Donnerstag, 22. August 2013

Froschschenkel mit Biss





Froschschenkel mit Biss



Lieschen, Sonne, Zitronenrolle (genau in dieser Reihenfolge!) und jede Menge Spaß, was will man mehr? Die Grete jedenfalls - nichts. Rundherum zufrieden war die nämlich gestern Nachmittag. Obwohl sie leicht lädiert am Cafe ankam. Gestürzt war sie die Grete. Mit dem Fahrrad. Das rechte Knie aufgeschlagen und eine Schramme auf der rechten Wange. Das war die Fahrradklingel, die ihre Spur hinterlassen hat. Froschschenkel mit Biss. Das Fräulein Grete Meier trug es mit Humor. War ja selber schuld gewesen. Bordstein runter ist ja noch gutgegangen. Bordstein wieder rauf eben nicht. Wer nicht absteigen will muss fühlen.

Das Lieschen schaute zuerst etwas entsetzt, lachte dann aber mit der Grete. „Tja, du bist eben kein junger Hüpfer mehr, sollteste langsam wissen!“

Grete weiß, aber manchmal packt sie immer noch der Übermut einer 16-Jährigen. Wie neulich, als sie an der Rathaustreppe einfach das Geländer runtergerutscht ist. Knöchel verstaucht. Doch Grete ist das in solchen Momenten egal. Kocht der Übermut in ihr hoch, aus welchem Anlass auch immer, ist sie nicht zu halten. Die Folgen werden dann getragen wie ein Mann. Kein Jammern, kein Klagen, kein Bedauern.

Wie ein Mann, wie ein Mann? Lieschen kriegte sich gar nicht mehr ein vor Lachen. „Weißte noch, als dein Chef sich den kleinen Finger am Kopierer gequetscht hat? Von wegen, trag es wie ein Mann!“

Grete wusste noch, nur zu gut. Kühlpack, Schmerzsalbe, Verband und mindestens einhundert Kübel  Mitleid. Eine Woche lang. Seitdem muss die Susi immer kopieren.

Das Thema Weicheier schwebte dann noch eine Weile über den Zitronenrollen und sorgte für weitere Lachanfälle. Zumindest bei Lieschen und Grete. Den jungen Herren am Nebentisch (Latte macchiato wie kann es anders sein) schien es nicht so zu gefallen, denn immer wieder trafen missbilligende Blicke die zwei. Grete störte das nicht, Lieschen amüsierte sich köstlich darüber. Wie heißt es doch so schön: Der Lauscher an der Wand …

Womit die Grete dann vorerst bei dem aktuellen Thema Lauschangriffe blieb, um dann umzuschwenken auf das Thema, was sie schon seit gestern Abend beschäftigte. Fünfunddreißig  Jahre Haft für den WikiLeaks-Informanten Manning. Der hat nun wirklich Mitleid verdient, meinte die Grete. Fünfunddreißig Jahre! Das kriegt manch ein Mörder in Deutschland nicht aufgebrummt.

"Und ganz egal ob die den nach zehn Jahren wieder freilassen. Auch das ist zu viel. Ne, der Obama ist auch so ein Weichei. Will ein Exempel statuieren. Hätte er mal besser gemacht indem er sich zu der ganzen Sache bekannt hätte. Wie ein Mann hätte er das tragen sollen."

Strafe muss zwar irgendwie sein, findet die Grete, denn Regierungsgeheimnisse sind eben wie das Wort schon sagt, geheim. Dennoch, ein paar Monate auf Bewährung und unehrenhafte Entlassung wären genug gewesen.  "Hauptsache der Obama kann ruhig schlafen und seinen Kindern einen zweiten Hund kaufen." Da war sie wieder. Die Grete in Rage. Hochroter Kopf und schrille Töne.

Ungerechtigkeiten, egal wo, gehen ihr eben immer unter die Haut. Lieschen bestellte zur Vorsicht einen Grüntee für Grete. Das beruhigt ungemein, sagt sie immer. Und noch eine Zitronenrolle. Die beruhigt auch. Vor allem die Grete.

Ein lauter Schrei vom Nachbartisch, dem mit dem Latte, tat dann das Übrige zur Gretes Beruhigung. "Eine Biene, ein Riesenvieh  hat mich gestochen! Holt doch einer mal einen Notarzt. Aua, Au.  Mein Arm. Der fällt bestimmt gleich ab!"





Und wie das Lieschen die Sache sieht, könnt ihr hier lesen ---> KLICK

Kommentare:

  1. Fräulein Grete,
    da muss ich aber lachen. Ob dem smarten Boy der Arm abgefallen ist?
    Dein Sturz tut mir leid. Aber ich finde es toll,
    dass du noch Geländer-Sausen (so nannten wir das immer)machst, wenn dir danach ist. Solange man noch solchen Unsinn im Kopf hat, bleibt man bzw. ist man jung. Einfach weiter so.
    Die Sache mit Manning finde ich auch absolut überzogen. Man sieht also wieder einmal, auch Obama ist nur eine Marionette von irgendwelchen Drahtziehern.
    Mich berührt seit gestern die Giftgas-Affäre. Es ist doch schlimm, wenn man so wenig Achtung vor den Mitmenschen hat.
    Ich habe gelacht und bin nachdenklich geworden - alles ist in deinem Beitrag verankert.
    Liebe Grüße schickt Dir und Lieschen
    Irmi

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    1. Im Grunde, liebe Irmtraud, steht jeden Tag etwas in der Zeitung was bewegt. Manchmal möchte man sie einfach nicht mehr aufschlagen. Aber Kopf in den Sand ist auch keine Lösung.
      Lg vonner Grete

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  2. Sehe ich meinen Kommentar nicht oder ist er gar nicht erschienen, na egal. Morgen dann mehr von mir. Ich mag das Gretchen und das Lieschen und denke oft, ich kenne sie persönlich...
    LG Geli

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    1. Hallo liebe Geli, hat wahrscheinlich irgendwo,irgendwie irgendetwas gehakt. Immmer wieder schön dich hier zu lesen. Es drückt dich die Grete

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  3. Uiii, da hat sich die Grete aber viele Gedanken gemacht...nun, sie fließen quasi ineinander, verselbständigen sich und man kommt von hier nach da...von einem Fahrradsturz (das tut mir wirklich leid, hätte auch schlimmer enden können), über den Übermut (der uns doch jung hält und so herrlich gut tut), die Wehleidigkeit der Männer (warum ist das eigentlich so? Bei Krankheiten soll das am schwächeren Immunsystem liegen, aber bei Verletzungen?) bis hin zu den Ungerechtigkeiten, die Grete zu Recht zornig machen.
    Aufbegehren, nicht alles hinnehmen, zumindest sich noch aufregen können (auch wenn es manchmal sinnlos scheint), das ist nötig und zuweilen auch ein kleines Lebenselixier. Ich finde eh, man nimmt viel zu viel hin und finde es toll, dass Grete sich noch ereifern kann bei den großen Dingen. Manning tut mir auch leid, es passt nicht. Aber hier ist das doch ähnlich. Wird nicht die Strafe der Steuerhinterziehung gleich bemessen jener des Totschlags? Manchmal ist die Welt verrückt.
    Gut, dass Lieschen da ist und ein Auge darauf hat, dass Grete sich wieder beruhigen kann.

    Ich liebe übrigens Zitronenrolle. Mir lief schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammen.

    Geschrieben mit Esprit, Humor und dem nötigen Ernst, eine wunderbare Mischung, die schmunzeln lässt, aber auch nachdenklich stimmt.

    Lieben Abendgruß
    Enya

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    1. Die Blogs leben, machen Sinn, erst durch Menschen wie dich und natürlich all die anderen treuen Leser. Das spornt an. Die Grete und das Lieschen. Es ist für uns wirklich überraschend wie sehr du und auch andere sich mit den Texten auseinandersetzen.
      Vielen Dank und Guats Nächtle
      Lg vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...