Dienstag, 14. Januar 2014

Das Fräulein Grete Meier und ihr Unwort

Das Fräulein Grete Meier und ihr Unwort

Ja, auch das Fräulein Grete Meier hat es. Und sogar eines, das ganz allein ihr gehört. Das Unwort des Jahres. Allerdings ist es immer dasselbe. Jedes Jahr. Und es taucht immer zur gleichen Zeit auf. Nämlich in den ersten zwei Januarwochen. Immer dann, wenn das Thema Urlaubsplanung ansteht. Dafür ist die Grete nämlich im Büro verantwortlich. Der Chef zeichnet nur ab. "Frau Meier", sagt er stets, "Frau Meier, ich verlass mich da ganz auf sie. Hauptsache, die Abteilungen sind immer besetzt."
BRÜCKENTAGE - Ein Wort, dass der Grete schon Tage vorher schlaflose Nächte bereitet. Denn da will jeder irgendwie frei haben. Schon Anfang November taucht das Wort in diversen Zeitungen auf: "Wie nutzt man die Brückentage am besten" oder "Wie macht man aus dreissig Urlaubstagen durch Brückentage zweiundvierzig"
Ist ja alles schön und gut. Wertvolle Tipps. Aber in der Praxis kaum umzusetzen. Weil jeder sie haben will. Die zweiundvierzig Urlaubstage. So wie jeder an Ostern,  Karneval und zwischen Weihnachten und Neujahr frei haben möchte.
Und wie jedes Jahr, lagen schon die ersten Urlaubsanträge am zweiten Januar bei der Grete auf dem Schreibtisch. Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Pustekuchen. Aber nicht bei der Grete. Die führt seit Jahren ganz genau Buch, wer - wann und wie oft - solche Brückentage in Anspruch genommen hat. Und obwohl jeder in der Firma darum weiß ... versuchen kann man es ja. Und wenn die Grete einen Antrag ablehnt, dann wird gebettelt und diskutiert was das Zeug hält. Als ob die Grete nicht schon genug damit zutun hätte alles zu koordinieren. Denn auch so ergeben sich manch Reibereien. Die heute vormittag sogar dazugeführt haben, dass Susi heulend vor der Grete stand.
"Wirklich, Frau Meier, es geht um mein Leben", schluchzte sie. "Ich muss über Ostern frei haben. Ich will doch mit Simon zusammen in den Urlaub fahren!" Die schwarze Wimpertusche kroch langsam ihre Wangen herab.
Ungerührt drückte ihr die Grete ein Taschentuch in die Hand. "Susi, das geht nicht. Du hast in den Herbstferien schon zwei Wochen frei. Der Simon auch. Dann müsst ihr eben in der Zeit zusammen wegfahren. Ihr seid beide noch in der Ausbildung. Könnt also nur wegen der Schule in den Ferien Urlaub nehmen. Und du hattest letztes Jahr über Ostern Urlaub. Dieses Jahr ist Kollege Wirtz dran, der hat letztes Jahr über die Ostertage gearbeitet. Und kann nicht tauschen, weil er geplant hat, zu seiner Silberhochzeit mit seiner Frau eine Schiffsreise auf der Aida zu machen. Ähnlich sieht es in der Werbeabteilung aus. Simon muss in den Osterferien Urlaub nehmen. In den Sommerferien kann er nämlich nur zwei Wochen frei machen, da sein Chef in die USA reist, auf ein Seminar. Und die Abteilung muss mindestens mit drei Leuten besetzt sein, damit der Betrieb einwandfrei läuft. Das weißt du doch!" 
Jetzt heulte Susi noch lauter. "Bitte, Frau Meier, wenn der Simon alleine fährt ... wer weiß was da alles passiert. Sonne, Strand, andere Frauen ... " Der Rest ging im Geheule unter.
Grete platzte der Kragen. "Mädchen, nun krieg dich mal wieder ein. Wo ist denn dein Vertrauen? Wenn der Simon was mit einer anderen anfangen will, dann kann er das auch während der Mittagspause machen. Dafür braucht der keine Sonne und keinen Strand. Jetzt geh mal in den Waschraum und wisch dir die Tusche aus dem Gesicht. Wenn der Simon dich nämlich so sieht, dann ... !
Was dann ist, wollte die Susi wohl nicht mehr so genau wissen, denn sie drehte sich sofort um und verschwand in Richtung Waschraum. Nicht ohne noch "Sie sind ja so gemein" zu murmeln.Was die Grete geflissentlich ignorierte. Denn dass die Susi es damit nicht ernst meinte, dass weiß die Grete ganz genau.  





Kommentare:

  1. Wie muss ich mir das vorstellen? Lebt man an einem "Brückentag" auf oder unter einer Brücke? Quasi aus Solidarität mit den Clochards?

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    1. Diese Definition wäre eine Überlegung wert.
      Gruß vonner Grete

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  2. So´n Stress zu einem eigentlich schönen Thema, das doch Erholung bringen soll - der Grete bringt´s Brückentagsurlaubswünsche, die sie nicht alle erfüllen kann...
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Und wenn doch, dann zu Lasten anderer .... und sowas macht die Grete eben nicht. Wie heißt es so schön ..wie man es auch macht, man macht es falsch ...
      Danke dir fürs Vorbeiradeln..
      Gruß vonner Grete

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  3. Brückentage, sie werden ja so geliebt, und die Grete bleibt konsequent lässt sich auch von Tränchen nicht beeindrucken, ja so isset, man kann es niemanden recht machen.
    War mir ein Vergnügen, Marie-claire

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    1. Dito liebe Marie-Claire ... freue mich, dich hier zu lesen.
      Gruß vonner Grete

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  4. Ich arbeite immer an den brückentagen: Als studentische Urlaubsvertretung sind das wenigstens tage, die ich immer super vorher einplanen kann. Und im büro ist dann auch immer recht wenig los.
    Aber klar, die planung für alle anderen ist im vorfeld echt nervig. Meine chefin ist auch immer sehr am ende, wenns ums jonglieren geht.
    Liebe Grüße

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    1. Dann weiß deine Chefin also genau, wovon die Grete spricht. Eine gute Planung ist das A und O, damit ein Betrieb läuft. Ein zusätzlicher Krankheitsfall mehr und alles steht still.
      Danke dir.
      Gruß vonner Grete

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  5. gretchen, so ist das aber tatsächlich und du willst dich schuldig machen wenn simon
    "fremd" geht?
    das würde ich mir aber ganz schnell überlegen und susi die urlaubstage geben.

    ;-)))

    geh nochmals in die.

    lg eva

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  6. Antworten
    1. Lach ... ob die Grete jetzt wohl noch schlafen kann?
      Gruß vonner Grete liebe Eva.
      P.S: Ich freue mich übrigens, dass über deine Seite so einige hier vorbeischauen.

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  7. In unserem Betrieb ist Brückentag kein Thema, wenn jemand frei nimmt - hat er frei, Gott sei Dank ;O) Aber das hängt natürlich von der Betriebsart ab, überall geht das nicht - und wenns gerecht zugehen soll, kann man auch auf Krokodilstränen keine Rücksicht nehmen ;O)
    Ich bin deiner Meinung,
    Doris

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    1. Klasse, wenn das so geht. Vielen Dank für deinen Kommentar dazu.
      Gruß vonner Grete

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  8. wann - wer - wie oft"...kichert Angel, oh...! ich versteh das Frl.Grete ganz genau, auch wie sie was meint ohne zu hinterfragen, denn Frl.Grete drückt sich überaus deutlich aus, - nicht manchmal in reinen Metaphern (wie ich) - nochmal kichern....hab anscheinend heut meinen kichrigen Tag....
    ähm, was ich damit sagen wollte, ist:
    der beitrag hat mir sehr gut gefallen und über die Brückentage, wann - wo - wer - wie oft sie anfallen oder genommen werden sollen, oder dürfen...? ohjeee.da verfrans ich mich ja schon wieder....
    ich glaub
    wir verstehen uns....
    und danken...für die gegenseitigen Gedanken die den Weg auf*s Papier finden...
    über Brückentage oder egal was, ich les das Frl.Grete sehr gerne...

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    1. Ich kicher gerade beim Lesen mit dir, liebe Angel .. danke dafür.
      Gruß vonner Grete

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  9. Es ist alles sehr kompliziert geworden, da der Urlaub in Kleinstteile zerschnitten wird, aus wenig ganz viel machen und so ist es oft nicht einfach allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Früher gab es Betriebsferien im Sommer war drei Wochen alles dicht, aber heute ist es anders geworden. Ich mag es wie das Frl. Grete damit umgehen kann, resulut und bestimmt so soll es sein punktum.... Gern gelesen LG Geli

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    1. Hach Geli ... Betriebsferien. Das kenne ich nur von den großen Autoherstellern. Gibt es dabei wohl heute auch nicht mehr. Ich stelle mir gerade vor (Achtung: Reallife) :
      Die Banken machen drei Wochen dicht ...
      Danke dir.
      Gruß vonner Grete

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  10. *lach* das Problem haben wir in der Firma nicht. Im Gegenteil ... gibts einen Feiertag in der Woche, dann müssen wir noch zusätzlich Samstag arbeiten. So einfach ist das! ;)
    Und darum freuen wir uns auch auf jeden Feiertag, der auf einen Sa. oder So. fällt ;o)

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    1. Sowas gibt es auch? Die Feiertage sind doch gesetzlich. Ich hoffe, dass sind dann wenigstens Überstunden.
      Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...