Samstag, 24. August 2013

Das Fräulein Grete Meier ist geladen



Das Fräulein Grete Meier ist geladen



Nicht  eingeladen. Zu einer Gala oder so. Auch nicht vorgeladen. Nein, nein, die Grete ist doch ein braver, gesetzestreuer Bürger. Meistens jedenfalls. Obwohl, eine Einladung hat sie doch heute im Briefkasten gehabt. Die Wahleinladung. Liegt jetzt gut sichtbar auf dem Sideboard im Flur. Damit die Grete den Termin bloß nicht verpasst. Wählen geht sie nämlich immer. Wer nicht wählt, soll auch nicht nachher jammern. Dieses "bringt doch nichts, wenn ich da hingehe" hört sie nicht gerne. Das gilt für sie nur in einem Fall. "Stell dir mal vor es ist Krieg und keiner geht hin" -  Grete kann sich das gut vorstellen. Und damit wären wir wieder beim Thema.

Das Fräulein Grete Meier ist geladen. Und wie. Sie kocht förmlich über vor lauter Wut und Unverständnis. Mörder sind das alle, Mörder. Am liebsten würde die Grete auf den Balkon gehen und es in die Welt hinausschreien. Mörder!

Und es ist ihr ganz egal, wer die Mörder sind. Und warum gemordet wird. Das gemordet wird, und dazu noch auf so grausame Weise, das ist der Punkt. Giftgas in Syrien. Wie unmenschlich. Und keiner will es gewesen sein. Natürlich ist jeder Krieg, jede Tötung eines Menschen nicht hinnehmbar. Die Grete verabscheut Krieg. Egal wo und egal zwischen welchen Staaten. Am liebsten würde sie die Verantwortlichen, diese selbsternannten Hüter von Recht und Ordnung, in eine Arena verfrachten. Sollen die doch dort, so Mann gegen Mann, ihre Streitigkeiten klären. Bei Wasser und Brot. Solange bis sie zur Vernunft gekommen sind. Wenn es sein muss Monate. Und wenn es dann immer noch nicht geht, kommt die Grete mit ihrem Schirm. Das hat ja schon bei der Karbach geholfen.

Natürlich sagt eine leise Stimme der Grete, dass es eventuell, aber wirklich nur mit Vorsicht betrachtet dieses eventuell, nicht anders geht. Also ohne Krieg.  Aber dann bitteschön, ohne Giftgas.

Grete hat die Bilder gesehen. Mit den vielen toten Kindern. Eingewickelt in weiße Tücher. Und geweint. Und mit Gott, ja auch mit dem, und der ganzen Welt gehadert. Weder Zigarette, noch Lieschens Grüntee, von dem sie sich einen kleinen Vorrat angelegt hat, noch der Herr Heinevetter konnten die Grete heute beruhigen. Spontan hat sie das Lieschen angerufen. Ist ja Samstag, Herrmann also nicht da. Lieschen hat gemerkt, wie aufgewühlt die Grete war. Hat sich die Saxonette von Herrmann geschnappt und ist sofort zu Grete gedüst. Was für eine Freundin. Die Grete ist jeden Tag dankbar, dass es das Lieschen gibt. Bei Kaffee und Haferflockplätzchen - macht die Grete immer selber – hat sich dann die Grete ganz allmählich beruhigt. Lieschen meinte nämlich, dass man die Verantwortlichen dafür bestimmt findet und zur Rechenschaft ziehen wird. So ganz überzeugend klang das zwar nicht, aber die Grete wollte vielleicht auch den leisen Zweifel in Lieschens Stimme nicht hören. Wer weiß das schon genau. Die Grete nicht und das Lieschen auch nicht. Ein bisschen Selbstschutz nennt man das wohl. Bei soviel Unglück und Ungerechtigkeiten, die tagtäglich auf einen einstürzen, ist das vielleicht das einzige Mittel, um nicht in Depressionen zu verfallen. Um das Leben in dieser merkwürdigen, teilweise kaltschnäuzigen Welt, überhaupt ertragen zu können. Um sich an einer Butterblume, in der mittig eine Hummel sitzt und Pollen sammelt, noch erfreuen zu können.  Um zu lieben.




Wie Lieschen das sieht und überhaupt ---> KLICK 

Achja, auch andere trinken Kaffee am Samstag ---->KLICK

Kommentare:

  1. ich finde das ganz wunderbar, was sie Frau Müller und die Frau Grete hier und bei ihr so treiben und frue mich sie beide zum empfangen.
    liebe samstagskaffeegrüße ninja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank ninja,
      dito sagen die Grete und das Lieschen. Auf guten Blogs sind wir gern zu Gast.
      Lg vonner Grete

      Löschen
  2. Ach Frl. Grete,
    sei froh, dass du eine so gute Freundin hast.
    Sie holt dich immer wieder aus deinem Tief heraus - und natürlich umgekehrt auch.
    Die Giftgassache ist fürchterlich - jeder Krieg ist schrecklich. Wir können uns aufregen - ändern aber leider nichts an der Tatsache. Und
    die Oberen machen ja doch, was sie wollen.
    Und den Wahlschein habe ich auch hier liegen. Ich werde Briefwahl beantragen. Sonst überlege ich es mir vielleiht doch noch anders.
    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    Irmi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein,liebe Irmi, an der Tatsache ändern wir nichts. Aber deshalb einfach schweigen? Das ist nicht Gretes Ding. Briefwahl ist gut. Das überlegt sich die Grete auch.
      LG vonner Grete und einen schönen Sonntag

      Löschen
  3. o. das gefällt miR.
    bRiefwahl auch hieR. ebenso wie kaffee.
    einen heRRlichen sonntag!
    liebe gRüße. käthe.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe fRau käthe, die Frau mit dem R-Tick ...schön, dass du die Grete besucht hast. Die war natürlich auch bei dir und hat Nettes entdecken können. Follow geht ja über Bloglovin aber dich hier in den Blogroll aufnehmen hat nicht funktioniert.
      Gruß vonner Grete

      Löschen
  4. Wut, Ohnmachtsgefühl, Trauer – ja, auch diese – das ereilt uns immer wieder angesichts solcher Schreckensnachrichten, wie sie Grete hier schildert. Jeder verabscheut es, möchte es zuweilen hinausschreien und bleibt dann doch zurück mit dem Gefühl, nichts tun zu können.
    Die Frage scheint berechtigt, ob es wirklich nicht anders geht, also ohne Krieg und es drängt sich der Gedanke auf, ob wir Krieg brauchen, um Frieden zu haben.
    Man muss sich vor Augen halten, dass Frieden ja an einen Kontext gebunden ist, in einem Zusammenhang und dem Zusammenspiel von vielen Dingen steht, dass aber dann auch jeder andere Vorstellungen von Frieden entwickelt. Jene, die unmittelbar diesem Schrecken ausgeliefert sind, ständig in Gefahr, ihr Leben zu verlieren, werden Frieden empfinden, wenn im Land kein Krieg herrscht, die Waffen ruhen. Für andere ist Frieden aber mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg, z.B. das Fehlen struktureller Gewalt, die in vielen Gesellschaften vorherrscht, Chancengleichheit, die Befriedigung der Grundbedürfnisse, also kein Hunger, keine Armut, Erfüllung des Rechtes auf Bildung, keine Ausbeutung, aber auch fehlende Gewalt in Form von Unterdrückung durch Worte. All jene Dinge begünstigen „Krieg“ und das wird von machtbesessenen Menschen ausgenutzt, jene, die nicht immer zur Verantwortung gezogen werden.
    So gesehen dürfen wir umso mehr unseren Ohnmachtsgefühlen Raum geben, anstatt zu schweigen auch einmal „schreien“. Ja, wir müssen uns empören wie Grete und wir müssen trauern um jedes Opfer.

    Wie immer ist Lieschen zur Stelle, sie tröstet, ist einfach da und die beiden Freundinnen üben das, was Grete „Selbstschutz“ nennt. Das ist genauso wichtig wie das „sich Empören“, das Trauern, die Wut, um letztlich Kraft und Lebensmut zu behalten und dem Guten und der Liebe, die uns innewohnen einen „Ort“ in sich selbst und dem anderen zu schaffen, der schließlich ja ein friedliches Miteinander erst möglich macht.

    Hier wurde ein Thema aufgegriffen, bei dem man natürlich hinhört, mitempfindet, aber das Schöne ist, dass dieses Thema eingebunden wird in die so normalen menschlichen Gefühle, die jeder – du und ich – kennt, mit denen man sich identifizieren kann. Dies mag helfen mit eigenen Gefühlen und dem , was wir so empfinden bei den Schreckensnachrichten und –bildern sich nicht allein zu fühlen. Danke dafür.

    Lieben Gruß
    Enya

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Enya, ich weiß schon bald nicht mehr was ich zu diesem aufmerksamen Lesen und deinen so ausführlichen Statements zu den Themen noch sagen soll. Es freut mich jeden Tag aufs Neue, dass du nicht die Geduld verlierst mich/uns zu besuchen.
      Einen wunderschönen Tag wünscht dir die Grete

      Löschen

Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...