Dienstag, 12. November 2013

Das Fräulein Grete Meier hätte es wissen müssen

Das Fräulein Grete Meier hätte es wissen müssen 

Heute war einfach nicht mein Tag. Seufzend ließ sich das Fräulein Grete Meier in ihren Sessel sinken. Eigentlich, dachte sie weiter, eigentlich hätte ich es heute morgen schon wissen müssen, als der Kaffee alle war. Aber man schiebt ja erstmal alles weg. Wird schon werden. Alles nicht so schlimm, Grete. Trinkste eben Tee. Doch das Wegschieben negativer Gedanken brachte der Grete nicht das Geringste. Unausweichlich schossen Ärger, sowie kleine und mittlere Katastrophen, auf sie zu. Wie ein Wirbelsturm, dem man nicht entgehen kann. 
Beim Anziehen zerriss die Strumpfhose. Natürlich war kein Ersatz mehr da. Die Grete entschied sich für Socken und einen Hosenanzug, statt ihrem obligatorischen Kostüm. Der, wie kann es auch anders sein, noch aufgebügelt werden musste. Nach dem Bügeln konnte die Grete zwar in einem völlig knitterfreien Anzug ins Büro fahren, aber auch mit einer Brandwunde am Unterarm, weil nämlich in der Hektik der Arm aus unerklärlichen Gründen dem heißen Eisen im Weg war. Ein schwerer Unfall  auf der Autobhan führte zu einem Stau, in dem die Grete natürlich festsaß. Für volle zwei Stunden. Als die Grete dann endlich im Büro ankam, stand ein völlig aufgelöster Chef vor dem Kopiergerät und diskutierte heftigst mit Susi und Eido. Jedwedes Lämpchen an dem Gerät leuchtete und zudem piepte es permanent. Scheinbar hatten alle drei hier mal gedrückt und da mal dran gezogen, um das streikende Gerät wieder ans Laufen zu bringen. Grete riss noch im Mantel einfach den Stecker raus. Sie kannte das schon. Einfach ausstecken, ein paar Minuten warten, wieder einstecken und das Ding läuft wieder. Nur heute eben nicht. Stecker rein, wieder raus, wieder rein. Tot. Der Geist des Kopierers schwebte irgendwo im Nirwana.  "Chef, ich sag ihnen schon seit Wochen, dass ein  neuer her muss. Jetzt haben wir den Salat. Ausgerechnet heute, wo die Rechnungen raus müssen!" Da es sich nämlich um ein Multifunktionsgerät handelt, war somit auch das Drucken für heute nicht möglich. Eido rettete zumindest die Rechnungssache. Er hievte zusammen mit Simon kurzerhand das Multifunktionsgerät aus der Versandabteilung in das Vorzimmer und schloss es auch gleich an. Beim Anblick von Simon brach Susi in Tränen aus und flüchtete in die Damentoilette. Grete schaute Simon scharf an. Der zuckte jedoch nur mit den Schultern und machte, dass er aus dem Büro kam. Grete blieb nichts anderes übrig als der Susi zu folgen. Die lehnte am Waschbecken und schluchzte zum Gotterbarmen. "Kindchen, was ist denn los?" Susi schluchze noch lauter. "Der Simon, der Simon, der hat eine andere ...!"  Grete mochte das nun überhaupt nicht glauben. "Der Simon doch nicht. Wie kommste denn darauf?" Unter weiteren Schluchzen erzählte die Susi, dass sie ihren Simon gestern Arm in Arm mit einer dunkelhaarigen jungen Frau gesehen hatte. In einem Café. "Und mir hat er erzählt er müsse lernen. Nie wieder will ich ihn sehen, diesen Mistkerl. Nie wieder!" Grete drückte der Susi ein Papiertaschentuch in die Hände. "Nu beruhige dich mal. Dafür gibt es bestimmt eine Erklärung. Du müsstest doch den Simon eigentlich gut genug kennen. Sowas macht der nicht." So etwas wie Hoffnung glomm in Susis Augen auf. "Meinense, Frau Meier?"
"Mein ich nicht nur, weiß ich", erwiderte die Grete und machte sich auf die Suche nach Simon. Des Rätsels Lösung - besagte junge Dunkelhaarige war Simons Schwester. Er hatte sich mit ihr getroffen, damit sie ihn wegen eines Weihnachtsgeschenkes für Susi berät. Gut, dass mittlerweile die Mittagspause anstand. Grete verfrachtete beide in die Küche, damit sie sich aussprechen konnten. Sie selber verzog sich samt Heidi Seelig und Berta Kalt in ihr Vorzimmer. Mit deren Hilfe war dann die Rechnungsangelegenheit schnell vom Tisch. Grete ließ die Tastatur klappern. Heidi Seelig faltete und die Berta tütete alles ein. So konnte die Grete später doch noch alles pünktlich zur Post bringen. Auf der Fahrt nach Hause, rannte ihr zwar noch eine schwarze Katze beinahe vor das Auto - Natürlich kam sie von links - aber das war der Grete jetzt auch egal. Sie wollte nur noch in ihren Sessel. Vorher musste sie aber noch Kaffee und Strumpfhosen kaufen. An der Kasse stellte sie fest, dass sie ihre Geldbörse im Büro liegengelassen hatte. Jetzt reichte es der Grete endgültig. Nix mehr pack ich heute an. Nix mehr.

Gerade als das Fräulein Grete Meier etwas zur Ruhe gekommen war, klingelte es an der Tür. "Bitte, lieber Gott, bitte. Keine Katastrophen mehr heute. Das halte ich nicht aus", murmelte sie noch, bevor sie öffnete. Herr Heinevetter, na dieser Schimanskiverschnitt hat mir gerade noch gefehlt. Grete war noch immer auf ihn sauer. 
Der wirkte reichlich bedrückt. Mit beiden Händen streckte er der Grete einen Blumenstraß entgegen. "Für sie Frau Meier, weil sie mich doch gestern gerettet haben. Es tut mir wirklich leid, dass ich mich so dämlich verhalten habe." Ganz zerknirscht klang das.
Grete überlegte nur einen winzigen Augenblick. "Sagense mal Herr Heinevetter, haben sie Kaffeepulver?"


Was Lieschen davon hält könnt ihr hier nachlesen ---> KLICK
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Kommentare:

  1. Ja liebe Grete, es gibt Tage, die hakt man am Besten sofort ab und denkt nicht mehr daran. Aber doch schön zum Abend noch einen Blumenstrauss von Herrn Heinevetter bekommen zu haben, das tröstet über das Chaos hinweg.

    Einen geruhsamen Abend und liebe Grüße
    Angelika

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    1. Im Grunde lacht man ja später über solche Tage. aber in dem Moment..nee, da wünscht man sich nur sonst wohin..
      Danke dir.
      Gruß vonner Grete

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  2. Tage, wie man sie nicht braucht....
    Oder doch vielleicht? Zeigen uns diese Tage nicht manchmal, wie verplant unser Leben ist?
    Ich sehe sie förmlich vor mir, all die kleinen Katastrophen, die geschehen, wenn etwas aus dem Ruder läuft, nicht so ist, wie gewohnt. Das sind dann Kettenreaktionen, eins kommt zum anderen und ich frage mich, wie viel ist davon dann noch Zufall.

    Natürlich hat sich Grete bemüht, alles auf die Reihe zu bringen und natürlich ist ihr das auch gelungen. Aber was ist der Preis?
    Da sind ganz viele "Muss" dabei und Grete hat gar keine Zeit, sich zu fragen, was das mit ihr macht.

    Ich kann nur hoffen, dass diese Tage sehr selten sind.

    Am Ende gibt es eine kleine Entlastung, sowohl für Grete als auch für den Leser. Der Blumenstrauß von Herrn Heinevetter bringt den Tag noch zu einem versöhnlichen Abschluss. Na ja und der Kaffee ist auch gerettet, ohne dass Grete noch mal los muss - vermute ich mal.

    Das liest sich rasant und ich bin richtig mitgegangen,was Gretes Gefühle angeht. Gern hätte ich mal dazwischen gerufen: Stopp!
    Aber im Ernst: Mir wäre es kaum anders ergangen.

    Jetzt hoffe ich, dass Grete einen ruhigen Abend hat und eine ebensolche Nacht.
    Lieben Gruß
    Enya

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    1. Verplant stimmt schon. Aber ohne Planung... ich weiß nicht. Ich glaube da würde Chaos herrschen. Vielen Dank dir.
      Gruß vonner Grete

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  3. Hallo liebe Grete,
    ja, ich glaube solche Tage hat jeder schon erlebt. Und sich ärgern und aufregen hilft da gar nicht weiter. Am besten: Augen zu und durch. Und später kann man darüber lachen. Erst allein und wenn man mag dann auch noch im Kreis von lieben Mitmenschen, die man an seinen Erlebnissen teilhaben lässt…..

    Liebe Grüße
    Uschi

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    1. Du sagst es . Augen zu und durch..es kommen ja auch wieder die guten, die besseren Tage.
      Vielen Dank an dich
      Gruß vonner Grete

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  4. und wieder eine köstliche geschichte...armes armes Gretchen, was macht sie aber auch für sachen, immer für alle und jederzeit da sein - einspringen, hüpfen, dazu springt die Technik im Kreis, dafür ist dat Gretchen doch gar nicht zuständig!!!! das kann gar nicht gutgehen und auch noch Alles an EINEM Tag...
    ich würd wie Rumpelstilzchen im Kreis springen....
    hoffe, dat Gretchen erholt sich bald von dem tag oder hat sich schnell wieder erholt denn die geschichte ist ja schon ein paar tage ausgestanden und sone kommt hoffentlich nicht so schnell wieder, lacht Angel...
    angenehm's Nächtle...

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...