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Dienstag, 10. Mai 2016

Das Fräulein Grete Meier hat viel Wind um Nix

Das Fräulein Grete Meier hat viel Wind um Nix 

"Nichtmal ein Kuss, Lieschen ...",empörte sich das Fräulein Grete Meier. "Noch nichtmal im Ansatz und das wo ich doch extra ..." Den Rest verschluckte die Gete lieber. Nee, nee, das wollte sie dann doch nicht dem Lieschen erzählen. Jetzt zumindest nicht. Vielleicht später mal. 
"Mensch Grete, was haste denn erwartet?" Lieschen schüttelte den Kopf. "Dass der über dich herfällt?" 
Grete wurde puterrot im Gesicht. "Also Lieschen, wat denkste denn von mir. Sowas würd ich doch nie im Leben ... "
"Ja wenn nich das, was dann, Grete. Gut, der Holzmann hat dich nun schon ein paar Mal ..."
"Drei, Lieschen", unterbrach sie die Grete. "Drei Mal und die Susi hat gesagt ...also ...!" Grete geriet ins Schleudern.
Amüsiert starrte Lieschen in die Kamera. "Die Susi? Ja was denn zum Henker hat die Susi jetzt mit dem Holzmann zu tun? Grete! Was geht da wieder in deinem Hinterköpfchen vor? Raus damit!"
Mahnend tauchte Lieschens Zeigefinger vor der Grete auf dem Bildschirm auf. 
Die genierte sich zu Tode, fasste sich aber dann ein Herz. "Also die Susi meinte, so beim dritten Treffen, also sie hat Date gesagt, da müsste was passieren, sonst ... ach du weißt schon was ich meine."
Lieschen stellte sich dumm. "Nee, Grete, was denn genau sollte denn so bei einem dritten Date passieren?" Leider konnte sie sich ein Grinsen dabei nicht verkneifen. 
"Lieschen, nu nimm mich nicht noch auf die Schippe. Du weißt genau, was Susi damit gemeint hat. Und ich hab ja auch vorgesorgt. War da in so einem Dessousgeschäft. Hat ganz schön was gekostet.  Was meinste was der Heinevetter dumm aus der Wäsche geguckt hat. Ich kann dir sagen ...!"
Jetzt war es an Lieschen dumm aus der Wäsche zu gucken." Grete, jetzt sag nicht, du hast dem Heinevetter deine Dessous vorgeführt. Ehrlich, du bist mir eine ...!"
Grete wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Was das Lieschen aber auch denkt. Sie setzte sich gerade hin, schaute in die Kamera an ihrem Bildschirm und keine fünf Minuten später war das Lieschen vollends im Bilde. Es folgte danach minutenlanges Glucksen und Japsen. Auf beiden Seiten der Monitore. "Echt Lieschen, das hätteste sehen sollen, wie der da stand, mit meinem Höschen im Gesicht. Und wie der geschaut hat, als er das Ding runternahm und feststellte, was ihm da so um die Ohren geflogen ist. Ohne ein Wort, mit spitzen Fingern, hat er mir das Teil rübergereicht. So schnell habe ich den noch nie in seinem Wohnzimmer verschwinden sehen." Grete liefen vor lauter Lachen die Tränen über die Wangen. Sie nahm sich zusammen. "Naja, klaro, mir das das peinlich, aber sowas von. Doch, ich schwöre ... nur im ersten Moment. Danach ... ich kam aus dem Lachen nicht mehr heraus."
"Das kann ich mir denken. Und nu lassen wir den armen Heinevetter mal wieder außen vor. Haste echt gedacht, du musst beim dritten Date mit dem Holzmann zwischen die Betten kriechen?
Grete schluckte. Dass das Lieschen aber auch gleich immer so drastisch auf den Punkt kommen muss. "Nur weil die Susi ...!"
Lieschen unterbrach sie. "Papperlapapp. Was weiß die Susi denn schon. Mach einfach langsam Grete. Hör auf deine innere Stimme und nicht auf andere. Geh mit dem Holzmann aus, wenn er dich einlädt und warte einfach ab. Wat kütt dat kütt ... und überhaupt, Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden."
Jetzt musste Grete schmunzeln. "Recht haste und so Spitzendessous werden ja schließlich nicht schlecht ...gell?"



 






Dienstag, 3. Mai 2016

Von Selbstbewusstsein und einem heißen Höschen

Von Selbstbewusstsein und einem heißen Höschen

"Also beim dritten Date musste, Grete ... sonst wird das nie was!"  Das Fräulein Grete Meier war sich zwar ganz sicher, dass dem nicht so ist, dennoch ... Susis Worte schwirrten ununterbrochen in ihrem Kopf herum. Ab und an prallten sie mal gegen eine Wand und purzelten herunter (wenn die Grete den Kopf schüttelte und sich selber zu Ordnung rief), nur um sich danach wieder in ungeahnte Höhen aufzuschwingen. 
Muss ich? Grete wurde von Stunde zu Stunde unsicherer. Zu gerne hätte sie Lieschen um Rat gefragt, aber neee, wie peinlich. Und überhaupt, woher sollte das Lieschen sowas auch wissen. Immerhin, war diese ja nun schon seit Jahren verheiratet. Grete überlegte hin und her. Frau Korters vielleicht? Nee, zu alt. Und die Heber? Auch verheiratet. Kruzitürken ... bleibt nur noch Marie ... geht auch nicht. Die is ja mit dem Wenig in Urlaub.  So ein Mist aber auch, die wüsste bestimmt ... das mit dem Wenig ist ja noch nicht so lange her.
Grete seufzte, während sie die Reste des Feinwaschmittels aus der schwarzen Spitzenwäsche unter lauwarmen Wasser ausspülte. "Exquisit, hochmodern, da wird jeder Mann schwach", hatte die Verkäuferin im Dessousgeschäft gesagt. "Seide, also nur Handwäsche", hatte sie ihr noch mit auf den Weg gegeben. Als wenn die Grete sowas nicht wüsste.

Zuhause hatte die Grete sich erstmal geduscht, eingecremt und dann die Unterwäsche übergestreift. So ganz wohl war ihr nach einem Blick in den Spiegel dabei nicht gewesen. Fest ist anders, hatte sie gedacht und dabei die Körbchen des BHs immer wieder von rechts nach links geschoben. "Sie sind doch in den besten Jahren, da können Sie doch gut noch sowas tragen", hatte die Dame im Geschäft bei der Anprobe gesagt. ...  So ein Scheiß. Beste Jahre hin oder her, die Dinger hängen nun mal. Naja, zumindest etwas. Und so, in diesem BH, sieht man das ja auch gar nicht. Doch was wenn ... Grete hatte es nicht gewagt auch nur einen einzigen weiteren Gedanken an das WAS WENN zu verschwenden. Das Höschen jedenfalls hatte ihr dann doch recht gut gefallen. Alles in allem ... kannste dich doch noch sehen lassen, Grete. Zumindest verpackt. Aber jetzt ... erstmal waschen. Wer weiß, wer das schon alles am Hintern kleben hatte.
Grete legte den BH sorgfältig auf ein Handtuch. Daneben das Spitzenhöschen. Zubbelte noch etwas hier und zupfte und zog noch etwas da. Befriedigt betrachtete sie ihr Werk. "Schön sieht es ja aus", murmelte sie. Butter bei die Fische Grete, mit deinen ollen Baumwollschlüppern kannste jedenfalls keinen Blumentopp gewinnen. Vielleicht gerade noch so beim Heinevetter. Jetzt kicherte die Grete. 
Doch dieser Zustand hielt nicht lange an, denn Susis Worte begannen wieder zu rollen. Grete schüttelte sich. "Selber schuld, was mussteste auch der Susi von Holzmanns Einladung zum Essen erzählen!" 
Sie atmetete tief durch, schnappte sich die Spitzenteile, den kleinen Wäscheständer und eilte auf den Balkon. Es gibt doch nichts Schöneres als Frühlingswind zum Wäschetrocknen. Flugs war das Ding aufgestellt. Vorsichtig legte die Grete beide Teile darauf. Hach, die Wäscheklammern. Vergessen. Grete hastete zurück in ihr Badezimmer und schnappte sich den Klammerbeutel. Ein spitzer Schrei, gefolgt von einem Grunzen, ließ sie zusammenfahren. Was ...? Grete raste zurück. 
Und da stand er. Nebenan auf dem Balkon. Herr Heinevetter. Völlig erstarrt. Zigarette im Mundwinkel und Gretes schwarzem Spitzenhöschen im Gesicht.






Dienstag, 23. Februar 2016

Von einem Brand und roten Rosen

Von einem Brand und roten Rosen 

"Oh ma Gretee, was aast du aangefaangen? Terrible!" Marie rollte nicht nur das R, sondern auch die Augen. Das Fräulein Grete Meier seufzte und stellte ihre Einkaufstasche ab. Umständlich fummelte sie ihren Haustürschlüssel aus der Handtasche. "Hätte ich mir ja denken können, dass ich nicht ungesehen ins Haus komme", murmelte sie vor sich hin. 
"Aast du was gesaagt, ma Gretee? Sag mich was passiert iist. Biist du kraank?" 
Grete drehte sich zu Marie um und schüttelte mit dem Kopf. "Nee, Marie, nur dumm!" 
Man konnte Marie förmlich ansehen, dass sie kein Wort verstand. "Bei viel dumm wird man rot? Isch verstehe nicht, ma Grete?"
Grete schloss schweigend die Tür zu ihrer Wohnung auf."Nu komm erstmal rein. Ich mach Kaffee und dann erzähle ich dir was Dummheit mit meiner Hautfarbe zutun hat."
Wenig später durchzog Kaffeeduft Gretes Küche. Marie saß still auf ihrem Stuhl und nippte an ihrer Tasse. Fasziniert betrachtete sie dabei die Grete, die ihr gegenüber saß und sich einen nassen Waschlappen auf das Gesicht drückte. Endlich legte Grete den Lappen auf den Tisch. "Ich sag dir, Marie, nie wieder. Niemals nie nicht wieder geh ich auf die Sonnenbank!"  Sie machte eine kurze Pause. "Eine ausgezeichnete Bank, hat das Fräulein gesagt. Toootal geeignet für ihren Hauttyp." Gretes Stimme ging in eine unnatürliche Tonart über. "Sie werden begeistert sein. Dreissig Minuten reichen und sie werden sich nicht mehr wiedererkennen. Ein Hautton wie sanftes Gold. Und wenn sie diese Creme vorher auftragen ... wie Samt und Seide ..." Grete ging zur Spüle und hielt den Waschlappen unter kaltes Wasser. "Also mit dem Wiedererkennen hatte sie ja dann auch recht. Schon nach fünfzehn Minuten wurde es total heiß auf der Bank. Der Bauch und der Rücken brannten wie Feuer. Grete habe ich mir gesagt, Grete, wer schön sein will muss leiden. Und, was habe ich jetzt davon? Rot wie ein Krebs bin ich. Üüüberall!" Sie setzte sich und legte sich den kalten Lappen wieder auf das Gesicht. "U .. da ..lles ..r ..gen ..olzmann .."
Marie beugte sich vor und riss der Grete den Lappen  vom Gesicht. "Isch kaann nix verstehn, ma Gretee ...!
"Wegen dem Holzmann", schnappte Grete. "Der hat mir doch glatt zum Valentinstag rote Rosen geschenkt. Na, und da hab ich ihn, so rein aus Dankbarkeit natürlich, zum Essen eingeladen. In so ein schickes Restaurant. Und die Berta hat die Tage gesagt, ich sei so blass. Und da hab ich mir gedacht ... naja. Ich wollte halt gut aussehen. Was mach ich denn jetzt nur .." 
Marie musste sich auf die Zunge beißen, sonst hätte sie laut losgelacht. "Isch weiß nicht, ma Grete ... ein bisschen Lüge viielleicht? Wie saagt man immer ... aus Noot?"
Grete nahm den Faden sofort und dankbar auf. "Gute Idee, Marie. Ich sage einfach dem Holzmann, dass ich eine schreckliche Allergie habe und wir das Essen ein paar Tage verschieben müssen. Der wird das schon verstehen. Muss er einfach ..." Grete sprach nicht weiter. Allein die Vorstellung, dass Herr Holzmann denken könnte, dass sie vielleicht keine Lust hat mit ihm essen zu gehen, und deshalb die Allergie vorschob, machte sie fertig. Na, mal sehen, dachte sie. Kommt Zeit kommt Rat. Erstmal muss ich jetzt was gegen die schmerzende Haut tun. 
Nachdem sie Marie sanft hinaus komplimentiert hatte, verzog sich Grete ins Bad. Eine halbe Stunde und eine Dose Nivea später, machte es sich die Grete, eingemummelt in ihren Bademantel, auf der Couch bequem. Eine dicke Schicht Creme zierte ihr Gesicht. Kaffee, die Bunte, eine Zigarette ... und so langsam ließ auch das Brennen nach. Was will man mehr. Nach weiteren zwanzig Minuten hatte die Grete alles um sich herum vergessen. Zumal die Bilder von Englands Königsfamilie mal wieder herzallerliebst waren. Besonders die kleine Charlotte hatte es ihr angetan. Zuckersüß. 
Sie war so in die Bilder eingetaucht, dass sie fast das Klingeln an der Tür überhört hätte. Herrjeh, hatte Marie etwas vergessen? Eilig hastete sie in den Flur und riss die Tür auf. " D ...d ...der Holzmann ..." Mehr als ein Stottern, brachte die Grete nicht über die Lippen. Ihr wurde heiß und kalt. Wenn es denn eine Steigerung von Rot geben würde, dann wäre sie jetzt, trotz der weißen Schicht Creme ... aber sowas von ...








Dienstag, 8. Dezember 2015

Von einem Mistelzweig und Wolke 4

Von einem Mistelzweig und Wolke 4 

Das Fräulein Grete Meier saß in eine Decke gehüllt auf ihrem Balkon und blätterte in alten Fotoalben. Immer wieder griff sie dabei in die Schale mit den Weihnachtsplätzchen. Selbstgebacken versteht sich. Ab und an rutschte ihr ein Seufzer über die Lippen, aber die meiste Zeit lächelte sie stillvergnügt vor sich hin. Wie verliebt sie doch damals gewesen war.  So richtig mit tausenden von Schmetterlingen im Bauch. Wie schlank sie aussah auf dem Bild.  Und die Haare, lockig und bis über die Schultern. Sie fuhr mit den Fingerspitzen über das Gesicht neben ihr auf dem alten Foto. Rolf! Dreimal Wolke sieben und zurück. Grete schloss die Augen und holte sich die Szene am Strand zurück. Hach,  in der Vergangenheit zu Schwelgen ist schon was Feines. Viel zu selten hat man Zeit und Ruhe dafür.
"Na Frau Meier, das is ein Wetterchen, gell? Fünfzehn Grad in der Sonne. Und das so kurz vor Weihnachten"
Fast wäre die Grete von ihrer Bank gekippt, so sehr erschrak sie. "Mensch Herr Heinevetter, müssen sie sich so anschleichen? Ne alte Frau verträgt sowas nicht mehr ..."
Schuldbewusst blickte Herr Heinevetter auf seine Puschen. "Tut mir leid, Frau Meier. Aber weil es so warm ist, habe ich nicht daran gedacht richtige Schuhe anzuziehen." Neugierig beugte er sich über die Mauer. "Was schauen sie sich denn da an? Fotos von Verflossenen?"
Grete überhörte geflissentlich die Frage. Das fehlte ja noch, dass der Heinevetter Bilder von ihr im Bikini zu sehen bekam, dachte sie. Schnell klappte sie das Album in ihrer Hand zu, legte es zu den anderen neben sich auf die Bank und stand auf.  "Kekse, Herr Heinevetter? Zimtsterne, selbst gebacken, die mögen sie doch so gerne." Grete hielt ihm die Schale direkt unter die Nase. "Greifen se ruhig zu, ich hab noch jede Menge. Ach was, nehmense doch gleich die ganze Schale..." Sie drückte ihm die Schale in die Hand. "Ich muss dann auch mal wieder ..."
Und Schwupps war die Grete auch schon mit dem Stapel Alben in ihrem Wohnzimmer verschwunden. Zurück blieb ein perplexer Herr Heinevetter mit einer Schale Zimtsterne in den Händen, der ihr hinterher starrte. aber nicht lange. Feiner Zimtduft stieg in seine Nase und kitzelte seinen Gaumen. "Was solls", murmelte er vor sich hin, griff in die Schale und stopfte sich gleich zwei Kekse auf einmal in den Mund. "Hmmm ... backen kannse ..." 

Grete hatte sich mittlerweile an ihrem Computer verzogen. Skypen mit Lieschen war heute nicht drin, da diese mit Herrmann den ganzen Tag unterwegs sein würde. Irgendein Museum anschauen. Mit Museen hat es die Grete nicht so. Lieschen eigentlich auch nicht. Aber der Herrmann. Und naja, was tut man nicht alles so, wenn man ... 
Grete mochte nicht weiterdenken. Dennoch konnte sie ihre Gedanken nicht aufhalten.Würde sie auch, wenn ... also wenn der Holzmann ... Grete!!! Denk nicht mal dran. Es war nur ein einziger Kuss. Völlig harmlos. Und praktisch erzwungen. Von einem Mistelzweig. Das gilt nicht. Das hat nichts zu sagen. ÜBERHAUPT NICHTS! Und geschmeckt hat es eh nur nach Eierpunsch. 
Grete bearbeitet entschlossen die Tastatur: Liebes Lieschen ... ich glaube, ich habe mich ein bisschen verliebt ... du ahnst bestimmt schon in wen ...
Grete schrieb und schrieb. Von der Weihnachtsfeier, zu der Herr Holzmann sie freundlicherweise begleitet hatte, von dem tollen Kleid, dass sie getragen hatte, von Eierpunsch und ihren Kollegen, die ihr alle zu Herrn Holzmann gratuliert hatten. Sogar der Chef hatte gemeint, was für ein netter Mann das sei und wie gut er doch zu ihr passen würde! Hah, als ob ... 
Und sie schrieb Lieschen von dem Mistelzweig unter dem sie sich urplötzlich (ich schwöre Lieschen, ich hab den nicht gesehen!) mit Herrn Holzmann befunden hatte und davon, dass Susi und Berta plötzlich angefangen hatten "Küssen, küssen, küssen" zu rufen. Natürlich hatten dann plötzlich alle anderen auch nichts Besseres zu tun gehabt, als ebenfalls ins gleiche Horn zu stoßen. Lieschen, mir ist nichts anderes übrig geblieben. Ich musste den Holzmann küssen. Und ich sag dir ...
An dieser Stelle unterbrach die Grete ihren Schreibfluss. "Herrgottnocheins Grete", fluchte sie laut. "Was schreibste denn da für einen Müll. Verliebt ... ich doch nicht ...
Ein Klick und die E-Mail war gelöscht. Fürs Erste ...








Dienstag, 1. Dezember 2015

Das Fräulein Grete Meier löffelt ihre Suppe

Das Fräulein Grete Meier löffelt ihre Suppe

"Boah Lieschen, ich bin ja sowas von blöde ... ich könnt mich in den Hintern treten!" Das Fräulein Grete Meier schlug sich mit der Hand vor die Stirn. Lieschen, auf dem Bildschirm, sagte nichts. Sie hob nur ebenfalls eine Hand und zeigte der Grete einen Vogel. Sehr deutlich. 
"Ja was soll ich denn nun machen", jammerte die Grete. "Echt jetzt, du bist mir auch keine Hilfe!" Grete warf einen vorwurfsvollen Blick in die Kamera. Lieschens Antwort bestand lediglich aus einem schiefen Grinsen.
"Nu sag doch mal was, bevor ich hier total ausklinke!" 
"Mensch Grete", tönte es aus dem Lautsprecher. "Da kann ich dir nun wirklich nicht helfen. Diese Suppe haste dir selber eingebrockt. Was biste auch immer so voreilig. Und überhaupt, was is denn schon dabei. Der Holzmann ist doch ganz umgänglich. Sagste ihm einfach was los is und dann .."
Grete unterbrach sie. "Nee, auf keinen Fall. Eher fall ich tot um. Ihh muss mir was anderes einfallen lassen. Ich hab da auch schon ne Idee. Grippe ... ja, so mach ich es. Ne richtig schöne Grippe. Heiser kann ich, Liescchen. Das merkt keiner. Hör mal ..." Grete hustete dreimal und sprach mit Flüsterstimme weiter. "Leider, ich kann nicht kommen, die Stimme, der Hals und Schnupfen habe ich auch und das Fieber ... 41 Grad, ich muss bestimmt ins Krankenhaus." 
Lieschen konnte sich vor Lachen kaum noch halten. "Grete, komm mal wieder runter", gluckste sie, nachdem sie sich einigermaßen von Gretes Ichmalmalaufkrank erholt hatte. "Denk nach und dann tuste das, was de immer tust. Pack den Stier bei den Hörnern. So, nu muss ich aber auflegen. Herrmann hat die Pizza fertig. Ich meld mich am Sonntag, dann kanste mir erzählen, wie es ausgegangen is ... und bis dahin ..halt die Ohren steif." Noch ein letztes Winken in die Kamera und das Lieschen verschwand vom Bildschirm.
Pizza ... na, die brauchte sich ja um  sowas keine Sorgen machen. Die hat ja Herrmann. Ehe Grete den Faden weiterspinnen konnte, wusste sie bereits, wie ungerecht das von ihr war. Beschämt senkte sie den Kopf. Grete, denk nach ... Sie griff nach einer Zigarette und zündete sie an. Lieschen hat ja recht. Schuld biste selber. Nur wie aus der Nummer herauskommen?
Drei Zigaretten später wusste die Grete immer noch nicht, was sie tun sollte. Krankstellen war im Grunde keine Option. Dafür mochte sie die jährliche Weihnachtsfeier viel zu gerne. Was zum Henker hatte sie nur heute morgen im Büro geritten. Sie wusste es nicht. 
Heidi Seelig hatte morgens die Liste der Teilnehmer erstellt. Und nur ganz zufällig hatte die Grete mitangehört, wie sie zu Eido gesagt hatte, dass Grete ja wie jedes Jahr alleine kommt und somit neben Berta Kalt sitzen soll, die ja auch ohne Anhang ist. Dieses Jahr sollten nämlich zu der Weihnachtsfeier auch die Partner eingeladen werden. Grete verfluchte innerlich die Idee vom Chef. Doch anstatt den Mund zu halten hatte die Grete spontan in Richtung von Frau Seelig gerufen: " Ich bin nicht allein. Ich bring meinen Freund mit. Den Herrn Holzmann. Jawoll!" Schon als die Säze heraus waren, hatte die Grete sie bereut. Über das Gesicht von der Seelig hatte sie sich dennoch amüsiert.
Nu denn, Grete, jetzt gibbet kein Zurüch mehr. Is ja nich so wie bei den Politikern, die heute was sagen und morgen davon nix mehr wissen wollen! Nee, nee, wenn die Grete wat sacht, dann stehtse auch dazu.... Grete ordnete ihre Gedanken, dann das Haar. Noch ein Blick in Spiegel, etwas Lippenstift ( is immer gut, wenn man einem Mann etwas abringen möchte ...) und dann ...
Schultern gestrafft und ab in die Höhle des Löwen. Grete griff nach ihrem Schlüsselbund. Entschlossen öffnete sie die Wohnungstür und trat in den Flur. "Na, dann wollen wir mal. Wäre doch gelacht, wenn ich den Holzmann nicht überreden kann mit mir zur Weihnachtsfeier zu gehen ...!"





 


Dienstag, 29. September 2015

Von #facebookdown und falschen Brüsten

Von #facebookdown und falschen Brüsten

Zahnschmerzen, facebook kaputt und dann noch das Theater am Telefon mit der Berta Kalt. Das Fräulein Grete Meier lag in ihrem Bett und wälzte sich von einer Seite auf die andere. Sie war völlig erledigt. Total erschossen. Immerhin, so langsam zeigte die Schmerztablette Wirkung, denn das unangenehme Pochen im rechten Unterkiefer ließ langsam nach. So einer langwierigen Zahnbehandlung hatte sich die Grete noch nie unterziehen müssen. "Ein Versuch noch, Frau Meier. Wenn wir dann die Entzündung nicht rauskriegen ... na, dann muss der Zahn weg. Aber alles kein Problem, wir setzen dann einfach ein Implantat ein." Der hatte gut reden. Ein Implantat. Was das wieder kosten würde. Trotz Zusatzversicherung. Natürlich hatte die Grete, gleich als sie vom Zahnarzt zurück in ihrer Wohnung war, den Computer angeschmissen und Mr. Google gefragt. Nicht nur nach den Kosten so eines Implantats. Die waren relativ schnell gefunden. Zumindest Pi mal Daumen. Grete hatte auch nach den Methoden geschaut, wie man so ein Implantat einsetzt. Und war über die ganze Sucherei  schnell in irgendwelchen Foren gelandet, wo ihr völlig fremde Menschen eine  Horrorgeschichte nach der anderen auftischten. Da war eine Ulla H. gewesen, aus Herne, der hatte man beim Einsetzen der Verschraubung in den Kieferknochen gebohrt. Oder der Herr Ludger S., aus Hamburg. Bei dem hatte sich alles so entzündet, dass das Zahnfleisch verfaulte. Grete hatte es richtiggehend mit der Angst zu tun  bekommen. Dennoch, sie hatte danach das einzig richtige getan, zumal mittlerweile die Betäubung nachgelassen und der Zahn sich wieder bemerkbar gemacht hatte. Sie hatte die Gefilde gewechselt. Weg von Mr. Google und seinen Schreckgespenstern. Ab zu facebook. Da gibt es wenigstens Katzenvideos. Doch, Pustekuchen, facebook war nicht erreichbar gewesen.  Keine Katzenvideos - keine Ablenkung! Vielleicht twitter? Nun, der alles beherrschende Twittertrend war ... #facebookdown. Als wenn die Grete das nicht selbst schon wüsste. Also doch wieder Ulla H. aus Herne und dieser Ludger aus Hamburg. Wie gut, dass justament das Telefon geklingelt hatte. Die Berta Kalt, was Grete unweigerlich an "Hoch auf dem gelben Wagen ..." erkannt hatte. "Für jeden einen anderen Klingelton, für jeden. So weiß ich immer wer dran ist!", hatte sie erst neulich zu Herrn Heinevetter gesagt. 
Grete drehte sich wieder um in ihrem Bett. Streng darauf achtend, den Kopf nicht allzu sehr zu bewegen. Wo doch gerade Ruhe war in ihrem Mund. Nicht dass da der Zahn wieder wachgerütelt wurde. Nee, wie der Herr Heinvetter da geguckt und neugierig nach seinem Klingelton gefragt hatte. Aber die Grete hatte nix verraten. Sie kicherte. Nach der Kletterpartie damals auf seinem Balkon war es der Grete passend erschienen "Faust auf Faust" von Klaus Lage für ihn auszuwählen. Immerhin hatte er es damals ja Schimanski gleichtun wollen. "Hoch auf dem gelben Wagen" für die Berta. Wo die doch so gern wandert.  
Na, jedenfalls war die Berta in der Leitung gewesen. Also Ablenkung. Und die Grete hatte dann auch gleich losgelegt. Von wegen Implantat für die rechte Seite und dass das ja so teuer sei und überhaupt die ganzen Gefahren bei so einer OP. Grete musste jetzt doch schmunzeln, als sie das Gespräch nochmals Revue passieren ließ. 
"Und stell dir vor Berta, ich kann auch ohne Vollnarkose!" Doch anstatt vor Mitleid zu zerfließen, wie es die Grete erwartet hatte, reagierte die Berta recht ungehalten. "Also, Grete, dass du sowas nötig hast, ausgerechnet du. Also nee, das hätte ich nicht gedacht. Das muss sich doch total falsch anfühlen, wenn man sowas hat!
Grete stutzte. Diesen Aspekt hatte sie noch gar nicht bedacht. "Man gewöhnt sich bestimmt Berta. Und dann fühlt es sich wie echt an."
"Und wieso überhaupt nur rechts? Ist denn links weniger? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen." Immer noch klang Bertas Stimme irgendwie empört.
Nun war Grete leicht verwirrt. Doch ehe sie antworten konnte redete Berta schon weiter. Diesmal schwang deutliche Missbilligung in ihrem Ton mit. "Sag mal Grete, und dann noch ohne Vollnarkose? Du fährst doch wohl nicht nach Polen zu irgendeinem Stümper. Und das alles wegen dem Holzmann! Nee, Grete, also wirklich!" 
Tausend Fragezeichen tanzten mittlerweile vor Grete auf und ab. Was bitte hat denn jetzt der Holzmann mit ihrem Zahn zu tun! "Echt jetzt Berta, was quasselst du denn da, Wieso der Holzmann?"
In der Leitung war es augenblicklich still. Grete hörte, wie die Berta scharf die Luft einzog. "Grete, sag jetzt nicht, dass du den Holzmann für einen anderen abserviert hast. So ein feiner Herr. Hätte ich mir ja denken können, dass der nie und nimmer von dir eine Brustvergrößerung gefordert hätte. Also, wie heißt der Kerl?"
Grete fiel dast der Hörer aus der Hand."Berta, was erlaubst du dir. Brustvergrößerung? Ich?!! Für den Holzmann? Oder für wen auch immer ...  Ja bist du denn von allen guten Geistern verlassen?  

Grete, schon halb im Schlaf, lächelte. Zu gerne hättte sie das Gesicht von der Berta gesehen, als die kapierte, dass es nicht um ein Brust - sondern um ein Zahnimplantat ging.




Dienstag, 15. September 2015

Von einem Stich und blauen Freunden

Von einem Stich und blauen Freunden 

Aufgeregt wuselte das Fräulein Grete Meier durch ihre Wohnung. Schob hier etwas zurecht und da etwas. Zupfte an der zartgelben Tischdecke und rückte wohl zum hundertsten Mal das Besteck gerade. Zwischendurch immer der Blick zur Uhr. Wo zum Henker ist denn nur das Feuerzeug! Grete zog planlos eine Schublade nach der anderen von ihrem Sidebord auf. Nichts. Küche vielleicht? Da fand sie zwar die Zigarettenschachtel, aber kein Feuerzeug. Grete fummelte eine Zigarette heraus und klemmte sie sich zwischen die zart rosé gefärbten Lippen. 24 - Stunden Lippenstift. Sauteuer, aber er war sein Geld wert. Kein rosa Abdruck an den Zigaretten und auch nicht an Glas oder Kaffeetasse. Und er überstand jedes Essen. Ohne Nachziehen. Sogar Rot geht damit. Aber nachdem die Heidi Seelig im Büro mal getönt hatte, dass Rot auf den Lippen ab 40 vulgär aussieht, fristete der rote Lippenstift sein Dasein neben dem blauen Lidschatten (O- Ton Susi: "Total out, Frau Meier!") in der Karnevalskiste. Wegschmeißen kam für die Grete nämlich nicht in Frage. Hat doch schließlich mal was gekostet. Von Blau war sie danach auf bescheidens Beigebraun umgestiegen. Und eben zu Rosè. Ah, da war es ja, das Feuerzeug. Auf der Fensterbank. Rasch zündete die Grete ihre Zigarette an. Doch noch vor dem ersten Zug klingelte es an der Wohnungstür. Ohne zu zögern versenkte die Grete die brennende Zigarette im Blumentopf mit dem Kaktus. Die einzige Grünpflanze in der Wohznung übrigens, die sich permanent hielt. Trotz, oder vielleicht auch, wegen der gelegentlichen Tabakdüngung. Nee, mit Pflanzen in der Wohnung hat die Grete nie Glück. Auf dem Balkon die Geranien dagegen. Ein Traum. In Rot. Das wird ja wohl nicht verboten sein. auch nicht mit Ü 50.  Grete eilte zur Tür. Soll ja keiner sagen, dass geladene Gäste bei der Grete zwei Mal klingeln müssen.

Gretes Stimme überschlug sich fast. Oder ganz, nach Lieschens Gesicht auf  Gretes Bildschirm zu urteilen.  "Jetzt weißte Lieschen, warum du mir unbedingt deinen Tee schicken musst. Alle isser, ausgerechnet heute! Das halt ich im Kopp nich aus!" Grete verdrehte die Augen.  
"Nu mal langsam Grete", antwortete Lieschen. "Hol mal tief Luft und dann erzählste mir alles von vorne. Ich hab kaum etwas verstanden. Nur, dass Herr Heinevetter und dein Holzmann zum Kaffee da waren. Und dass sie einen Stich hatten." 
"Na", empörte sich die Grete, senkte dabei aber etwas die Stimme. "Das kannste laut sagen. Die hatten einen Stich, aber sowas von. Dabei habe ich es nur gut gemeint!" 
Lieschen lachte. "Grete, wenn du schon was gut meinst ...Also, was war los?" 
Grete beugte sich vor und sah direkt in die Kamera. "Ich hatte dir doch erzählt, wie sauer der Heinevetter war, dass ich den Holzmann duze und ihn nicht, wo wir uns doch schon viel länger kennen. Gar nicht mehr geredet hat er mit mir. Guck nicht so, ich habe mich ja entschuldigt bei ihm. Und dann hab ich mir gedacht, ich lad den Holzmann und den Heinevetter mal zusammen zum Kaffee ein. Damit die sich mal kennenlernen. Ich hab extra Pflaumenkuchen gebacken. Und dann, du musst dir diese Peinlichkeit mal vorstellen, dann hatte die Sahne einen Stich!"
Lieschen war verwirrt."Die Sahne? Hast du nicht eben gesagt, die zwei Männer hatten einen Stich? 
"Mensch Lieschen, du hörst aber auch gar nicht zu. Zuerst war es die Sahne und dann der Heinevetter und kurz danach auch der Holzmann. Die haben Lieder gesungen und sogar Brüderschaft getrunken  Stell dir das mal vor! Es war entsetzlich. Der Heineveter wollte sogar mir mir tanzen und der Holzmann hat sich eine der Rosen aus der Vase geschnappt und sie sich zwischen die Lippen geklemmt. Zwei Tassen und ein Teller sind kaputt. Ich brauch den Tee, Lieschen, dringend!"
"Grete!", Lieschens Stimme klang streng. "Grete, du hast doch nicht etwa den Mirabellenschnaps von Tante Heidi ..." Sie redete nicht weiter.
"Naja!", kam es recht kleinlaut von der Grete. "Ich dachte, weil doch die Sahne einen Stich hatte .. so für den Magen ... woher sollte ich denn wissen, dass die nicht Mal ein, zwei Schnäpse vertragen! Kann ich doch auch."
"Das sind wohl eher vier, fünf gewesen laut deinen Schilderungen, gell?"
Grete versank regelrecht in ihrem Schreibtischstuhl. Sie traute sich kaum noch das Lieschen anzublicken. "Nun, da kannste recht haben. Wenn ich so recht überlege, war die Flasche fast voll. Nu isse leer. Und irgendwie geht es mir jetzt gerade gar nicht gut.. Mir dreht sich alles. Aber sowas von ..."




Dienstag, 1. September 2015

Von einer falschen Vorstellung und nackten Tatsachen

Von einer falschen Vorstellung und nackten Tatsachen

"Neeneenee, Herr Heinevetter. Das war nix für mich. Viel zu viele Nackedeis um mich herum." Das Fräulein Grete Meier zog leicht genervt an ihrer Zigarette. Herr Heinevetter beschattete mit einer Hand seine Augen, denn die Abendsonne blendete ihn. "Ja nun, Frau Meier, das is nu mal so in sone Sauna. Das weiß man doch vorher!" Flugs bückte er sich nach seiner Einkaufstasche, die er vor der Haustür abgestellt hatte, als die Grete seinen Weg kreuzte. Denn er wollte auf jeden Fall verhindern, dass sie sein Grinsen sah. So empört wie sie war, wäre das wahrscheinlich nicht gut für ihn ausgegangen.
"Vorher, vorher, Schlaumeier! Natürlich weiß ich, dass man da nicht im Jogginganzug herumläuft. Aber ich dachte ... zumindest ein Handtuch ... echt jetzt, das kann man sich doch umbinden. Aber nee, splitterfasernackt muss es sein. Wenn die Berta mir das doch nur vorher gesagt hätte. Wo ich doch noch nie in einer Sauna war. Also ich bin nicht ohne Handtuch. Gar nicht hingucken konnte ich bei den andern. Ich hab mich sowas von geniert ... "
"Wer war splitterfasernackt?" Die Grete fuhr herum. Natürlich, der Holzmann. Ausgerechnet. Grete wurde knallrot. "Müssen sie mich immer so erschrecken? Nicht die feine Art sich anzuschleichen ...!"
Aus Gretes Augen schossen Blitze. Herr Holzmann ließ sich davon allerdings nicht abschrecken. "Du etwa?", hakte er schmunzelnd nach. 
"Und wenn?", blaffte die Grete zurück. "Geht sie gar nichts an! Und überhaupt gucken sie mal nicht so blöd. Oder meinen sie vielleicht ich kann es mit nicht mehr leisten?" Ein herausfordernder Blick traf Herrn Holzmann. Grete, du bist total übergeschnappt, was laberst du da eigentlich? 
Herr Holzmann lachte. "Sie? Waren wir nicht schon bei Du, liebe Grete? 
Herr Heinevetter blickte zu Grete. Dann zu Herrn Holzmann und wieder zurück zur Grete. "Hab ich da was verpasst? Is ja ´n Ding!" 
Jetzt war die Grete auf einhundertachtzig. "Nix da, nix haben sie verpasst, Herr Heinevetter. Kümmern sie sich mal  lieber um ihre Einkäufe. Muss doch bestimmt so einiges von in den Kühlschrank, oder?" Grete bückte sich nach der Einkaustasche, hob sie auf und drückte sie Herrn Heinevetter in die Hand. "Nu los, machen sie schon!" Sie schob den völlig verdatterten Herrn Heinevetter in den Hausflur. 

"Mensch, Grete, du machst Sachen. Der arme Herr Heinevetter. Und erstmal der Holzmann." Lieschen sah auf Gretes Bildschirm richtig ernst aus. "Wie biste denn aus DER Nummer wieder rausgekommen?" 
"Ach Lieschen", seufzte die Grete. "Ich glaub, diesmal so gar nicht. Herr Heinevetter ist beleidigt, weil ich ihm nie das Du angeboten habe, obwohl wir uns ja schon sooo lange kennen. Da haben noch nicht mal meine Haferflockenkekse geholfen. Und Gerd, also der Herr Holzmann, na, den hab ich einfach stehen lassen.  War mir alles zu peinlich. Ich weiß ja auch nicht was mich da geritten hat. Aber schuld haben die Nackten. Wenn die nicht gewesen wären ... ich sag ja, ein Handtuch nur ... "





Dienstag, 21. Juli 2015

Von Hitzewallungen und einem Kopfsalat

Von Hitzewallungen und einem Kopfsalat

Das Fräulein Grete Meier schwitzte. Aber sowas von. Nicht nur, dass die Wohnung einem Backofen glich, nein, auch die Grete fühlte sich wie einer. Seit Stunden werkelte sie nun schon in der Küche. Und das bei der Hitze. 31 Grad Außentemperatur. Und innere Hitze bei der Grete. Spaßeshalber hatte sie zwischen Kartoffeln schälen und Braten marinieren ihr Thermometer vom Balkon in die Küche geschleppt. Satte 45 Grad hatte es angezeigt. 
Grete tropfte der Schweiß von der Stirn. Sie klemmte sich den Teigschaber zwischen die Lippen und hangelte mit der freien Hand nach der Küchenrolle, während sie mit der anderen krampfhaft die Rührschüssel mit dem Kuchenteig umklammerte, die ständig drohte wegzurutschen. Natürlich klappte das nicht und Schüssel samt Teig landeten auf dem Boden. Grete seufzte und bückte sich. Na, wenigstens war der Teig in der Schüssel geblieben. Wie immer Grete, biste selber schuld an der Misere. Was mussteste auch dem Holzmann von deinen Kochkünsten vorschwärmen. Jetzt haste den Salat. Der Salat! Wo war de Salatkopf? Grete stellte hastig die Schüssel wieder auf die Anrichte und öffnete die Kühlschranktür. Nix. Außer Kühle. Die konnte Grete gerade gebrauchen, denn erneut startete eine  Hitzewelle, um von Gretes Körper mit aller Kraft Besitz zu ergreifen. Verdammich, reicht es denn nicht, dass mir mein Spiegelbild jeden Tag zeigt, dass die Fünfzig überschritten sind? Grete blieb für ein paar Minuten vor der offenen Kühlschranktür stehen und fächelte sich mit beiden Händen die kühle Luft zu. Ahh, das tut gut.  
Fast hätte sie dabei den Salat vergessen. Aber nur fast. Grete konnte sich absolut nicht erinnern, wo sie den Korb mit dem Salat, den Tomaten und der Gurke gelassen hatte. Vieleicht auf dem Balkon? aber da war auch nichts zu finden. Grete machte sich eine Zigarette an.  Ihr Kopf rauchte, der Körper dampfte und nach und nach zog ein unangenehmer Geruch in Gretes Nase. Grete schnupperte und rümpfte die Nase. Da ruft wohl die Dusche, dachte sie. Aber zuerst ...

Herr Holzmann konnte sich kaum das Grinsen verkneifen, als die Grete ihm vom weiteren Verlauf des Nachmittages erzählte. Dennoch, ganz Gentleman, hielt er sich zurück. Es war aber zu herrlch mitanzusehen, wie sie mit Händen und Füßen, völlig theatralisch, die Situation schilderte. "Tja, und dann lieber Herr Holzmann, stellen se sich mal vor, war plötzlich die ganze Küche verqualmt. Und der Geruch,  das war nicht ich ... nein, ich hatte vor lauter Salatsucherei, den Braten im Ofen vergessen. Wie eine Irre habe ich die Backofentür aufgerissen und nach dem Bräter gegriffen. Das Ende vom Lied sehen sie ja!" Dabei streckte die Grete ihm ihre verbundenen Hände entgegen. Herr Holzmann goss ihr etwas Rotwein nach. Grete trank das Glas in einem Zug aus. "Und dabei wollte ich für uns doch so ein richtig schönes Menü zubereiten", jammerte sie. "Und dann das ... alles verkohlt!" Verlegen strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Das ist mir noch nie passiert, ehrlich Herr Holzmann." 
"Nu, nu, ein verkohlter Braten ist schließlich kein Weltuntergang. Sehense sich doch mal um. Wir beide sitzen hier nun gemütlich in einem schönen Restaurant, genießen das gute Essen und ein Glas Wein. Und das ganz in Ruhe. Sie müssen nicht nach dem Essen schauen und andauernd aufstehen. Im Gegenteil. Hier werden auch sie bedient." Vorsichtig legte Herr Holzmann eine Hand auf Gretes Arm.
"Und im Übrigen, ich hätte mich auch mit einem schönen Salat und einem Stück Kuchen zufrieden gegeben!"
Falls die Grete etwas irritiert gewesen war, von Herrn Holzmanns Hand auf ihrem Arm, merkte man ihr davon jedenfalls nichts an. Sie sagte gar nichts mehr und lächelte nur still vor sich hin. Wie nett von ihm, dachte sie. Zufrieden mit einem Salat und einem Stückchen Kuchen. Wenn der wüsste! Denn den Korb mit dem Salat hatte sie nach dem Einkauf im Auto stehen gelassen, wo er wohl noch immer vor sich hinwelkt. Also der Salat, und nicht der Korb. Und der Kuchen? Nun, den hatte sie bei Herrn Heinevetter in den Ofen geschoben und ihm nach dem Backen gegeben, als Dank dafür, dass er ihr geholfen hatte, die Küche wieder auf Vordermann zu bringen.








Dienstag, 14. Juli 2015

Das Fräulein Grete Meier hat ein Geheimnis

Das Fräulein Grete Meier hat ein Geheimnis


Grete eilte zum Schreibtisch. Tante Heidi. Via skype. Ein wenig ungewöhnlich, denn normalerweise greift sie eher zum Telefon. Ein paar Sekunden später tönte Tante Heidis Stimme aus dem Lautsprecher. "Gretekind, wo warste denn. Wieder Rauchen, ne! Du sollst doch an deine Gesundheit denken. Grete, ich seh dich ja gar nicht. Günther, siehst das Kind? Nu komm doch mal her. Irgendwas stimmt da wieder nich." 
Grete amüsierte sich köstlich. Es sah aber auch zu lustig aus, wie Onkel Günther hektisch mit den Armen fuchtelte und Tante Heidi völlig konsterniert in die Kamera blickte. Sie klickte mit der Maus auf das Videosymbol. "Huhu Tante Heidi, sieht du mich jetzt? Die Kamera war nicht eingeschaltet!" Sichtlich erleichtert nickte Tante Heidi. "Ich hatte schon Angst, dass dieses Dingens nicht funktioniert. Ja, ich seh dich. Günther, nu wink doch mal dem Kind!" Eine Hand bewegte sich auf dem Bildschirm hin und her. "Tach, Gretekind. Hier ist der Onkel Günther!" Ach ne ... Grete schmunzelte. "Hallo Onkel Günther. Geht es euch gut?" Diese Frage hätte sich die Grete besser verkniffen. Ein Wortschwall prasselte auf sie nieder. Von beiden. Gleichzeitig. Scheinbar hatten sie noch immer nicht begriffen, dass es besser für die Verständigung ist, wenn nacheinander gesprochen wird. Grete wusste aber, wie sie sich in so einem Fall verhalten musste. Sie nickte einfach ein paarmal. Warf einige Ahs und Ohs und ab und an ein "AchdulieberGott" dazwischen, und wartete geduldig, bis Tante Heidi und Onkel Günther sichtlich erschöpft ihre Tiraden beendet hatten. "Das wird schon wieder", sagte sie dann beruhigend. Obgleich sie nicht so genau wusste, was denn wieder werden soll. Denn mehr als Schmerzen im Knie, in der Hand, im Kopf, im Bauch und etwas über komische Flecken auf dem rechten Fuß hatte sie eh nicht verstanden. 
"Das sagst du so einfach. Die Cousine von der Schwägerin unserer Nahbarin, also ich kann dir sagen ..." Grete unterbrach Tante Heidi. "Aber deswegen rufst du doch nicht an, oder?"
Irritiert blickte Tante Heidi in die Kamera. "Nee, Gretekind. Deswegen nicht. Güüünther, warum haben wir die Grete angerufen?" Jetzt erschien Onkel Günthers Gesicht riesengroß auf dem Bildschirm. "Deine Tante ist ja sowas von vergesslich in letzter Zeit. Die vergisst noch ihren eigenen Kopp. Gretekind, was machste nächsten Sonntag?"
Grete zuckte zusammen. Nicht die auch noch. Warum in aller Welt will plötzlich jeder wissen, was ich am Sonntag mache? Erst der Heinevetter und jetzt ... "Ich bin nicht da. Und jetzt muss ich aufhören. Es ... es ...". Grete stotterte. "Es klingelt an der Tür. Tschüssi also!" Ehe Onkel Günther noch etwas sagen konnte, klickte die Grete ihn weg. Erleichtert starrte sie auf den Bildschirm. "Grete, du bist so bescheuert", wisperte ein Stimmchen in ihrem Kopf. "Warum sagst nicht einfach, dass du mit dem Holzmann verabredet bist. Ist doch nix dabei. Ein Spaziergang mit einem Nahcbarn. Mehr nicht!" 
"Von wegen nix dabei", raunte eine andere Stimme. "Geht keinen was an, wer weiß was die sich dann so alles zusammen dichten. Vor allem der Heinevetter. Und überhaupt, der will dann vielleicht noch mitkommen. Das fehlt gerade noch!" Gretes Hand glitt automatisch zur Zigarettenschachtel. Ein Blick zur Balkontür. Mist, Herr Heinvetter stand noch immer draußen. Also in der Küche rauchen. 
Doch noch bevor die Grete sich eine Zigarette aus der Packung nehmen konnte, klingelte es an der Tür. Grete stand auf, ging auf den Flur und öffnete. Vor ihr stand Marie und strahlte sie an. "Ma Gretee, was maachst du am Sonntag?"




 

Dienstag, 7. Juli 2015

Das Fräulein Grete Meier steht auf dem Schlauch

Das Fräulein Grete Meier steht auf dem Schlauch 

Das Fräulein Grete Meier stand am Rand des hauseigenen Gartens auf dem Rasen, beschattete mit den Händen ihre Augen und starrte auf das Holzgartenhaus, welches sich am Ende des Grundstückes befand. Was wollte der Kerl? Warum winkte er ihr ständig zu? Der wird doch wohl nicht ... Gretes Gedanken überschlugen sich. Nicht nur, dass seit einer halben Stunde eine Kreissäge ihren wohlverdienten freien Nachmittag zu einem Martyrium gestaltete - nein. Jetzt auch noch der Holzmann. Eigentlich war sie nur heruntergekommen, um bei den Nachbarn nachzufragen, wie lange dieses ohrenbetäubende Kreischen denn wohl noch gehen soll. Doch kaum hatte sie ein paar Schritte auf den Rasen gesetzt, um Richtung Nachbarzaun zu gehen, hatte sie den Holzmann erblickt, der irgendwas in ihre Richtung rief, was sie natürlich ob des Lärmes nicht verstehen konnte. Wie angewurzelt war sie stehen geblieben. 
Und dort stand sie noch immer. Und starrte. Auf den Herrn Holzmann. Der schon wieder wild gestikulierte. Endlich fasste sie sich. "Was´n los", brüllte sie gegen den Lärm an. Rudernde Arme waren die Antwort. Grete bewegte sich nicht vom Fleck. Der will doch wohl jetzt nicht, dass ich zu ihm hinkomme. Womöglich muss ich mich auch noch mit ihm unterhalten. Grete kochte. Nee, mein Freundchen mit mir nicht. Die Tulpen vor ein paar Wochen waren schon zuviel für sie gewesen. Und erst neulich hatte er ihr, als sie gerade ins Büro wollte, hinterhergerufen, dass ihm ihr Kleid gefiele. Aber das hatte er einen Tag später auch zu Marie gesagt. Grete hatte es von ihrem Balkon aus, ganz genau gehört.
Kleid, Kleid, Kleid. Natürlich ist das Kleid gefällig. Ist ja auch neu. Und steht mir wie ne Eins.Vielleicht sollte ich, so aus reiner Freundlichkeit ... Grete hob den Arm und winkte. Herr Holzmann rief wieder etwas und winkte zurück. Naja, weniger zurück, als eher die Grete zu sich hin. Also nee, dachte die Grete. Kaum reicht man einem Mann mal den kleinen Finger, werden sie gleich übermütig. "Ich hab keine Zeit, für ein Schwätzchen", schrie sie. "Und schon gar nicht mit dir, du du, Schürzenjäger!" Den letzten Satz murmelte sie allerdings nur vor sich hin. Sie hätte ihn auch schreien können, denn die Säge lief immer noch. 
Ja, was ist das denn? Jetzt will er mich wegscheuchen? Anders waren nun die Armbewegungenvon Herrn Holzmann wohl kaum zu deuten. Echt jetzt, mit mir nicht. Ich bleib hier stehen, so lange ich will. Was denkt der sich denn. Grete zuckte zusammen als Herr Holzmann sich plötzlich in Bewegung setzte. In ihre Richtung. Haargenau auf sie zu. Grete machte vor lauter Schreck einen Schritt rückwärts. Ihr rechter Fuß blieb hängen, sie stolperte und viel der Länge nach hin. Auf den Allerwertesten.

"Ma Gretee, mon dieu, wie schreeckliich! Ast du dich weegetan?" Marie beugte sich vor und tätschelte Gretes Hand. Grete lachte. "Nee, nee, halb so wild. Is nix passiert. Zumindest nicht meinem Hinterteil. Ich bin nur pudelnass geworden. Herr Holzmann übrigens auch." 
Aus Maries Augen leuchteten hunderte Fragezeichen."Naas? Warum, ma Gretee? Und wo war da ein Püdel?" 
Zuerst verstand Grete die Frage nicht, dann ging ihr ein Licht auf. "Kein Pudel, also kein Hund. Das sagt man nur so, wenn wann so richtig nass wird, So, dass die Tropfen fliegen, wenn man sich schüttelt. Eben wie bei einem nassen Pudel." Ob Marie es jetzt verstanden hatte? Grete war sich nicht so ganz sicher. "Ist auch egal. Also, der Holzmann wollte mir die ganze Zeit zu verstehen geben, dass ich auf dem Gartenschlauch stand. Er hatte nämlich gerade angefangen den Rasen zu bewässern. Nur, durch den Lärm der Säge, konnte ich nichts verstehen. Also hat er es versucht mir mit Handzeichen begreiflich zu machen. Das habe ich aber auch nicht begriffen. Und als ich gestolpert bin, eben über den Schlauch, ist das Wasser wie eine Fontäne herausgeschossen direkt auf uns. Herr Holzmann hatte den Schlauch ja abgelegt als er auf mich zu kam. Wie eine wildgeworden Schlange ist das Teil über den Rasen getanzt. Ganze 5 Minuten hat es gedauert, bis wir das Ding im Griff hatten." 
Grete goss Eiskaffe in zwei Gläser, dekorierte sie mit einem Schirmchen und stellte ein paar Haferflockenkekse dazu auf den Tisch. Marie nahm einen Schluck. "Oh ma, Gretee... so gut!" Dann kicherte sie. "Ma Gretee stand auf dem Schlauch ... und wird naas wie eine Püdel!"
Wie sehr die Grete allerdings tatsächlich auf dem Schlauch gestanden hatte, das behielt sie lieber für sich. Auch, dass sie sich bei Herrn Holzmann im Badezimmer abgetrocknet hatte. Und das Glas Wein anschließend ... am hellerlichten Tag ... na, Marie musste ja nicht alles wissen.





 

 

Dienstag, 23. Juni 2015

Von abendlichen Gedanken und einem Kinderhasser

Von abendlichen Gedanken und einem Kinderhasser 

"Wo das alles noch hinführen soll ... na, ich weiß nicht." Das Fräulein Grete Meier zupfte wahllos Blüten aus ihren Geranien. "Aber egal, ich geh jetzt erstmal rein und mache mir ein Butterbrot." Sie nickte Herrn Heinevetter noch kurz zu und verließ den Balkon Richtung Küche.
Während die Grete ihr Abendbrot zubereitete, dachte sie kurz daran, das Lieschen per Skype anzurufen. Dann fiel ihr aber ein, dass diese mit ihrem Herrmann für drei Tage verreist ist. Nach Prag dieses Mal. Das machten die zwei öfter. Städtereisen. Insgeheim beneidete die Grete ja das Lieschen darum. Aber wirklich nur insgeheim. Und nur ein kleines Bisschen. Sagen würde sie das aber nie. Denn im Grunde wusste die Grete gar nicht so genau warum. Wegen der Zeit, die die beiden dafür haben, weil Herrmann ja schon in Rente ist, oder darum, dass Lieschen eben nicht alleine ist. Jedenfalls, Lieschen stand zur Zeit nicht für einen Schwatz zur Verfügung. Und mit Herrn Heinevetter hatte sie ja nun schon alles durchgekaut, was ihr heute so auf der Seele brannte. Immerhin, er war ausnahmsweise mal der gleichen Meinung wie sie gewesen. Zumindest bei dieser einen Sache.
Grete biss in ihr Schinkenbrot. So ganz ließ sie der Gedanke an diesen Zeitungsartikel dann eben doch nicht los. Kinderhasser hatte es in der Überschrift geheißen. So ein Blödsinn. Wo der Mann doch selber Kinder hat. Und auch wenn er nicht bereits Vater wäre, wegen so etwas ist man kein Kinderhasser. Nur weil man in seinem eigenen Restaurant einen Teilbereich zur kinderfreien Zone erklärt hat. Wohlgemerkt wirklich nur einen Teilbereich. Und dazu noch einen, der geradezu einlädt, sich zurückzulehnen und den Alltag mal draußen zu lassen. Mit Liegestühlen und son Kram. 
Natürlich ist man über den Besitzer hergefallen. Wie er denn nur könnte, Kinder wären das Wichtigste überhaupt ... usw.  Dabei haben Sie nicht berücksichtigt, dass alles anderen Bereiche des Gastronomiebetriebes sogar sehr kinderfreundlich eingerichtet sind. Erstmal druff... volle Kanne.
Der Mann hat nichts gegen Kinder ans sich, wie er betont. Er hat nur etwas gegen Eltern, die es nicht schaffen, ihren Kindern die einfachsten Höflichkeits- und Benimmregeln beizubringen. Grete ist da ganz bei ihm. Wie oft hatte sie es schon erlebt, dass in Restaurants und in Biergärten, Kinder über Stühle und Bänke springen, laut kreischen, andere Gäste ärgern, und die Eltern währenddessen seelenruhig an ihrem Wein nippen und ihre Pasta essen. So manches Mal hatte sich die Grete da schon gewünscht, der Kellner würde die Bande rausschmeißen. 
Grete schüttelte wieder und wieder den Kopf. Kinderhasser! Wattn Quatsch. Ein Kompromiss isses, mit dieser kinderfreien Zone. Und ein guter und diplomatischer, findet die Grete. So kann jeder wie er will. Naja, fast zumindest. Liegestühle is eben nich. Aber, dachte die Grete belustigt, man kann eben im Leben nicht alles haben. Ist so ähnlich wie mit dem Lieschen. Die hat zwar den Herrmann und ihre Reisen, aber wenn das Fräulien Grete Meier ganz in sich geht ... ohne ihre Arbeit, das Büro, den Chef und ihre tolle Hausgemeinschaft und das tägliche Schwätzchen mit Herrn Heinevetter, wäre sie ganz sicher nicht so ein zufriedener Mensch. Nur der Holzmann, auf den könnte sie gut verzichten. Ne, Grete, auf den ganz bestimmt! Wo der doch so undurchsichtig ist ...








Dienstag, 5. Mai 2015

Von Begegnungen der seltsamen Art

Von Begegnungen der seltsamen Art

Ein freier Tag. Einfach so. Zwischendurch. Da machte es überhaupt nichts, dass die innere Uhr nicht darauf eingestellt gewesen war. Zumal bereits die Sonne schien und das um 6.00 Uhr morgens. Das Fräulein Grete Meier stand auf ihrem Balkon und streckte sich. Arme hoch, Drehung nach links und rechts, dazwischen kleine Seufzer der Zufriedenheit. Vielen Dank lieber Chef, dachte die Grete. Der Tag kommt mir genau richtig. Sie zog ihren Bademantel etwas fester und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, die von der Nacht noch reichlich zerzaust aussahen. Grete sah die Straße hinunter. An der Bushaltestelle war wesentlich mehr los als sonst. Kein Wunder, die Bahn streikt ja mal wieder. Weit hinten näherte sich langsam der Müllwagen. Grete beugte sich über das Geländer, um zu prüfen, ob Herr Heinevetter die Tonnen an die Straße gestellt hatte. Manchmal vergisst er das nämlich in letzter Zeit. "Das ist eben das Alter, Frau Meier, da kann man nix machen. Und solange ich nicht vergesse wie sie heißen ... ist doch alles in Butter!" Dabei hatte Herr Heinevetter verschmitzt gegrinst.
Die Tonnen standen akkurat an der Straße und das Fräulein Grete Meier nickte zufrieden. Auf einer der großen Wertstofftonnen saß eine dicke, rötlich-weiß getigerte Katze und schnupperte hingebungsvoll an der Klappe. Der Inhalt der Tonne wirkte scheinbar so betörend auf das Tier, dass es verzweifelt versuchte die Klappe zu öffnen. Was natürlich zum Scheitern verurteilt war, denn sie saß ja drauf. Aufgeben war aber wohl nicht drin. Das Fräulein Grete Meier amüsierte sich königlich, denn die Katze verrenkte sich derart,  dass sie immer wieder herunterfiel, wieder hinaufsprang und in allen erdenklichen Positionen versuchte, ihr Ziel doch noch zu erreichen. Bis der Müllwagen dem Spielchen ein Ende bereitete.
Die Kaffeemaschien piepte im Hintergrund und die Grete holte sich eine Tasse des belebenden Heißgetränkes. Eine Zigarette dazu und der Tag wurde gleich noch ein klein wenig schöner. Mittlerweile war der Bus gekommen und die Haltestelle verwaist. Die Straße lag ruhig da, der Müllwagen war weg, kein Auto zu sehen. Die Vögel zwitscherten um die Wette. Früh morgens ist die Welt eben noch in Ordnung. Und dennoch ... die Grete hatte plötzlich ein komisches Gefühl. So, als ob sie von jemandem beobachtet würde.
Sie stellte die Kaffeetasse ab und beugte sich über das Geländer. Ja also, was war das denn. Grete zuckte zurück. Der Holzmann. Was fällt dem denn ein. Steht auf seiner Terasse und schaut zu mir hoch. Fluchtartig verließ die Grete den Balkon und warf die Tür zu. Auf dem Weg in ihre Küche blieb sie im Flur vor dem Spiegel stehen. Mist, jetzt steht der Kaffee draußen, ärgerte sie sich. Aber nochmals rausgehen wollte sie auf gar keinen Fall. Zumindest nicht im Bademantel und mit den Haaren. Was der Holzmann wohl gedacht haben mag? Sie zubbelte ein paar Strähnen zurecht. Grete, da hilft nur eine Dusche und der Lockenstab. Und überhaupt, einen neuen Bademantel könnteste dir auch mal zulegen, der hier hat auch schon bessere Tage gesehen. Wo der Holzmann doch immer so fein angezogen ist. 
Ein wenig war die Grete verwirrt. Herr Gott nochmal, was machste dir denn Gedanken über den Holzmann? Wen interressiert schon, was der denkt? Mich jedenfalls nicht! Ganz bestimmt nicht. Und die Kaffeetasse ... na, die kann noch warten. Erst mal ins Bad. 





Dienstag, 17. Februar 2015

Von Pappnasen und einem Mäuseschreck

Von Pappnasen und einem Mäuseschreck

Missmutig stand das Fräulein Grete Meier vor ihrem Badezimmerspiegel und betrachtete ihr Gesicht darin. "Reichlich lädiert, schauste aus, Madam!" In weiser Voraussicht gab ihr der Spiegel keine Antwort. Denn er hätte ihr wohl leider recht geben müssen. Das fröhlich bunt geschminkte Clownsgesicht, mit dem die Grete morgens in das närrische Treiben gestartet war, hatte sich im Laufe des Tages in eine mehr oder minder gruselige Fratze verwandelt. Das Rot auf den Wangen - verschmiert. Die Lippenfarbe ebenso. Die schwarz und weiß umrandeten Augen  - nur mehr Höhlen, umgeben von einem Graugemisch. Gretes Nase triefte und sie musste niesen. Zum wiederholten Male. Die rote Pappnase hatte sie längst in dne Müll geworfen. Grete griff nach einem Papiertaschentuch und schneuzte sich. Warum muss mir das auch immer passieren, dachte sie genervt. Und dann läuft mir auch noch der Holzmann über den Weg. Ausgerechnet der. Wie kann man nur Holzmann heißen. Blöder Name. G. Holzmann. Wofür das G wohl steht? Grusel Holzmann. Ja, das könnte passen. Grete lachte laut auf. Grusel passt auch zu dir, Grete. So wie du aussiehst. 
Energisch drehte die Grete den Wasserhahn auf und schnappte sich die Packung mit den Ölüchern. Das Zeug musste runter, und zwar sofort. Ganz so einfach war das Abschminken dann doch nicht, denn die Grete musste immer wieder niesen. Und ihre Augen tränten in einem fort. Dennoch, nach einer halben Stunde war dei Säuberungsaktion abgeschlossen. Ungeschminkt, bewaffnet mit einer Packung Zewa als Taschentuchersatz und der obligatorischen Zigarettenpackung, in T-Shirt und einer ausgeleierten Jogginghose und mit einer dicken Schicht Vaseline im Gesicht, verzog sich die Grete auf ihren Balkon. Natürlich dauerte es keine zwei Minuten bis sich die Balkontür von Herrn Heinevetter ebenfalls öffnete."Jesses, Fau Meier, wie sehen sie denn aus! Zu viel Schnaps, wa?" 
Grete lachte. "Nee, kein Schnaps ... Katze!" 
"Katze ... Katze?" Herr Heinevetter war sichtlich verwirrt. "Was für ne Katze. Hier gibt es keine Katzen und sie waren doch den Karnevalsumzug gucken. Werfen die jetzt statt Kamelle kleine Katzen?"
"So ähnlich", antwortete die Grete, sichtlich amüsiert über die großen Fragezeichen, die vor Herrn Heinevetters Augen tanzten. "Ein dicker fetter Kater ist mir direkt auf den Arm gesprungen. Hat sich wohl erschreckt, als jemand direkt vor uns einen Konfettiböller zündete. Und da blieb er dann auch, Krallte sich in meiner Schulter und an der roten Perücke fest. Gezittert hat das arme Tier wie Espenlaub. Also, was sollte ich denn machen. Als dann die Musikkapelle anfing zu spielen, zerfetzte das Tier meine schöne rote Pappnase. Ich hatte nicht den Hauch einer Chance. Dann kam die große Pauke und keine Minute später stand ich ohne Perücke da. Ich kann ihnen sagen, sowas von peinlich." Grete griff sich in die Haare, die sie nur notdürftig wieder hergerichtet hatte. "Es gibt nix Schlimmeres, als die Frisur unter einer Perücke."
"Naja", versuchte es Herr Heinevetter. "Dieses Zeugs da in ihrem Gesicht ist aber auch nicht ohne ..." Dabei konnte er sich ein leichtes Grinsen kaum verkneifen.
"Ach Papperlapapp, das ist gut für die Haut. Diese ganze Karnevalsschminke ist doch Billigkram. Da hat die Haut nachher etwas Erholung verdient. Und außerdem, hier sieht mich ja keiner!" 
Es kribbelte in Gretes Nase und das, was Herr Heinevetter erwiderte ( Soso, ich bin also keiner!), ging in einer lauten Niesattacke unter. Immerhin ging ihm jetzt ein Licht auf. "Ah, jetzt verstehe ich endlich ... ihre Katzenallergie. Deshalb dieses Niesen und Schniefen."
Grete rieb sich die Augen, die gerade fürchterlich juckten. "Ja, meine Allergie. Habs, nach dem das fette Katzenvieh endlich weg war, nicht mehr lange ausgehalten und bin nach Hause. Ich sah ja fürchterlich aus. Nee, nee, so sollte mich nun keiner sehen."
Dass ihr dann ausgerechnet der Holzmann vor der Haustür begegnen musste, das erwähnte sie allerdings nicht. Warum, wusste sie selber nicht genau. Wo sie doch sonst alles Herrn Heinevetter erzählt. Aber irgendwie war ihr diese Begegnung mit dem neuen Nachbarn, der ja auch ihr Vermieter ist, peinlicher als alles andere gewesen. Und wie der erst gegrinst hatte bei Gretes Anblick. Immerhin, eines musste die Grete ihm zu Gute halten - gesagt hatte er zu ihrem prikären Zustand nichts. Hatte ihr sogar noch galant die Tür aufgehalten. Eigentlich doch ganz nett, dachte die Grete und zog verträumt an ihrer Zigarette.