Dienstag, 21. April 2015

Von einem Armbruch und göttlicher Speise

Von einem Armbruch und göttlicher Speise

Auch wenn es nicht zum Lachen war, das Fräulein Grete Meier konnte nicht anders. Sie musste lachen. Auch noch Stunden später. Und das, obwohl sie die Konsequenzen tragen muss. Zumindest für die nächsten vier Wochen. Denn so lange würde die Berta Kalt in der Firma ausfallen. Was nicht weiter tragisch wäre, wenn die Grete vom Wareneinkauf etwas mehr Ahnung hätte, als ein Stallhase von Ostern. Hatte sie aber nicht. Und dennoch, sie musste lachen. "Ich sag ihnen, Herr Heinevetter, das muss ein Anblick für die Götter gewesen sein!" Grete kicherte und steckte sich eine Zigarette in den rechten Mundwinkel. "Steigt die Berta vor ihrer Haustür aus dem Auto aus, tritt mit dem Absatz des rechten Schuhs in den Umschlag des linken Hosenbeines, bleibt hängen und kippt um wie ein gefällter Baum. Und nu isser gebrochen. Direkt am Ellbogengelenk. Nee, das hätte ich zu gern gesehen."
Herr Heinevetter starrte die Grete entgeistert an. "Und das finden sie lustig? Die Ärmste. Die hat doch bestimmt starke Schmerzen. Also nee, Frau Meier. Echt jetzt!"
Gretes breites Grinsen fror fest und blieb schief in ihrem Gesicht hängen.Jetzt schämte sie sich fast ein bisschen. Allerdings nur für eine Minute. "Ach, was wissen sie denn schon. Natürlich ist das lustig. Vor allem, weil sie sich in letzter Zeit ständig darüber lustig macht, dass ich Schuhe ohne Absatz trage. Dabei wusste sie bis vor ein paar Monaten selber nicht, dass es so etwas überhaupt gibt.  Erst seit sie diesen Typen da in einer Tanzbar kennegelernt hat, trägt sie diese Dinger mit den spitzen Pfennigabsätzen. Und stolziert damit wie ein Pfau durchs Büro. Zigmal ist sie schon gestolpert. Berta, habe ich zu ihr gesagt, Berta, eines Tages wirst du dir noch die Haxen brechen. Und ich hab recht gehabt. Aber sowas von." Triumphierend sah die Grete ihren Nachbarn an, der immer noch den Kopf schüttelte. "Trotzdem!"
"Was trotzdem! Nix trotzdem!" So langsam wurde die Grete ärgerlich. Doch gerade, als die Grete zu einer weiteren Tirade ansetzen wollte, knallte es. Hinter ihr, in ihrer Wohnung. So laut, dass beide zusammenzuckten. "Kleine Sünden ...", murmelte Herr Heinevetter, aber das hörte die Grete schon nicht mehr.
Hastig drückte diese ihre Zigarette aus und eilte ins Wohnzimmer. Alles ruhig. Alles an seinem Platz. Auch der Fernseher lief noch. Ebenso ihr Computer. Grete ging in die Küche. "Was um alles in der Welt ...! Yessas Maria, die Götterspeise!"

Zwei Stunden später saß die Grete fix und fertig, mit hochrotem Kopf und total verklebt auf dem Badewannenrand und heulte. Neben ihr stand Herr Heinevetter am Waschbecken und sah nicht minder verklebt und beschmiert aus. "Das ist aber auch ein Sauzeug, Frau Meier. Nu hörense schon auf  zu knatschen. Ist doch nix passiert."
"Nix passiert, nix passiert? Alles ist verklebt und die Wand ist grün. Die muss ich streichen. Und die schöne Schüssel von Tante Heidi ist auch hin." Grete schluchzte und schluchzte.
"Na, nu kommense mal wieder runter. Wir haben doch alles saubergemacht. Gestrichen ist die Wand schnell und so eine Schüssel lässt sich doch ersetzen. Ein Beinbruch ist das nun nicht!" Herr Heinevetter reichte der Grete ein Papiertuch. "Ich gehe jetzt rüber, duschen. Das sollten sie auch tun. Und den Rest macht die Waschmaschine." Jetzt konnte sich Herr Heinevetter ein Lachen nicht verkneifen." Ernsthaft, selbst ich weiß ja, dass man in eine Glasschüssel kein kochendes Wasser gießt. Das ist sowas von dumm. Wo das grüne Zeug aber auch überall gelandet ist, sogar auf der Lampe.  Sagense mal, wieviel Päckchen waren das denn überhaupt?"
"Vier", gab die Grete kleinlaut zu. "Ich ess das grüne Wabbelzeug halt gern! Und weil es soviel war, musste ich eine große Schüssel nehmen. Und da hab ich halt nur die eine."
"Wir haben zwei Liter Wackelpudding weggeputzt?" 
Ein feines Lächeln schlich sich in Gretes Gesicht. "Im wahrsten Sinnde des Wortes. Und nicht ein Löffelchen ist im Magen gelandet!"








Kommentare:

  1. Ach Grete, es ist zwar nicht zum Lachen - aber ich tat es trotzdem.
    Hätte euch gern gesehen, beschmiert mit dem grünen Zeug, das ich auch
    für mein Leben gern esse.
    Das Bild von dem "gefallenen Mädchen" hatte ich auch gern gesehen. Es muss
    erlaubt sein, dass man darüber auch mal lacht.
    Einen guten Abend wünscht dir
    Irmi

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  2. Zwei Seelen - ein Gedanke - wie schön ist das ...... ♥

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  3. Ja,ja wer den Schaden hat... So kanns gehen,das Leben halt.
    Liebe Grüße Pippi

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...