Donnerstag, 1. August 2013

Das Fräulein Grete Meier fährt Rad



Das Fräulein Grete Meier fährt Rad



Früher besaß das Fräulein Grete Meier ein schickes Mountainbike. Neongelb. Damit ist die Grete auch regelmäßig gefahren. Überhaupt hat sie früher so einiges an Sport gemacht. Mit den Jahren ist das alles weniger geworden und zuletzt ganz eingeschlafen.

Mit dem Alter wechselte dann auch der Fahrradtyp. Das Mountainbike musste zu Gunsten eines dunkelgrünen Hollandrades weichen. Welches allerdings seit geraumer Zeit (zwei Jahre, um es ganz genau zu nehmen) ein klägliches Dasein im Keller fristet. Das sollte nun geändert werden, denn die Grete hat sich fest vorgenommen, sich wieder sportlich zu betätigen. In Maßen versteht sich.
Am Mittwoch komme ich mit dem Rad zum Cafe, hat sie großspurig die Tage zum Lieschen gesagt. Das Auto bleibt zuhause.

Natürlich hat die Grete das Fahrrad zuerst  einer Inspektion unterzogen. Die Fahrradfrau hat ihr nämlich dazu geraten. Eigentlich war es dann doch mehr der Herr Heinevetter, der inspiziert hat. Der hat die Reifen aufgepumpt, die Bremsen und das Licht überprüft und was man sonst eben noch so alles prüfen muss. Frau Heber, die zufällig vorbeischaute, hat sich dann um die Optik gekümmert. Dunkelgrün, hat sie gesagt, wie langweilig. So fährt Frau heutzutage nicht. Lass mich mal da ran.

Zwei Stunden später war Gretes Rad nicht mehr wiederzuerkennen. Mit Glittersprühlack in Multicolor wurde der grüne Lack zu einem echten Glanzstück. Gretes Keller auch. Um das Lenkrad war eine Kunstblumenkette gewickelt, ebenso um den vorne befestigten Korb. Klingeltöne aus einem riesigen, knallgrünen Frosch rundeten das Bild ab. Grete ließ alle Verschönerungen widerstandslos über das Fahrrad ergehen. 

„Und“, fragte die Frau Heber, „ sieht doch super aus!“ Dabei schaute sie die Grete, begeistert ob ihrer Kunst, erwartungsvoll an.

Grete war skeptisch, wollte aber die Frau Heber nicht enttäuschen. Wo die sich doch so viel Mühe gemacht hat. Also lächelte sie breit und nickte zustimmend.

Komisch war ihr dann doch gestern auf dem Rad. Aber die Grete wäre nicht die Grete, wenn sie die merkwürdigen Blicke der Passanten nicht einfach ignoriert hätte. 

Natürlich, wie kann es auch anders sein, hat die Grete dann mal wieder übertrieben. Da die Fahrt zum Cafe höchstens 20 Minuten dauert und man mitten durch die Stadt muss, ist die Grete natürlich am Flussufer entlang gefahren. Fahrzeit mehr als eine Stunde. Schließlich muss es sich ja lohnen, hat sie vorher zum Lieschen gesagt. Und überhaupt, man liest ja in letzter Zeit immer so viel von Unfällen mit Radfahrern. Von Autofahrern die keine Rücksicht  auf die armen Radfahrer nehmen. 

Nach einer halben Stunde Fahrtzeit tat der Grete schon das Hinterteil arg weh. Und ihre Meinung über autofahrende Raudis löste sich unaufhaltsam in Luft auf. Trotz extrabreiter, rot markierter Spur fuhren doch einige Radfahrer mit einem Affenzahn auf dem Fußgängerweg. Fahrradklingeln ertönten unaufhörlich, ebenso wie spitze Schreie von am Ufer flanierenden Damen und wüste Beschimpfungen der begleitenden Herren. Es ging zwar immer alles glimpflich aus, was aber mehr dem Umstand zu verdanken war, dass die Spaziergänger blitzschnell und scheinbar geübt zur Seite sprangen. Zweimal allerdings musste auch die Grete Fußgängern ausweichen, die den Radweg als ihr Eigen betrachteten. Rücksichtnahme, Verkehrsregeln? Für viele wohl ein Fremdwort. Als ihr dann noch ein Auto auf den letzten paar Metern gefährlich nah kam, stieg sie ab und schob lieber ihr gepimptes Rad.

Das Fräulein Grete Meier war empört. Und rot im Gesicht, als sie beim Cafe ankam. Und ihr Hinterteil schmerzte. Und die Frisur saß auch nicht mehr. Und überhaupt, dass Lieschen war noch gar nicht da. Schon merkwürdig. Doch die Grete war zu sehr mit ihrem Zustand beschäftigt, um weiter darüber nachzudenken. Und sie hatte Durst. Und was für einen Durst. Und deshalb setzte sich die Grete an den stets für beide reservierten Tisch, bestellte ein Alsterwasser, steckte sich eine Zigarette an und wartete auf das Lieschen.






Kommentare:

  1. Da hat das Fräulein Grete doch prompt wieder einmal übertrieben. Allein die Signalfarben hätten doch potentielle Straßenrowdies, äh Autofahrer, schon aufgeschreckt und zur Vorsicht gemahnt. Und dann raucht das Fräulein Grete auch noch. Ich bin erschüttert. Da dachte ich immer, das Fräulein Grete sei ganz gesundheitsbewusst, aber - Pustekuchen. Das muss der Drache jetzt erstmal verdauen.

    AntwortenLöschen
  2. Aber aber, Herr drago ... das wussten sie nicht? Hatten sie nicht unlängst einen kommentar zu Ment- holz-zigaretten hinterlassen? So vergesslich können auch nur Drachen sein. Und übertreiben tut die Grete nie. Nie nicht nie...

    AntwortenLöschen
  3. Herrlich, ich möchte auch so einen grünen Klingelfrosch und dann die Fußgänger erschrecken, schade, dass ich (momentan) gar kein Fahrrad habe!

    So, nun gehe ich mal zu Fuß zu Lieschen rüber und schaue wie sie das sieht!

    Liebe Grüße
    Regina

    AntwortenLöschen
  4. Fußgänger erschrecken? Liebe Regina, da tun sich aber Abgründe auf. Mach lieber ein bisschen Musik, das ist erfreulicher und trifft bestimmt ins Herz. Danke für deinen Spaziergang.
    Lg vonner Grete

    AntwortenLöschen
  5. Glittersprühlack, Blumenkette und Klingelfrosch - WOW! So bunt gestylte Räder machen richtig gute Laune. Das Fahrrad würd ich zu gern mal sehen...
    Freut mich sehr, dass Grete sich zum Radeln entschlossen hat.
    LG

    AntwortenLöschen
  6. Und sie radelt jetzt sogar ins Büro. Zumindest, solange das Wetter mitspielt. Einen schönen Samstag wünscht die Grete.

    AntwortenLöschen

Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...