Samstag, 31. August 2013

Das Fräulein Grete Meier hebt den Daumen



Das Fräulein Grete Meier hebt den Daumen


Sowas von hoch. Sie streckt ihn bis in den Himmel.  Der heute zwar etwas grau daherkommt, doch das macht der Grete nix.

Da ja heute mal wieder Samstag ist, hat das Fräulein Grete Meier wie immer die Wohnung geputzt. Wer sie kennt, weiß - blitzeblank. Nach der üblichen Ichverschnaufmalkurzzigarette und einem kurzen Plausch mit dem Herrn Heinevetter, so von Balkon zu Balkon, hat sich die Grete an die Wäsche gemacht.  Korb voll, Treppe runter in den Keller, Maschine anwerfen und wieder hoch. Eine runde Kreuzworträtsel und ein Kaffee. Gretes Maschine läuft etwa eine Stunde, sofern sie nicht Handtücher oder Bettwäsche wäscht. Um ja nichts zu verpassen und um den Zeitplan einzuhalten, stellt die Grete sich immer die Eieruhr in der Küche. Irgendwann hatte sie nämlich die Wäsche mal vergessen, und es erst am nächsten Samstag gemerkt. Na, die hat vielleicht gerochen!

Die Uhr schrillte natürlich pünktlich. Also wieder … Korb voll, Treppe runter, Wäsche umladen in den Trockner, Maschine neu befüllen und flugs wieder rauf. Zum nächsten Kreuzworträtsel. Vier Stunden später war alles geschafft. Die Grete holte die letzte Wäscheladung aus dem Trockner. Jetzt noch alles falten oder auf Bügel hängen und ab in den Schrank. Von Bügeln hält die Grete nichts. Zumindest nicht direkt nach dem Waschen. Grete benutzt für fast alles den Trockner. Eine tolle Erfindung, meint sie. Kaum noch zerknittert ist die Wäsche nach dem Trocknen. Früher, ja früher, hat die Grete alles gebügelt. Stundenlang. Oft vor dem Fernseher, weil es ihr sonst zu langweilig war. Und was hatte sie davon? Kreuzschmerzen und sonst nix. Denn jedesmal, wenn die Grete ein gebügeltes Teil anziehen wollte, konnte sie nochmal drüberbügeln. Knicke vom Falten oder Abdrücke vom Bügel. Manchmal lag es einfach auch nur daran, dass zu viel im Kleiderschrank lag oder hing. Alles eng aneinander gequetscht oder zu eng aufeinander gestapelt. Zuerst hat sie es mit Aussortieren versucht, dann mit einem größeren Kleiderschrank. Das Ergebnis war nach ein paar Wochen immer wieder gleich. Gebügelt in den Schrank und zerknittert wieder raus. Lieschen hat diese Probleme bestimmt nicht, da sie auf dem Standpunkt steht, dass man so viele Klamotten eh nicht braucht.

Seit ein paar Jahren spart sich die Grete deshalb das Bügeln. Na, nicht ganz natürlich. Heute bügelt die Grete eben nur einmal. Nämlich erst dann, wenn sie das Teil auch anziehen möchte. Dafür hat sie eine kleine Bügelstation aufgestellt in ihrem Schlafzimmer, die immer betriebsbereit ist. Und ein, zwei Teile sind in Nullkommanix gebügelt. Ohne Kreuzschmerzen.

Nun, das letzte Wäschestück war verstaut, alles blitzte rundherum und für die Grete konnte das Wochenende beginnen. Kein Büro, kein Chef, kein ständig klingelndes Telefon. Herrlich.

Grete weiß, dass sie es gut hat. Sie kennt so einige Mitmenschen, die auch am Wochenende nicht von der Arbeit lassen können, oder die Arbeit nicht von denen. Wie man es nimmt. Manchmal geht sie mittags mit der Frau Wilde essen. Die arbeitet in einer Firma, gleich gegenüber von Gretes Büro. Auch im Vorzimmer. Aber der ihr Chef ruft auch am Wochenende oft an. Oder schriebt Mails. Fragt was, will was, erzählt was und die Frau Wilde muss springen. Akten vorbeibringen, Hotelzimmer buchen für den Chef, weil dem mal wieder erst am Samstag eingefallen ist, dass er am Montag nach Wiesbaden muss, usw.

Oft genug ist die Frau Wilde fix und fertig. "Mein Mann ist total sauer, weil ich immer ans Handy gehe! Aber was soll ich denn machen. Ich brauch den Job. Das Haus ist noch nicht bezahlt."

Grete versteht das mit dem Haus. Was sie nicht versteht, sind die ständigen Anrufe von Frau Wildes Chef. Ihr Chef würde das niemals tun. "Wochenende ist Wochenende", sagt der stets. "Es gibt nichts, was so eilig ist, dass es nicht auch am Montag erledigt werden kann."

Und deshalb hebt die Grete heute den Daumen. Bis in den Himmel. Weil sie nämlich gelesen hat, dass die Frau von der Leyen ebenso denkt. Kein Mitarbeiter des Bundesarbeitsministeriums wird mehr durch Telefonate oder E-Mails während der Freizeit gestört. Nur im äußersten Notfall. Und im Urlaub ist selbst das nicht gestattet. Wie hat Frau von der Leyen so schön gesagt: Eine Selbstausbeutung der Beschäftigten soll vermieden werden.

Klasse, findet die Grete. Einfach nur klasse. Und gleich am Montag wird sie den Zeitungsartikel, den sie feinsäuberlich ausgeschnitten und dann laminiert hat, der Frau Wilde geben. Die soll den mal ihrem Chef dezent auf den Schreibtisch legen. Grete würde im Falle des Falles den Text ihrem Chef ja einfach unter die Nase halten. Mit ein paar passenden Worten garniert. Aber Frau Wilde ist ja nicht Grete. 


Was Lieschen dazu sagt? ----> KLICK

Kommentare:

  1. Tja, Handy und Mail sind schon praktisch - aber oft auch lästig...
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Yep, so ist es. Allerdings lass ich am WE, mein Handy oft einfach am Bett liegen. Da hör ich es nicht. Danke fürs Reinschauen bei mir.
      Gruß vonner Greete

      Löschen
  2. Das Bügeln – ja, das ist so eine Sache und ich finde, Grete hat einen wunderbaren Weg für sich gefunden.
    Ich habe lange gebraucht als Jugendliche, meine Mutter zu überzeugen, dass man nicht alles bügeln muss, schon gar keine Unterhosen.
    Frau Wilde tut mir leid, solche Chefs sind unmöglich. Aber da greifen Abhängigkeiten, die schwer zu durchbrechen sind und es ist wie ein Teufelskreis.
    Ich denke auch, lösbar ist das nur, wenn die gute Frau Wilde das Ansinnen vom Chef mal ignoriert oder ihm ein klares Nein vor die Nase setzt. Wenn er sich querstellt, kann man immer noch diskutieren oder argumentieren, z.B., dass Arbeitskraft erhöht wird, wenn zuweilen auch Entspannung möglich ist.
    Was Frau von der Leyen angeht – sie kommt mir mit ihrer Aktion ein wenig vor wie die „gute Mutter“, voller Sorge um ihre „Kinder“. Selbstausbeutung wird sie damit nicht ausmerzen. Wer meint, er müsse, wird auch weiterhin...und trotzdem...und gerade....
    Es geht ja auch um die Strukturierung des Arbeitsprozesses.
    Viele haben vielleicht das Gefühl, am Montag früh sich erst mühsam zusammensuchen zu müssen, was andere am Wochenende erfahren haben und geraten ins Hintertreffen.
    Schwierig, denn Ereignisse, die Entscheidungsprozesse fordern, ruhen ja in den beiden Tagen nicht unbedingt.
    Verrückte Welt.

    Lieben Gruß
    Enya

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lach, ja das mit den Unterhosen kennt die Grete auch noch.
      Und solche Chefs, gibt es leider noch wie Sand am Meer. Selbst wenn die auch Famile haben, die sich beschwert. Die schnallen es nicht. Danke dir, liebe Enya.
      Gruß vonner Grete

      Löschen

Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...