Dienstag, 20. August 2013

Von Willigen und Unwilligen



Von Willigen und Unwilligen



Heute morgen hat das Fräulein Grete Meier den Herrn Heber auf dem Parkplatz getroffen. Geschafft sah der aus, aber so richtig. Als ob er ein paar Nächte nicht geschlafen hätte. Zuerst hat die Grete ja gedacht, dass das Baby den Herrn Heber wachhält, aber das war nicht die Ursache. Zuviel Arbeit momentan, erzählte ihr der Herr Heber. Und keine Leute. Also Überstunden. Jede Menge. „Zwei haben gekündigt. Gehen zur Meisterschule. Ist ja auch vernünftig. Aber der Chef findet einfach keinen. Das geht jetzt schon seit drei Monaten so.“

Der Herr Heber ist Installateur (Praktisch, wie der Herr Heinevetter findet) und das mit Leidenschaft. Heute sah das aber weniger leidenschaftlich aus.

Also sowas, der Chef findet keine Mitarbeiter? Kann man das glauben, wo doch so viele arbeitslos sind?

„Könnense glauben, Frau Meier, könnense. Dreimal hatten wir jetzt schon jemanden vom Arbeitsamt. Einer hatte es mit dem Rücken, der andere Asthma und der dritte ist einfach ohne Grund nach drei Tagen nicht mehr zur Arbeit erschienen. Naja und gestern kam dann der Kevin. Auch vom Arbeitsamt. Ausbildung fertig und dann wurde der auf die Straße gesetzt. Mist sowas für die jungen Leute.“

Dem konnte die Grete zustimmen. Hört man ja immer wieder. Azubis scheinen für viele einfach nur billige Arbeitskräfte zu sein. „Na Herr Heber, dann noch einen  schönen Tag und viel Erfolg mit dem Kevin.“

Der Herr Heber lachte nur grimmig. „Frau Meier, wissense, mit dem wird das auch nix. Der hat sich gestern schon aufgeregt, dass er bis sechse arbeiten musste. Gefragt hat er mich, ob das immer so sei. Da hätte man ja nix mehr vom Leben, bei den Arbeitszeiten. Komische Einstellung. Notdienst fällt halt immer mal an in dem Beruf. Wusste er doch vorher. Und von Fachwissen keine Spur. Der weiß so gut wie nix. Wie der durch die Prüfung gekommen ist, ist mir ein Rätsel. Ich bin selber doch erst dreißig. Aber manchmal kann ich die jungen Leute nicht mehr verstehen. Geld verdienen, das wollnse alle, aber was dafür tun? Hab ihm gestern noch Fachlektüre gegeben. Und, was glaubense Frau Meier, liegengelassen hat er die Bücher! Im Spind. Nee, ich fahr jetzt besser mal Frau Meier, sonst ärger ich mich nur noch mehr.“

Etwas ratlos und perplex blieb das Fräulein Grete Meier  auf dem Parkplatz zurück. Auf dem Weg ins Büro dachte sie intensiv über die Sätze von Herrn Heber nach. Kann es denn wirklich sein, dass die jungen Leute alle so sind? Grete ist sich da nicht so sicher. Vor ihrem geistigen Auge erschien der Simon. Der Azubi aus der Werbeabteilung. Null Bock auf Schule, kein Schulabschluss, keine Perspektive. Doch dann hat er sich gefangen. Und einen eisernen Willen gezeigt. Hat den Hauptschulabschluss nachgeholt und ist einmal in der Woche bei Grete im Vorzimmer erschienen. Mit Produktzeichnungen und passenden Werbeslogans. Solange bis der Chef ihn Probe arbeiten ließ. Eine komplette Woche hat der Simon jeden Tag mehr als zehn Stunden vor dem Computer gesessen und die Firmenwebsite auf neue Beine gestellt. Aber sowas von neu. Der Chef hat ihn gelassen und war vom Ergebnis total begeistert. Gab ihm sofort einen Ausbildungsvertrag. Nachgelassen in seinem Eifer hat der Simon bis heute nicht. Bei ihm hat die Grete dann auch gelernt mit Grafik- und Bildbearbeitungsprogrammen umzugehen. Und der Chef kann jetzt sogar einen Post auf facebook verfassen. Nee, Herr Heber, sie haben einfach nur Pech gehabt. Alle sind nicht so. Und der Kevin vielleicht auch nicht.

Gleich heute abend wird das Fräulein Grete Meier mal zu den Hebers hoch gehen und den Herrn Heber mal bitten, dem Kevin eine Chance zu geben. Das Lieschen würde das sicher auch so machen.

Oder irrt sich da die Grete? Mischt sie sich vielleicht immer mal wieder zuviel ein? Ach, denkt die Grete. Ist doch egal. Ich bin nun mal so und schließlich muss ich mich noch im Spiegel anschauen können. Und sollte mir das Lieschen den Kopf waschen, dann geh ich in mich. Ändern geht immer - ein bisschen. Zumal, das gibt die Grete ganz ehrlich zu – Lieschens Tipps der Grete gelegentlich ganz gut tun. 




Und was das Lieschen dazu sagt, könnt ihr hier lesen ---> KLICK

Kommentare:

  1. eine schwierige Angelegenheit, wenn man immer das Gute im Menschen sieht, dann kann man sich nicht vorstellen, dass alle Jugendlichen so sind, sind sie auch nicht so meine Meinung, es gibt gewaltige Unterschiede und ich drücke Kevin die Daumen.

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    1. Danke Geli, fürs Daumendrücken für den Kevin und überhaupt.
      Lg vonner Grete

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  2. Frl. Grete, das sind Probleme, die sich heute stellen.
    Wir leben immer noch in der NULL-BOCK-Phase. Es ist aber gut, dass du das Gegenstück kennst. Gottseidank gibt es diese Jugendlichen auch!
    Ich freue mich so, dass du zu mir gefunden hast. Ich weiss es genau, dass du und Lieschen ein unschlagbares Paar seid. Bist schon in meiner
    Blogroll aufgenommen. Ist doch Ehrensache!
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Hallo Irmtraud, welch Freude dich hier zu lesen. Danke für den Kommentar.
      Lg vonner Grete

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  3. Hallo Frl. Grete Meier,
    danke für den Eintrag in meiner Blog-Liste. Schön erzählt ... wie motiviert die jungen Leute sind, ist halt höchst unterschiedlich. In den Sonntagsgedanken in WDR2 wurde zuletzt gesagt, dass die jungen Menschen es verlernt haben, dass man sich anstrengen muss, um etwas zu erreichen. Dies könnte auch bei Kevin zutreffen.

    Gruß Dieter

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    1. Das sieht die Grete ähnlich. Herzlich willkommen hier in der Runde. Freue mich.
      Lg vonner Grete

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...