägen durchaus schon mal zugetan. Und ein bisschen neugierig, was da in solchen Kontaktanzeigen wohl steht, ja, das war sie dann wohl auch.
Grete nahm noch einen Schluck Kaffee, atmete einmal tief ein und begann sich der ersten Anzeige in der Kategorie "Er sucht Sie" zu widmen. Jung, dynamisch sucht ... Grete stockte. Schnurzelbärchen zum Kuscheln? Was sollte das denn. Nee, ein Schnurzelbärchen bin ich nicht, will ich auch gar nicht sein. 
Nächste Anzeige. Guterhaltener Mittfünfziger sucht anlehnungsbedürftiges Mädchen ... das wird ja immer doller. Zwei Annoncen gelesen und schon hatte die Grete die Nase voll. Erst nochmal einen Schluck Kaffee und ein bisschen Rührei. Und dann ...  sei tapfer Grete, les einfach weiter. Mehr Schwachsinn geht schon gar nicht, kann nur noch besser werden. 
Lebenskünstler, 35 Jahre, gutaussehend sucht Dame, gern auch älter, die er verwöhnen kann. Keine finanziellen Absichten ... Also das ist doch ... Grete war empört. Keine finanziellen Absichten! Ach nee! Was ist das hier? Eine Seite mit Kontaktanzeigen oder ein einschlägiges Magazin?
Eine Tasse Kaffee später lag das Sonntagsblättchen bereits im Müll. Und mit ihr der erste Teil der Mission "GretesuchteinenMann". 
Bertas Kontaktanzeigen? Abgehakt. Aber sowas von.



Dienstag, 13. Mai 2014

Das Fräulein Grete Meier und der europäische Gesang

Das Fräulein Grete Meier und der europäische Gesang 

Generell schaut sich die Grete ja mal ganz gerne Musiksendungen im Fernsehen an. Sofern es sich nicht um Sendungen handelt in denen Blasorchester spielen und Jodelattacken ihre Ohren quälen. Denn Volksmusik, nee, das ist nix für die Grete. Lediglich Andreas Gabalier hat da eine kleine Chance. Den mag sie nämlich. Aber auch erst seit dieser neuen Sendung "Sing meinen Song". 
"Der ist ja sowas von sympathisch", hat sie erst neulich der Berta Kalt im Büro vorgeschwärmt und den ganzen Tag "I sing a Liad für di" vor sich hin geträllert. Sehr zum Leidwesen von Susi. Nun, immerhin, die konnte in ihre Abteilung flüchten. Der Chef leider nicht. Aber weil er es sich nicht mit der Grete verscherzen wollte, machte er lediglich seine Bürotür zu.
Schon vor einer Woche war der Grete eine Einladung ins Haus geflattert. Besser gesagt, sie klebte mittig an ihrer Wohnungstür. Unverhofft kam sie nicht, die Grete hatte sie schon ewartet. Denn schon seit Jahren war es Tradition im Haus, dass jedes Jahr, wenn der europäische Songcontest (kurz ESC) ansteht, im Haus eine Party organisiert wird. Dieses Jahr war Marie an der Reihe, ihr Wohnzimmer zur Verfügung zu stellen.
Am Samstagabend war es dann soweit. Klaus Wenig hatte seinen Mega-Fernseher zu Marie hochgeschleppt. Denn Marie selber besitzt gar keinen Fernseher. "Ach ma Gretee, isch biin doch kaum zu ause ..." 
So nach und nach trudelten die anderen ein. Die Hebers hatten Sohn Luis zur Oma gebracht und turtelten schon im Flur miteinander. Grete sah es mit Vergnügen. Ist doch schön für die zwei, mal kinderfrei und losgelöst vom Alltag, dachte sie, während sie die Teller mit ihren mitgebrachten Schnittchen auf dem Tisch verteilte. Herr Heinevetter hatte es sich bereits in Maries Schaukelstuhl bequem gemacht und redete in einem fort auf Frau Korters ein, die in einem Sessel neben ihm saß. Und, wie Grete schmunzelnd feststellte, heimlich ans Ohr griff, um ihr Hörgerät leiser zu stellen. Grete setzte sich auf einen Stuhl, denn die Couch wollte sie den Hebers, Herrn Wenig und Marie überlassen. Letztere trippelte aufgeregt auf ihren High-Heels um Klaus Wenig herum und sah bewundernd zu ihm auf. Ist ja auch ein toller Kerl, dachte die Grete. Wäre doch super wenn die zwei ... Grete, ganz ruhig. Kuppeln is nich. Aber wer weiß, nachher, so auf der Couch, ganz dicht beieinander ...hach, wäre doch schön.
Gerade noch rechtzeitig, bevor Grete vollends in rosa Wolken versinken konnte, schaltete Klaus Wenig den Fernseher ein. Wurde auch höchste Zeit, denn in Kopenhagen war man schon startbereit. Von Kandidat zu Kandidat stieg die Stimmung in Maries Wohnzimmer. Es wurde mitgeträllert und jeder Song heiß diskutiert. Einig war man sich grundsätzlich nicht. Während Grete und Frau Korters den Beitrag aus den Niederlanden favorisierten, hing das Herz von Marie und, wie kann es auch anders sein, das von Herrn Wenig an dem deutschen Beitrag. Die Hebers dagegen waren für Herrn oder Frau Wurst ( von welcher Seite aus man es eben betrachtet). Einzig Herr Heinevetter hielt sich konsequent aus jeglicher Diskussion heraus. "Das is doch alles Mist. Ja, früher, da wurde noch richtig gesungen beim ESC. Wenn ich da noch an Conny Froboess denke ... zwei kleine Italiener!" Bei so einigen Liedern wünschte sich auch die Grete insgeheim die Conny oder den Udo Jürgens auf die ESC-Bühne zurück. 
Später, als die Votingergebnisse bekanntgegeben wurden, kochte die Stimmung nochmal so richtig hoch. Die Hebers jubelten als feststand, dass ihre "Conchita" die begehrte Trophäe erhalten würde. Marie und Klaus Wenig waren spürbar enttäuscht, dass der deutsche Beitrag kaum Punkte erhalten hatte. So ganz nachvollziehen konnte die Grete die verschiedenen Votings auch nicht. Sie gönnte es aber Österreich. Denn eigentlich war der Beitrag doch recht nett gewesen. Also gesanglich. Über den Rest mochte sie nicht urteilen. Auch nicht am nächsten Tag, als in den Zeitungen und im Internet dem Wort "Wurst" eine immense Bedeutung zugewiesen wurde.  
"Jedem Tierchen sein Pläsierchen", sagt Onkel Günther immer. Und daran hält sich die Grete. Meistens jedenfalls. 





Freitag, 15. November 2013

Das Fräulein Grete Meier wird gestylt

Das Fräulein Grete Meier wird gestylt

"Am besten, Frau Meier, fröhliche Farben, das kommt immer gut an bei unseren Kunden. Und bitte seien Sie pünktlich!" Leicht irritiert beendete das Fräulein Grete Meier heute morgen den Anruf und steckte ihr Handy wieder in die Tasche zurück. Susi schaute sie erwartungsvoll an. "Was warn das? Haben sie echt gewonnen? Fünftausend Euro?" Grete nickte automatisch. "Haste richtig gehört, Susi. Das war gerade meine Bankberaterin. Seit Jahren kaufe ich schon jeden Monat zehn Sparlose. Die kosten fünf Euro. Vier Euro wandern auf mein Sparkonto und ein Euro wird für einen guten Zweck gespendet. Also nicht so richtig. Ein Teil wird als Gewinn ausgeschüttet. Und da hab ich gewonnen." Grete konnte es noch immer nicht glauben, dass merkte man an ihrer Stimme. "Dabei hab ich noch nie was gewonnen. Soviel Geld!" Grete schüttelte den Kopf. "Ja sowas", kam es von der Susi, "das ist doch super. Warum passiert mir das nicht. Fünftausend Euro, was ich damit alles kaufen könnte. Neue Klamotten, einen Fernseher, das neue iPad ..." Betroffen hielt sie inne, als die Grete einen Seufzer ausstieß. "Mensch Frau Meier, warum freuen sie sich denn gar nicht?" Denn das die Grete alles andere als begeistert war, war offensichtlich. Zusammengesunken mit heruntergezogenen Mundwinkeln hockte sie auf ihrem Schreibtischstuhl und stierte in die Luft. Susi fuchtelte mit einer Hand vor Gretes Gesicht herum. Keine Reaktion. Sie stupste die Grete an. Immer noch keine Reaktion. Jetzt wurde es der Susi mulmig. Sie eilte aus dem Büro. Kurze Zeit später kam sie mit Heidi Seelig im Schlepptau zurück. Grete saß noch genauso da wie vorher. "Sehense, Frau Seelig, das meine ich. So sitzt sie schon ein paar Minuten. Das ist doch nicht normal!"
Heidi Seelig schüttelte die Grete, deren Gesicht keinerlei Farbe mehr aufwies. "Frau Meier, was machense denn für Sachen. Fünftausend Euro ist zwar ein doller Gewinn, aber es sind keine fünf Millionen. Wennse die gewinnen, dann könnense aus den Latschen kippen."
Jetzt reagierte die Grete endlich. "Ach Frau Seelig, das mit dem Gewinn, natürlich freue ich mich darüber. Aber  ..."
"Was aber, Frau Meier, da gibt es doch kein aber, oder müssen sie dafür etwa den Herrn Heinevetter heiraten?" Die Susi brach in lautes Lachen aus. "Kopfkino, ich krieg Kopfkino!" Auch Grete konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Und mit dem Grinsen kehrte auch wieder Farbe auf ihre Wangen zurück. "Äußerst witzig, Frau Seelig, aber ich muss ihn natürlich nicht heiraten. Viel schlimmer, viel viel schlimmer." 
Was Schlimmeres, als den Herrn Heinevetter zu heiraten, konnte sie die Susi gar nicht vorstellen. Höchstens noch, dass Robbie Williams schwul ist. Für den schwärmte sie nämlich. Heimlich natürlich. Wegen Simon und so. Männer sind da ja sehr empfindlich, hat sie mal gelesen. Heidi Seelig, die sich mittlerweile auf die Kante von Gretes Schreibtisch gesetzt hatte, wollte es nun genau wissen. "Was ist denn nun viel schlimmer?"
Grete sank wieder in sich zusammen. "Der Fototermin", sagte sie ziemlich kleinlaut.  "Die wollen mich fotografieren mit einem Scheck in der Hand. Zusammen mit meiner Bankberaterin. Und das Bild soll dann mit einem Bericht über die glückliche Gewinnerin in der Kundenzeitschrift von der Bank erscheinen. Furchtbar!"
Also was daran so furchtbar sein sollte verstanden weder die Heidi Seelig noch die Susi. Auch der Chef nicht, der nun auch seinen Kopf aus dem Büro gesteckt hatte. Grete hatte wirklich Mühe ihr Dilemma zu erklären. Denn wenn die Gretes eines überhaupt nicht mag, sind es gestellte Fotos. "Da sehe ich immer total blöde aus. Ich kann einfach nicht auf Kommando lächeln. Und außerdem, ich habe nichts anzuziehen. Die wollen fröhliche Farben sehen. Und der Fototermin ist doch schon in zwei Stunden. Ausgerechnet heute habe ich das graue Kostüm an. Mit grauer Bluse. Was mache ich denn jetzt nur. Nach Hause fahren kann ich ja nicht mehr. Dafür fehlt die Zeit. Und überhaupt. Meine Frisur sitzt auch nicht. Und Schminke schleppe ich nicht mit mir herum, das wissen sie doch."
Ganz verzweifelt war die Grete. "Das haben wir gleich!", tönte es von der Schreibtischkante. Susi verstand und blinzelte verschwörerisch Richtung Heidi Seelig.

Keine zehn Minuten später glich das Vorzimmer mehr einem Beautysalon, als einem Büro. Der Chef wurde rausgeschickt und Heidi Seelig, Susi und Berta Kalt legten los. Letztere drapierte einen bunten Seidenschal um Gretes Hals. Wo immer sie ihn auch aufgetrieben hatte, er passte perfekt zu den tristen grauen Kostüm. Mit einer großen bunten Brosche wurde er festgesteckt. Heidi Seelig fummelte, zog und zupfte an Gretes Haaren herum. Voller Elan verteilte sie eine halbe Dose Haarspray über ihr Werk. "Drei Wetter Taft, Frau Meier. Das hält bombig. Büro -  die Haare sitzen. Autofahrt - die Frisur hält. Bank - das Haar ist noch immer geschmeidig." 
Grete hätte gerne mit den anderen gelacht, es war ihr aber nicht möglich, da die Susi gerade mit ihrem Gesicht beschäftigt war. Sie schmierte und pinselte was das Zeug hielt. "Voila!", rief Heidi Seelig eine halbe Stunde später. Alle drei zogen die Grete in die Damentoilette vor den Spiegel. Grete traute sich erst gar nicht die Augen zu öffnen. Vorsichtig riskierte sie dann aber doch einen Blick. Sprachlos riss sie die Augen dann ganz auf. Aus dem Spiegel blickte ihr ein wohlfrisiertes, dezent geschminktes Gesicht entgegen. Rosige Wangen, rosige Lippen, alles farblich abgestimmt auf den wirklich schönen bunten Seidenschal. "Siehste, Grete, jetzt strahlste. Nu kannst dich auch über den Gewinn freuen. auch für das Foto."
Grete drehte und wendetet sich noch ein paar mal vor dem Spiegel, bedankte sich überschwänglich bei allen dreien, schnappte sich Tasche und Autoschlüssel und fuhr zur Bank. Den Fototermin überstand sie locker und strahlend, wie die Göttin der Morgenröte.
"Und, Frau Meier", wurde sie von der Bankberaterin gefragt, "was machen Sie mit dem Geld?" Grete lächelte. "Drei Damen zum Essen einladen. Ganz groß. So richtig mit allem SchickiMicki. Was haben sie denn gedacht?"


Was Lieschen davon hält könnt ihr hier nachlesen ---> KLICK
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Dienstag, 12. November 2013

Das Fräulein Grete Meier hätte es wissen müssen

Das Fräulein Grete Meier hätte es wissen müssen 

Heute war einfach nicht mein Tag. Seufzend ließ sich das Fräulein Grete Meier in ihren Sessel sinken. Eigentlich, dachte sie weiter, eigentlich hätte ich es heute morgen schon wissen müssen, als der Kaffee alle war. Aber man schiebt ja erstmal alles weg. Wird schon werden. Alles nicht so schlimm, Grete. Trinkste eben Tee. Doch das Wegschieben negativer Gedanken brachte der Grete nicht das Geringste. Unausweichlich schossen Ärger, sowie kleine und mittlere Katastrophen, auf sie zu. Wie ein Wirbelsturm, dem man nicht entgehen kann. 
Beim Anziehen zerriss die Strumpfhose. Natürlich war kein Ersatz mehr da. Die Grete entschied sich für Socken und einen Hosenanzug, statt ihrem obligatorischen Kostüm. Der, wie kann es auch anders sein, noch aufgebügelt werden musste. Nach dem Bügeln konnte die Grete zwar in einem völlig knitterfreien Anzug ins Büro fahren, aber auch mit einer Brandwunde am Unterarm, weil nämlich in der Hektik der Arm aus unerklärlichen Gründen dem heißen Eisen im Weg war. Ein schwerer Unfall  auf der Autobhan führte zu einem Stau, in dem die Grete natürlich festsaß. Für volle zwei Stunden. Als die Grete dann endlich im Büro ankam, stand ein völlig aufgelöster Chef vor dem Kopiergerät und diskutierte heftigst mit Susi und Eido. Jedwedes Lämpchen an dem Gerät leuchtete und zudem piepte es permanent. Scheinbar hatten alle drei hier mal gedrückt und da mal dran gezogen, um das streikende Gerät wieder ans Laufen zu bringen. Grete riss noch im Mantel einfach den Stecker raus. Sie kannte das schon. Einfach ausstecken, ein paar Minuten warten, wieder einstecken und das Ding läuft wieder. Nur heute eben nicht. Stecker rein, wieder raus, wieder rein. Tot. Der Geist des Kopierers schwebte irgendwo im Nirwana.  "Chef, ich sag ihnen schon seit Wochen, dass ein  neuer her muss. Jetzt haben wir den Salat. Ausgerechnet heute, wo die Rechnungen raus müssen!" Da es sich nämlich um ein Multifunktionsgerät handelt, war somit auch das Drucken für heute nicht möglich. Eido rettete zumindest die Rechnungssache. Er hievte zusammen mit Simon kurzerhand das Multifunktionsgerät aus der Versandabteilung in das Vorzimmer und schloss es auch gleich an. Beim Anblick von Simon brach Susi in Tränen aus und flüchtete in die Damentoilette. Grete schaute Simon scharf an. Der zuckte jedoch nur mit den Schultern und machte, dass er aus dem Büro kam. Grete blieb nichts anderes übrig als der Susi zu folgen. Die lehnte am Waschbecken und schluchzte zum Gotterbarmen. "Kindchen, was ist denn los?" Susi schluchze noch lauter. "Der Simon, der Simon, der hat eine andere ...!"  Grete mochte das nun überhaupt nicht glauben. "Der Simon doch nicht. Wie kommste denn darauf?" Unter weiteren Schluchzen erzählte die Susi, dass sie ihren Simon gestern Arm in Arm mit einer dunkelhaarigen jungen Frau gesehen hatte. In einem Café. "Und mir hat er erzählt er müsse lernen. Nie wieder will ich ihn sehen, diesen Mistkerl. Nie wieder!" Grete drückte der Susi ein Papiertaschentuch in die Hände. "Nu beruhige dich mal. Dafür gibt es bestimmt eine Erklärung. Du müsstest doch den Simon eigentlich gut genug kennen. Sowas macht der nicht." So etwas wie Hoffnung glomm in Susis Augen auf. "Meinense, Frau Meier?"
"Mein ich nicht nur, weiß ich", erwiderte die Grete und machte sich auf die Suche nach Simon. Des Rätsels Lösung - besagte junge Dunkelhaarige war Simons Schwester. Er hatte sich mit ihr getroffen, damit sie ihn wegen eines Weihnachtsgeschenkes für Susi berät. Gut, dass mittlerweile die Mittagspause anstand. Grete verfrachtete beide in die Küche, damit sie sich aussprechen konnten. Sie selber verzog sich samt Heidi Seelig und Berta Kalt in ihr Vorzimmer. Mit deren Hilfe war dann die Rechnungsangelegenheit schnell vom Tisch. Grete ließ die Tastatur klappern. Heidi Seelig faltete und die Berta tütete alles ein. So konnte die Grete später doch noch alles pünktlich zur Post bringen. Auf der Fahrt nach Hause, rannte ihr zwar noch eine schwarze Katze beinahe vor das Auto - Natürlich kam sie von links - aber das war der Grete jetzt auch egal. Sie wollte nur noch in ihren Sessel. Vorher musste sie aber noch Kaffee und Strumpfhosen kaufen. An der Kasse stellte sie fest, dass sie ihre Geldbörse im Büro liegengelassen hatte. Jetzt reichte es der Grete endgültig. Nix mehr pack ich heute an. Nix mehr.

Gerade als das Fräulein Grete Meier etwas zur Ruhe gekommen war, klingelte es an der Tür. "Bitte, lieber Gott, bitte. Keine Katastrophen mehr heute. Das halte ich nicht aus", murmelte sie noch, bevor sie öffnete. Herr Heinevetter, na dieser Schimanskiverschnitt hat mir gerade noch gefehlt. Grete war noch immer auf ihn sauer. 
Der wirkte reichlich bedrückt. Mit beiden Händen streckte er der Grete einen Blumenstraß entgegen. "Für sie Frau Meier, weil sie mich doch gestern gerettet haben. Es tut mir wirklich leid, dass ich mich so dämlich verhalten habe." Ganz zerknirscht klang das.
Grete überlegte nur einen winzigen Augenblick. "Sagense mal Herr Heinevetter, haben sie Kaffeepulver?"


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Sonntag, 15. September 2013

Wenn Grete eine Reise tut ...



Wenn Grete eine Reise tut ...

Völlig erschöpft und doch hochzufrieden stieg das Fräulein Grete Meier aus dem Taxi. Das blieb natürlich nicht unbeobachtet. Noch ehe die Grete den Taxifahrer bezahlt hatte, stand der Herr Heinevetter schon in der Haustür. "Wartense, ich helf ihnen mit den Koffern Frau Meier, die sind doch viel zu schwer!" Der Grete war das nur allzu recht. Über neun Stunden war sie unterwegs gewesen und rechtschaffend müde. Also drückte sie dem Herrn Heinevetter den Koffer in die Hand, nahm selber die Reisetasche und stapfte hinter ihm her in ihre Wohnung. Durch die offene Tür drang köstlicher Kaffeeduft. "Hab mir mal erlaubt, eine Kanne aufzusetzen. Den könnense doch sicher gebrauchen." Und ob die Grete den gebrauchen konnte. Die völlig überteuerte Plörre im Zug war nämlich ungenießbar gewesen. Zu stark und fast kalt. "Ehrlich Herr Heinevetter, da muss die Bahn dringend mal nachbessern. Ist doch nicht so schwer einen anständigen Kaffe zu kochen. Das kriegen ja selbst sie hin!" Herr Heinevetter wurde sogleich zwei Köpfe größer.

Die Grete verfrachtete Koffer und Tasche ins Schlafzimmer und setzte sich zu Herrn Heinevetter an den Küchentisch. Der so richtig schön gedeckt war. Also schön im Sinne von Herrn Heinevetter. Rotes Häkeldeckchen (wahrscheinlich noch von seiner verstorbenen Frau), dazu Gretes grüne Jumbokaffeetassen, die stilvoll auf einer lilafarbenen Serviette standen. Und mitten auf dem Tisch prangte ein brauner Übertopf mit einem blauen Stiefmütterchen. Die Grete war ganz gerührt. Der Kaffee war schnell eingegossen und die Grete begann überaus geduldig, alle Fragen bezüglich des Urlaubes, die Herrn Heinevetter so nach und nach einfielen, zu beantworten. Und dabei geriet sie so richtig ins Schwärmen. Angefangen von dem tollen Wetter, nicht zu heiß und kein Regen, über das wirklich schöne Hotel, die einmalige Aussicht auf den Chiemsee, den Besuch der Fraueninsel und die Schiffstour über den See, bis hin zu einer kleinen Bergwanderung auf den Wendelstein. "Da sind wir dann allerdings die Hauptstrecke  mit der Wendelsteinbahn hochgefahren. Die Berta hat es nicht so mit wandern. Einen Ausblick hat man da. Wirklich Herr Heinevetter, das hätten sie sehen müssen! Morgen lasse ich gleich die Fotos entwickeln."

Gretes Augen leuchteten richtig bei der Erinnerung daran. "War wirklich alles super, nur die Rückfahrt war totaler Mist. Beinahe hätten wir nämlich in München den Anschlusszug verpasst."

"Jaja, die Bahn", unterbrach sie der Herr Heinevetter. "War mal wieder nicht pünktlich, oder?"

Jetzt lachte die Grete. "Die war pünktlich, aber wir nicht!" Verständnislos schaute der Herr Heinevetter die Grete an. Die goss sich aber erst noch in aller Ruhe eine zweite Tasse Kaffee ein, bevor sie ihm erzählte was alles in München passiert war.

Eine dreiviertel Stunde Pause hatten sie gehabt, die Grete und die Berta. Zeit genug um das stille Örtchen aufzusuchen und schnell noch eine Zeitschrift zu kaufen. Doch zu Letzterem kam es nicht mehr. Die Grete ging zuerst durch die Schranke, die in den Sanitärbereich führte, während die Berta beim Gepäck blieb. Nach fünf Minuten kam die Grete wieder zurück und Berta passierte die Schranke. Verschwand um eine Ecke und kam und kam nicht wieder. Nach fünfzehn Minuten wurde es der Grete zu bunt. Kurzentschlossen bat sie ein älteres Ehepaar auf die Koffer und Taschen acht zu geben, zog sich ein weiteres Mal ein Ticket und hastete in den Damensanitärbereich. Dort hatte sich schon eine Traube Frauen vor einer geschlossenen Kabinentür gebildet. Allen voran die Hüterin des Sanitärbereiches, die heftig an der Tür rüttelte. Grete ahnte bereits und drängelte sich vor. Und in der Tat, ihre Ahnung hatte sie nicht getrogen.  Berta, die der Stimme nach zu urteilen in heller Aufregung war, bekam die Türe nicht mehr auf. Jetzt war guter Rat teuer. Die Zeiger auf Gretes Armbanduhr glitten unaufhaltsam vorwärts. Berta rüttelte von innen, die Hüterin des Bereiches mit hochrotem Kopf von außen. Die Frauen drum herum diskutierten heftig, ihre Stimmen und die Ratschläge überschlugen sich. Und die Uhr tickte. Grete wurde es zu bunt. "Ruhe, jetzt seid doch alle mal ruhig. Gibt es denn hier keinen Hausmeister oder sowas?"

Schlagartig wurde es still um die Grete. Selbst die Berta gab, außer einem kleinen Schluchzen, keinen Piep mehr von sich. Die Hüterin des Bereiches drehte sich zu Grete um. "Hausmeister? Was sein das?" Na, das konnte ja heiter werden. "Haben sie wenigstens einen Notschlüssel oder irgendetwas um die Tür von außen zu öffnen. Das ist doch Pflicht!"

Die arme Frau schüttelte nur mit dem Kopf. "Notschlüsseln, was sein das?"

Das Fräulein Grete Meier gab es auf. "Berta, Berta steig mal auf das Klo!" Mit einem schnellen Blick hatte die Grete nämlich erkannt, dass von den Seitenwänden bis zur eigentlichen Raumdecke genügend Platz war. Sie zog zwei junge Frauen in die Kabine nebenan. Auf Gretes Geheiß versuchte Berta über die Seitenwand in die benachbarte Kabine zu klettern. Was dann nach einigen Anläufen auch gelang. Grete und die zwei Frauen halfen ihr so gut es eben ging dabei. Berta schniefte und sah ganz verheult aus. Aber Grete ließ ihr keine Zeit zu verschnaufen. Ab nach draußen, das Gepäck geschnappt und im Eilschritt zum Gleis. Gerade noch rechtzeitig hatten sie es dann in den Zug geschafft.

Während die Grete das alles dem Herrn Heinevetter erzählte, lachte sie sich halb kaputt. So, jetzt in der Erinnerung, war es ja auch eine lustige Begebenheit. Berta wird das bestimmt am Montag im Büro genauso sehen. Fürs erste war die allerdings bedient. Kein Wort hat sie mehr mit der Grete gewechselt. Die ganze Zugfahrt nicht. Nur böse geguckt. "Und nur, Herr Heinevetter, nur weil bei der Aktion ihr Rock zerrissen ist und die fremden Frauen, die geholfen haben, ihren Schlüpfer sehen konnten. Rosa mit Blümchen, Herr Heinevetter. Rosa!"



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Sonntag, 8. September 2013

Von Spontanität und fehlenden Schuhen



Von Spontanität und fehlenden Schuhen


Was für eine Aufregung. Und das am Sonntag. Das Fräulein Grete Meier Meier war ganz konfus. So konfus, dass sie schon laut mit sich selber sprach, während ihr Kopf, samt halben Oberkörper, in einem Schrank steckte. "Wo sind denn nur die Schuhe, ich weiß genau, dass ich sie die Tage noch irgendwo gesehen habe. Ah, hier ist die zweite Reisetasche, wenigstens habe ich die gefunden. Aber die Schuhe, die müssen doch auch hier sein.Verdammter Mist!" So geflucht hat die Grete schon lange nicht mehr. Naja, lange ist relativ. Gestern nach dem Einkaufen klang das ähnlich. Die Grete tauchte mit Reisetasche, aber ohne Schuhe wieder aus dem Schrank auf.  Flitzte dann wie ein Derwisch durch die Wohnung, schnappte sich hier mal was und da mal was. Relativ unsortiert landete alles in einem großen grünen Koffer, der geöffnet auf ihrem Bett stand. Überhaupt sah es in Gretes Schlafzimmer aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Kleiderschrank und Kommode standen offen und auf dem Stuhl vor dem Frisiertisch stapelten sich Hosen, Blusen und Pullover. Frau Korters lehnte am Türrahmen und lachte sich kaputt. "Wie bei Hempels unterm Sofa, Frau Meier, oder schlimmer. Nu werden se mal ruhig. Sie müssen das strategisch angehen, dann klappt das auch."

Grete setzte sich seufzend auf die einzig freie Stelle auf ihrem Bett. "Hach, Frau Korters, sie haben gut reden. Ich weiß gar nicht wo mir der Kopf steht. Das schaffe ich nie bis 18.00 Uhr. Und wenn ich die blöden Wanderschuhe nicht finde, brauche ich erst gar nicht zu fahren. Und das lieschen muss ich auch noch anrufen. Die weiß doch noch gar nichts!"

"Ihr Lieschen können Sie auch noch von unterwegs anrufen, jetzt muss erstmal der Koffer gepackt werden!" Resolut schnappte sich die Frau Korters die Reisetasche und zog die Grete ins Bad. Die war mittlerweile etwas zur Ruhe gekommen. Konzentriert packte sie unter den Augen von der Frau Korters alles ein, was Frau so auf einer Reise benötigt. Zurück im Schlafzimmer sortierte sie aus dem Kleiderstapel alles raus, was nicht benötigt wurde, den Rest packte sie in den Koffer. Noch zwei Krimis, Deckel zu. Passt und hat Luft, grinste die Grete. Allerdings fehlten immer noch die Wanderschuhe. Sie bat Frau Korters alle Lebensmittel einzupacken, die verderblich sind. Der halbe Einkauf gestern für die Katz. Naja, nicht so ganz. Frau Korters freute sich sichtlich über den unerwarteten Segen. Während sich also Frau Korters im Kühlschrank austobte, rannnte die Grete in den Keller. Im letzten Regal, hinter den silberfarbenen Pumps, die die Grete nur zu besonderen Gelegenheiten trägt, fanden sich dann auch die Wanderschuhe. Schnell wieder hoch, Koffer nochmal auf, und die Schuhe rein. Jetzt musste sich die Grete allerdings auf den Koffer setzen, damit er sich wieder schließen ließ. Schwer atmend blieb die Grete solange darauf sitzen, bis Frau Korters voll bepackt im Türrahmen erschien. "Na dann, Frau Meier, gute Reise. Erholen sie sich gut. Und danke für den Lachs und so. Wer gießt denn die Blumen?"

"Ich geh gleich zum Herrn Heinevetter. Der hat ja einen Schlüssel und kennt sich mit Blumen aus. Hat ja selber genug." Die Grete brachte die Frau Korters noch zur Tür und eilte auf den Balkon. Ohne Zigarette, so aufgeregt war sie. " Hamse schon gehört … die Berta Kalt fährt zum Chiemsee. Wandern."

Herr Heinevetter paffte fröhlich vor sich hin. "Und, was hab ich damit zutun?"

"Na, sie müssen die Blumen gießen!"

"Bei der Berta?" Vor Schreck ließ der gute Herr Heinevetter seine Zigarette fallen. Grete lachte, holte sich jetzt doch selber eine Zigarette und setzte sich auf die Bank. Während sie rauchte erzählte sie dem Herrn Heinevetter was passiert war. Nämlich, dass die Berta vor drei Stunden völlig aufgelöst bei ihr angerufen hat. Einen Wanderurlaub, eine Woche am Chiemsee hatte sie gebucht, mit ihrer Freundin. Doppelzimmer, 5-Sterne-Hotel, direkt am See. Und jetzt liegt die flach. Sommergrippe. Mit Fieber. Ob die Grete nicht mitfahren könne, so ganz allein würde sie so ungerne fahren. "Ich kenn doch da keinen. Mit dem Bürschli wäre das für mich kein Problem, Aber so?" Fast schien es der Grete, als würde die Berta weinen. Nein, das geht natürlich nicht. Weinende Bertas mag die Grete gar nicht. Also hat sie ganz spontan zugesagt. Natürlich musste erst der Chef angerufen werden. Und das am heiligen Sonntag. Aber immerhin, es war ja ein Notfall. Fand der Chef auch und gab sein Einverständnis. "Eine Woche, Frau Meier, eine Woche komme ich auch ohne Sie aus. Fahrense ruhig mit der Frau Kalt!"

"Und deshalb, Herr Heinevetter sollen sie sich um meine Blumen kümmern." Das leuchtete ein, auch dem Herrn Heinevetter. Der hoch und heilig versprach, die zwei Kunstblumen im Schlafzimmer mit Wasser zu verschonen. Dass die Frau Meier mich aber immer wieder damit aufziehen muss, dachte er. War doch schon peinlich genug, dass ich es damals nicht bemerkt habe.

"So Herr Heinevetter, es wird Zeit. Ich ruf mir jetzt ein Taxi, der Zug fährt nämlich pünktlich um 18.00 Uhr ab. Die Berta wartet auf dem Bahnsteig auf mich. Wir sehen uns dann in einer Woche wieder."


Das Lieschen ist bestimmt überrascht über Gretes Spontanität ---> KLICK