Donnerstag, 21. November 2013

Von einem etwas anderen Mittwochskaffee

Von einem etwas anderen Mittwochskaffee

"Lieschen", hat das Fräulein Grete Meier Dienstagabend am Telefon gesagt, "Lieschen, morgen kommste mal zu mir zum Kaffee. Ich backe Apfelkuchen mit Schmand, nach Tante Heidis Rezept. Und Haferflockenkekse. Jede Menge. Schnittchen gibt es natürlich auch. Was sagste dazu?"  Lieschen reagierte prompt. "Grete, dir isses mittlerweile zu kalt, stimmts? Also zum Rauchen draußen vor dem Café." 
Die Grete gab das sofort zu. Was anderes hätte ihr auch schlecht zu Gesicht gestanden. Erstens lügt die Grete nicht, sie flunkert nur im Notfall mal, und zweitens weiß sie genau, wie gut das Lieschen sie kennt. Da würde eine Lüge eh nicht viel nützen. Die Einzelheiten waren dann schnell geklärt. Lieschen würde mit der Bahn kommen und Grete würde sie abends nach Hause fahren. Lieschen wäre auch mit der Bahn zurück gefahren, denn sie fährt gerne damit, aber das wollte die Grete auf keinen Fall.
Nach dem Telefonat ist die Grete sofort in die Küche. Erst den Apfelkuchen oder die Kekse? Ein Blick auf die Uhr und die Grete entschied sich für den Apfelkuchen. Die Äpfel waren fix geschält und keine halbe Stunde später konnte die Grete den Kuchen in den Ofen schieben. Schnell noch die Eieruhr gestellt und dann ab zu Frau Korters. Die lag nämlich mit einer Grippe flach und die Grete wollte schauen, wie es ihr geht. Nachdem das auch erledigt war, machte sich die Grete an den Teig für die Haferflockenkekse. Mittlerweile duftete es herrlich in Gretes Küche. Die Eieruhr gab pünktlich Laut und Grete trug den Kuchen auf den Balkon zum Auskühlen. "Hamse schon gehört. Frau Meier?" Grete hatte natürlich nicht. "Ich komme gleich Herr Heinevetter. Muss nur noch schnell ein Blech in den Ofen schieben."
Keine Fünf Mionuten später stand die Grete wieder auf ihrem Balkon. Eingemummelt in eine dicke Strickjacke. Sie zündete sich eine Zigarette an. "So, Herr Heinevetter, dann erzählense mal. Was soll ich schon gehört haben!"
"Na, dass der mit dem Scheibenwischer tot is!" Scheibenwischer sind am Auto! Beinahe wäre der Grete das herausgerutscht. Aber da sie es bereits im Radio gehört hatte, wusste sie was ihr Nachbar meinte.  Grete mochte ihn ja gerne, den Herrn  Hildebrandt. An seine Sendung "Scheibenwischer" hat sie nur gute Erinnerungen. Tränen gelacht hat sie oft. Kurz, nur ganz kurz schwelgte die Grete mit dem Herrn Heinevetter in Erinnerungen an so manche Sendung. Und an Sendungen die die Grete überhaupt nicht mag. Vor allem die mit Harald Schmidt. "Unter der Gürtellinie", regte sie sich auf. "Wie der Pocher!" Bis Herr Heinevetter sich über einen komischen Geruch wunderte.

"Und nu isser tot, der Hildebrandt, Lieschen, und damit geht wieder ein Stückchen Fernsehniveau verloren. Kabarettist - meinste heutzutage kennt einer noch das Wort? Comedians sagense jetzt alle. Is ja nich so, dass ich da nicht welche von mag. Den Mario Barth mag ich schon oder den Rüdiger Hoffmann. Oder so leichte Satiriker wie den Dudenhöffer und den Becker. Sag mal kannst dich noch an die Misfits erinnern? Da hab ich mich auch immer schlappgelacht." Grete und Lieschen ließen gestern in Gretes Küche noch so manchen Komiker wieder auferstehen. Urahne, Großmutter, Mutter und Kind ... der gute Heinz Erhardt. Oder Loriot mit seiner Nudel. Nach dem Apfelkuchen wanderten, zwischen fröhlichem Geplauder und ziemlich lautem Gelächter, Gretes Schnittchen in beider Münder. Lieschen verschüttete beinahe ihre Cola, als Grete theatralisch "Die Killerdackel greifen an" vorführte. "Eh boa ey, voll der Vollmond ... schein schein" Dabei fiel sie selber fast vom Stuhl.
"Siehste Grete", japste sie nach einem erneuten Lachanfall. "Das ist Glück. Das wir hier in deiner Küche sitzen, Apfelkuchen, Haferflockenkekse und Schnittchen essen, und lachen bis der Arzt kommt. Apropos Kekse, haste doch keine gebacken?"
"Doch", antwortete die Grete," aber die sind verbrannt. Weil ich mich mit Herrn Heinevetter über den Hildebrandt unterhalten habe, während das Blech im Ofen war. Naja und über den Harald Schmidt und den Pocher. Die kann ich ja vor Augen nicht sehen. Hab mich halt was aufgeregt und die Eieruhr nicht gehört."
Lieschen grinste. "Verbrannte Kekse! Und wer ist es schuld? Mal wieder der Pocher. Typisch. Einen Protestbrief müssen wir schreiben. Ja genau Grete. An die BILD. Ich sehe schon die Schlagzeile. Pocher der Haferflockenkeksmörder. Eine Frau klagt an!"


Was Lieschen davon hält könnt ihr hier nachlesen ---> KLICK
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Kommentare:

  1. Grete, das tut mir auch leid. Ich mochte Hildebrandt sehr. Vor allen Dingen dann, wenn er improvisierte.
    Ich hofe, dass du die verbrannten Kekse verkraften konntest. Apfelkuchen mit Sahne ist doch was sehr schönes. Und so ausgelassen hättet ihr in eurem Stammcafe niemals sein können.
    Eigentlich möchte ich mal Mäuschen spielen bei euch. Ein frommer Wunsch, oder?
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Stimmt, in Gretes Küche ist es auch lustig. aber im Cafe haben die zwei ja auch immer was erlebt.
      Danke dir
      Gruß vonner Grete

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  2. Hallo Grete,
    Du hast zwei Komiker aufgezählt, die wir schon Live gesehen haben: Rüdiger Hoffmann und Jürgen Becker. Beide finde ich exzellent. Bei Mario Barth waren zuletzt zu seiner Fernsehaufzeichnung zu "Willkommen bei Mario Barth"; wird Mitte Dezember auf RTL gesendet. Heinz Erhardt fand ich klasse. Dieter Hildebrandt auch, obschon ich ihn insgesamt etwas seltener gesehen habe.

    Schönen Abend
    Dieter

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    1. Ja, lieber Dieter, die Live-Programme stelle ich mir gut vor. Leider habe ich so etwas noch nicht erlebt. aber was nicht ist, kann ja noch werden.
      Gruß vonner Grete

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  3. Kekse und Apfelkuchen - ein Treffen mit einer lieben Freundin, dann ein Schwätzchen mit dem Nachbarn, das hört sich nach einem entspannten Tag an.
    Hildebrandt - so richtig warm bin ich mit ihm nicht geworden, aber gelacht habe ich auch oft und gern. Er war alt, trotzdem trifft es mich, man spürt die eigene Sterblichkeit so deutlich.
    Wieder einmal sehr gelungen und lesenwert Geli

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    1. Liebe Geli, du sagst es. Man spürt die eigenen Sterblichkeit. Wobei ich da eweniger an mich denke, sondern an die Familienmitgleider die im sleben oder ähnlichem alter sind wie Dieter Hildebrandt.
      Gruß vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...