Dienstag, 13. August 2013

Das Fräulein Grete Meier ist traurig



Das  Fräulein Grete Meier ist traurig



Heute war irgendwie ein trauriger Tag. Das Fräulein Grete Meier musste sogar ein wenig weinen. Zusammen mit der Berta Kalt. In der Gemeinschaftsküche. Bertas Hund ist am Montagabend eingeschläfert worden. Krebs.

Ganz verheult saß die Berta in der Gemeinschaftsküche. Wie ein Häufchen Elend. Um sie herum zig Papiertaschentücher drapiert. Berta hat keinen Mann, nur den Hund und einen Wellensittich. Und der Hund war nun nicht mehr. Für Berta eine Katastrophe, denn der Hund hat sie mehr als 15 Jahre begleitet. „Durch dick und dünn“, heulte die Berta. „ Der war immer da und hat mir zugehört. Und nu, was mach ich denn jetzt nur. Mit dem Welli kann ich doch nicht am Fluss spazierengehen, und auch nicht kuscheln.“ Da gab die Grete ihr recht. Das würde in beiden Fällen wohl eher einen ungünstigen Ausgang für den Vogel nehmen. Also heulte sie eine Runde mit, weiß sie doch, wie sehr die Berta an dem Tier hängt. Dann siegte mal wieder Gretes Veranlagung praktisch zu denken. Sie machte der Berta mit leisen Worten klar, welche Erlösung es für das Tier bedeutet hat. „Ganz sicher Berta, denk doch mal an die letzten Wochen. Das Bürschli (so nannte Berta immer ihren Hund) konnte sich doch kaum noch auf den Beinen halten, hat fast nur noch geschlafen und füttern musstest du ihn mit Spezialnahrung, weil er zu schwach war. Jetzt hat er seinen Frieden. Im Hundehimmel geht es ihm bestimmt nun wieder gut. Dort läuft er putzmunter herum und pinkelt dem Herrgott ans Bein.“ Beinahe hätte die Berta gelacht. Aber nur beinahe. Sie weinte nun noch lauter. Grete wurde ganz still neben der heulenden Berta. Lieschen hatte ja auch einen Hund gehabt. Der ist auch vor ein paar Monaten gestorben. Ob die auch so geweint hat? Merkwürdig, erst jetzt fällt der Grete auf, dass das Lieschen darüber kaum ein Wort verloren hat. 

Grete drückte sie fest und  langsam wurde die Berta ruhiger. „Meinste wirklich?“, schluchzte sie. „Aber ja doch, und wenn du mit dir mal ehrlich bist, dann weißte auch, dass ich recht habe. Das war doch kein Hundeleben mehr!“

Berta ließ sich tatsächlich beruhigen und die Grete konnte wieder an ihre Arbeit zurück. Musste aber den ganzen Tag immer wieder an die Berta denken. Und an das Bürschli. Und nicht nur daran. Auch an den  Prinz Friso, der ja nun doch gestorben ist, nachdem er solange im Koma gelegen hat. Wo die Familie doch immer Hoffnung gehabt hat, dass er wieder aufwacht. Obwohl die Ärzte das anders gesehen haben. Nu war all das Hoffen und Bangen vergebens gewesen.

Der Tierarzt hatte zu Berta gesagt, dass das Bürschli sterben wird. Und das Leiden des Tieres nur verlängert wird durch die Schmerzmittel und die Spezialnahrung. Darum wollte er vor vier Wochen schon, dass das Tier eingeschläfert wird. Die Berta hat das aber erst erlaubt, als sie selber gesehen hat, wie sehr das Bürschli leiden musste. Vorher hat sie auch Hoffnung gehabt. Jeden Tag aber ein bisschen weniger.

Ob die Familie von Prinz Friso auch jeden Tag ein bisschen weniger Hoffnung gehabt hat? Grete ist sich jetzt gar nicht mehr sicher, ob das alles beim Friso so richtig war. Natürlich kann und darf man einen Menschen nicht einfach so  einschläfern. Aber vielleicht hätte man damals gar nicht erst solange diese Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen sollen. Zumal die Ärzte doch alle wissen, ab welcher Zeit irreparable Hirnschäden entstehen, bei Sauerstoffmangel. Die Trauer wäre groß und heftig gewesen. Aber so lange hoffen hätte niemand brauchen. Der Schmerz ist doch jetzt sicherlich nicht kleiner und weniger heftig. Nur hinausgezögert.

Grete war ein bisschen ratlos und auch überfordert. Was, wenn der Prinz Friso ebenso wie das Bürschli während der ganzen Zeit im Koma gelitten hat? Die Grete mag gar nicht weiter denken. Schwierig das alles, das Leben und so und überhaupt. All die Entscheidungen die man treffen muss, Täglich. Für sich und manchmal auch für andere.




Und hier könnt ihr Lieschen Müllers Antwort auf den Post lesen ---> KLICK

Kommentare:

  1. Heute läuft mir eine Gänsehaut über, denn das Thema Sterbehilfe ist brisant, aber auch wichtig. Bei Tieren geht das schnell, aber beim Menschen ist die Entscheidung schwerwiegend. Ich habe darüber letztens sogar mal ein Buch geschrieben, das viele nicht lesen wollten, weil sie das Thema nicht mögen, nicht wollen. Wir sind alle unsterblich.....
    Ich habe eben fast ein wenig mitgeweint, der Hundeabschied ist mir schwer gefallen auch wenn der Text keineswegs rührselig ist.
    Kann man im Koma fühlen oder spüren, ich weiß es nicht, könnte es mir aber vorstellen. Niemand soll leiden, weder Mensch noch Tier. Wieder einmal ein toller Text Gruß Geli

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    1. Hallo Geli, ein Thema, welches immer polarisiert. Und das wird sich höchstwahrscheinlich n9emals ändern. Vielleicht ist das aber auch gut so.
      Danke dir für deinen Kommentar dazu.
      Lg vonner Grete

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  2. Jaja, es ist schon traurig, wenn man seinen Hund einschläfern muss. Und es ist unsagbar schlimm, wenn das eigene Kind stirbt. Das hat der Drago auch alles hinter sich. Der war da auch ganz schlimm traurig und hat geheult. Doch die Berta kann sich ja ein neues "Bürschli" holen. Dann geht es dem Fräulein Grete auch wieder besser.

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    1. Lieber drago, nicht schön zu hören. So eine Trauer kann nur der verstehen, der es selbst erlebt hat.
      Lg vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...