Donnerstag, 29. August 2013

Werbung ist blöd



Werbung ist blöd



Schon zwanzig Minuten vor der verabredeten Zeit saß das Fräulein Grete Meier gestern im Cafe und wartete ungeduldig auf das Lieschen. Bedient war sie, aber so richtig. Vollkommen. Von vorne bis hinten. Eigentlich wollte sie sich ja nix anmerken lassen, als das Lieschen ankam. Zu peinlich war ihr das Ganze. Doch vor dem Lieschen lässt sich eben nichts verbergen. Zuerst hat sie fröhlich geplaudert aber dann, so zwischen Zwetschgenkuchen (mit Sahne!) und Toffeemuffins, konnte sie wohl nicht mehr. "Grete, ich seh doch, dass dir eine Laus über die Leber gelaufen ist. Oder zwei. Mir kannste nichts vormachen. Also spucks aus!" Zuerst zögerte die Grete, wand sich wie ein Aal. Dann spuckte sie ihren Frust aus. Flüsternd, mit vorgeneigtem Kopf, damit nur ja niemand an den Nachbartischen hören konnte, wie dumm die Grete sich verhalten hat. Lange Rede, kurzer Sinn, die Grete hat sich tatsächlich äußerst dämlich verhalten.  

Manchmal schaut sie sich Youtube–Videos an. Musik, Beauty, Politik oder auch lustige Clips. Vorangestellt ist ja meist eine kurze Werbung. In letzter Zeit öfter von der allseits beliebten braunen Brause, dessen Herstellungsgeheimnis auch in der Tat ein Geheimnis ist. Der Grete gefielen diese Werbeclips. Und ganz spontan, wie die Grete ist (Papperlapapp, nur manchmal!), hat sie sich eine ganze Stunde früher als sonst auf ihr Fahrrad geschwungen, ist zu einem Supermarkt gefahren, hat dort zehn Flaschen von der Brause gekauft und in ihren Einkaufskorb vorne am Lenker verstaut.

So bepackt ist sie zum Flussufer geradelt. Direkt zu einer kleinen Brücke. Dort halten sich in den wärmeren Monaten immer einige Obdachlose auf. Sie stieg vom Rad, schnappte sich eine Flasche mit dem Aufdruck - Trink ne "braune Brause" mit FREUNDEN – und drückte sie dem erstbesten Obdachlosen, der auf einer Bank saß, freudestrahlend einfach in die Hand. Bei dem war allerdings von Freude nicht mal ein Fitzelchen zu finden.  Im Gegenteil. Er ließ die Flasche fallen, schaute die Grete grimmig an und … ja, er bespuckte sie. "Was bildeste dir ein? – Unverschämtheit – Kann mir die Brause auch selber kaufen" – war da noch als harmlos zu bezeichnen. Die Grete stand ganz verdattert neben ihrem Fahrrad. Mittlerweile waren andere Obdachlose aufmerksam geworden und näherten sich der Bank. Die Grete machte schleunigst, dass sie wegkam. Aufgeben war aber nicht. Ebensolch eine Flasche schenkte sie einer älteren Dame, die mit ihrem Hund am Ufer spazieren ging, und einer jungen Frau, die einen Kinderwagen schob. Die ältere Dame schmiss die Flasche gleich in den nächsten Papierkorb, die junge Frau wehrte sich mit Händen und Füßen gegen das Geschenk. Sie zeterte so laut, dass man meinen konnte das Fräulein Grete Meier wolle sie vergiften. Einen Versuch machte die Grete noch. Ein Teenager mit einem Skateboard nahm die Flasche wenigstens an, nachdem die Grete ihm versichert hat, dass hinter der nächsten Hecke kein Kameramann hockt.

"Also in der Werbung haben sich immer alle gefreut", sagte sie, noch immer flüsternd, mit rotem Kopf, zu Lieschen. Die war sprachlos. Viel hat sie ja schon mit Grete erlebt. Aber Flaschen verteilen, mit so einem Aufdruck, an wildfremde Menschen? Nene, Grete, nene.

Gerade, als sie ansetzen wollte etwas zu Grete zu sagen, um sie aufzuheitern, oder um ihr die Meinung zu geigen ( man weiß es nicht so genau) kamen ein paar Skater am Cafe vorbei. "Echt Jungs, das hättet ihr sehen müssen. Da fährt so eine bekloppte Alte auf einem bunten Fahrrad, mit Froschklingel, am Ufer entlang und verteilt Flaschen mit brauner Brause. Mir hat sie auch eine geschenkt!"


 Und das Lieschen? Na, was dann noch passierte hat sie aufgeschrieben ---> KLICK

Kommentare:

  1. Der Drache grinst (ganz heimlich, still und leise) und bedauert das Fräulein Grete aus tiefstem Herzen. Die Menschen sind eben ein undankbares Gesindel, das Gutes nicht zu schätzen weiß. Nehmen Sie es nicht so schwer, Fräulein Grete!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aber nicht doch Herr drago, die Grete nimmts locker...und sagt Danke ..
      Gruß vonner Grete

      Löschen
  2. Das arme Fräulein Grete, sie tut mir leid, wollte gutes tun und niemand hat es registriert - braune Brause breitgins***
    Tja, Werbung und Realität sind zwei paar Schuhe, sie wird es noch lernen müssen. LG Geli

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja liebe Geli ... was anderes ist es doch ncht, gell? Die Brause ist braun... da gibt es nix dran zu Rütteln. Danke fürs Bedauern..
      Gruß vonner Grete

      Löschen
  3. Frl. Grete,
    neee - das ist eigentlich nicht zum Lachen. Ich glaube,
    die Menschen erwarten gar nicht, dass man etws Gutes tun will.
    Hättest du dem Obdachlosen eine Flasche Schnaps geschenkt, wäre
    die Reaktion sicher anders gewesen.
    Die Idee - ich wäre bestimmt nicht darauf gekommen - hat aber etwas.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich glaube, genau das ist es. Was unerwartet kommt, kann ja nicht gut sein.
      Dir einen schönen Freitag.
      Gruß vonner Grete

      Löschen
  4. Eigentlich wissen wir ja, dass Werbung nur selten genauso ist, wie sie sich darstellt.
    Ein wenig „heile Welt“ wird doch immer vorgegaukelt.

    Die Erfahrung, die Grete machen musste, ist zunächst sicher nicht schön, aber vielleicht ein wenig heilsam. Gutes zu wollen und auch zu tun, kommt eben nicht immer so an.
    Es zeigt auch, dass die Menschen hier ihre Erwartungen ziemlich tief schrauben, um nicht zu sagen, eigentlich gar nicht erwarten , dass jemand völlig selbstlos etwas Gutes für sie macht. Da muss dann ein Haken dabei sein. So sind wir schon – traurig irgendwie.
    Man lässt auch wenig an sich ran, fürchtet, in etwas hineingezogen zu werden.
    Gerade in der Stadt gehen die Menschen doch aneinander vorbei und Obdachlose oder auch leider oft alte Menschen werden eher als Ärgernis gesehen. Und normalerweise möchte man das nicht wahrnehmen.

    Ich kann zwar verstehen, dass es Grete im Moment peinlich ist, aber sie hat nichts falsch gemacht (außer vielleicht die Werbung zu real gesehen).
    Wenn niemand mal anfängt, die Distanz, die wir haben und aufbauen zu durchbrechen, würde sich nie etwas ändern.
    Im Prinzip ist das doch eine tolle Aktion.

    So kann ich Grete nur sagen: Wirklich nicht aufgeben (auch wenn mal was so schief läuft). Ich finde es prima, dass sie ihre Ideen doch so konsequent verfolgt.


    Lieben Gruß und schönes Wochenende
    Enya

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Enya, wie recht du doch mit allem hast. Freue mich wie immer sehr darüber, dass du dich mit dem Text auseinadergesetzt hast.
      Gruß vonner Grete

      Löschen

Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...