Freitag, 30. August 2013

Von Popcorn und feuchten Gebieten



Von Popcorn und feuchten Gebieten



Da saß sie nun, die Grete. Donnerstagabend, im Kino, letzte Reihe. Versteckt hinter einem Riesenbecher Popcorn. Mit roten Ohren, peinlich berührt und wusste nicht, wo sie hinschauen sollte. Nach vorne auf die Leinwand auf jeden Fall nicht. Zum wohl  hundertsten Mal innerhalb von zehn Minuten verfluchte sie den Moment, als sie Susi zugesagt hatte, mit ins Kino zu kommen. Weiß der Geier, welcher Teufel sie da geritten hat. Zuerst hatte sie ja auch nein gesagt, aber weil Susi, Berta Kalt und Heidi Seelig ihr vorwarfen prüde zu sein, hat sie sich dann doch überreden lassen. Prüde, nein das wollte das Fräulein Grete Meier nicht auf sich sitzen lassen. Jetzt hatte sie den Salat. Vorsichtig blickte sie zu Heidi Seelig, die rechts neben ihr saß. Die starrte zwar nach vorne, schien sich aber ebenfalls nicht recht wohlzufühlen in ihrer Haut. Das erkannte die Grete an der angespannten Haltung. Grete schielte nach links zu Berta Kalt. Die saß zusammengekrümmt da, als ob sie Magenschmerzen hätte. Nicht, dass die mir gleich auf mein Popcorn kotzt, dachte die Grete. Sie beugte sich ein wenig vor und riskierte hinter dem Popcorn einen Blick auf Susi. Die schien sich zu amüsieren. Jedenfalls lächelte sie  in Richtung Leinwand und nickte ab und an zustimmend mit dem Kopf. Wem, oder was diese Zustimmung galt, wollte die Grete gar nicht erst wissen.

Die ersten Minuten gingen ja noch, aber was dann so über die Leinwand flimmerte … Grete schüttelte sich allein schon bei dem Gedanken daran. Im Kinosaal war es recht still. Ab und an hörte die Grete mal das pubertierende Gekicher einiger Mädchen oder das röhrende Lachen von männlichen Spätpubertierenden. Grete war froh, sich für den Riesenbecher Popcorn entschieden zu haben. Bot der ihr doch jetzt genug Schutz vor all den glibbrigen Körpersäften die über die Leinwand schwallten. Die Ohren längst auf Durchzug gestellt, verharrte die Grete in ihrem Sitz. Zehn Minuten, fünfzehn Minuten und noch zweimal endlos scheinende fünf Minuten. Dann hielt sie es nicht mehr aus. Resolut stand sie ganz plötzlich auf. " Das is mir jetzt zu dumm. Egal was ihr von mir denkt. Dann bin ich eben prüde. Den Unsinn hier tu ich mir nicht weiter an. Ne, da bleibt einem ja das Popcorn einzeln im Hals stecken. Ich geh jetzt!" Sprachs, drückte der verdutzten Heidi Seelig den Popcornbecher in die Hand, schnappte sich ihre Tasche, quetschte sich an offenen Mündern und Gesichtern vorbei, die vor Ekel an Schieflage litten, und fand sich in Nullkommanix vor dem Kino wieder. Dort holte sie tief Luft, schüttelte sich noch einmal, schnappte sich dann ihr Fahrrad und machte dass sie nach Hause kam. In ihre Burg, hinter eine geschlossene Tür. Fernab von irgendwelchem Muschischleim und anderem Gedöhne. In Sicherheit.

Das Fräulein Grete Meier suchte und fand. In der hintersten Ecke im Schrank. Mirabellenschnaps. Selbstgemacht. Ein Geschenk von Tante Heidi. Für Notfälle hat auf der beiliegenden Karte gestanden.  Und so ein Notfall war jetzt da. Grete nahm einen tiefen Zug. Direkt aus der Flasche. Lieschen würde jetzt garantiert schimpfen, aber das war der Grete egal. Aufatmend ließ sie sich dann auf ihrem Sessel nieder. Prüde, prüde, na dann bin ich eben prüde. Eine prüde alte Schachtel. Den Preis zahle ich doch gerne, bevor ich mir so einen Mist nochmal antue.

Schon das Buch hat die Grete nicht gelesen. Auch  nicht Shades of Grey. Intim ist intim, das gehört nicht an die Öffentlichkeit. Und wie, oder mit was, oder mit wem man intim ist auch nicht. Ist denn heute nichts mehr dem Menschen heilig? Noch nicht mal die wunderbarste Sache der Welt? Muss alles breitgetreten, analysiert und von Kameras eingefangen werden? Wird das Wort Scham jetzt zum Unwort des Jahres gekürt? Grete nahm noch einen Schluck, und sehnte sich nach einer Zigarette und normaler Gesellschaft. Also ab auf den Balkon. Ganz bestimmt ist der Herr Heinevetter auch draußen und raucht.

War er auch. Grete war richtig erleichtert. Kein Muschischleim, keine Eiterbeulen und keine Hämorrhoiden, nur das Gesicht von Herrn Heinevetter. Allerdings etwas angespannt. "Ach Frau Meier, gut dass ich sie sehe. Wissense vielleicht ein Mittel gegen Durchfall? Also das lief heute wie …."

Und wie immer, hat das Lieschen auch eine Meinung zum Thema ---> KLICK

Kommentare:

  1. Feuchtgebiete, an mir sind sie vorbeigezogen und mein Interesse war nicht sonderlich groß, obwohl so ein wenig Erotik ist doch spannend. Ich frag mich oft, warum diese Sachen so großen Erfolg haben ob als Buch oder Film.
    Einen Mirabellenschnaps hätte ich wohl auch getrunken.
    Der arme Herr Heinevetter, aber Durchfall sind auch Feuchtgebiete und so schließt sich der Kreis. Bis bald lieben Gruß Geli

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    1. Lach, ja ...wie so oft im Leben ... schließt sich der Kreis. Vielen dank liebe Geli.
      Gruß vonner Grete

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  2. Frl. Greta,
    alle Achtung, dass du dir einige Mnuten dieses Films angetan hat.
    Prüde hin und prüde her - dann bin ich eben prüe.
    Ich gebe zu, dass ich das Buch habe - gelesen habe ich nur 40 Seiten, dann fand ich es zum Ko....
    Dass Herr Heinewetter nun auch noch Durchfall hatte ...das ist dann
    höhere Gewalt.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Die Grete liest schon viel, aber für sowas Geld ausgeben. Niemals..Vielen Dank für deinen Besuch hier.
      Gruß vonner Grete

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  3. ich habe das Buch nicht gelesen ... und den Film will ich mir auch nicht anschauen ... es würde mir vermutlich wie Fräulein Grete Meier gehen ;-)

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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    1. Oh, ein neues Gesicht hier ... und dazu noch so ein lustiges. Willkommen an Bord.
      Gruß vonner Grete

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  4. Nee, DAS tue ich mir auch nicht an und wate gedanklich in diversen Feuchtgebieten.
    Kann mir auch nicht vorstellen, dass so viele Menschen das echt gut finden. Der ganze Rummel um Buch und Film - das bewirkt doch höchstens, dass man meint, man müsse (dazugehören, mitreden können und so, halt nicht prüde sein....).
    Erotik....ja, aber subtil in den Worten, so dass Spielraum bleibt. Ich mag mir nicht "abartige" bilder aufdrängen lassen.

    Grete hat konsequent gehandelt, das kino auch noch kommentierend zu verlassen, ihr schon vorher gedachtes NEIN nun auch handelnd umzusetzen.
    Eigentlich benutzen wir dieses NEIN oft viel zu wenig, lassen uns breitschlagen.

    Den Schnaps hätte ich bestimmt auch gebraucht oder direkt im Kino Notfalltropfen genommen.
    Herr Heinevetter hat mein Mitgefühl und Grete irgendwie auch...zu viel an Feuchtgebieten für einen Tag, wie ich meine.

    Lieben Gruß
    Enya

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    1. Liebe Enya, stimme dir voll und ganz zu. Vor allem was das NEIEN betrifft. Viel zu wenig wird es nur gedacht und nicht ausgesprochen.
      Gruß vonner Grete

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  5. Man muss sich echt nicht alles antun - is sowieso egal, was die anderen sagen/denken. Gut, dass Grete gegangen ist...
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Du hast ja so recht. Und doch, man kann es sich vornehmen wie man will, ab und an gibt man doch wieder nach.
      Dank an dich
      Gruß vonner Grete

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  6. Du solltest ein Buch schreiben, das wäre mehr als amüsant, ich bin so eben von Eva zu Dir und Dein Post hat mir heute das erste Schmunzeln ins Gesicht gezaubert... jetzt lese ich mich noch weiter durch Deinen Blog, das hebt meine Laune bestimmt...
    Danke dafür und liebe Grüße
    Kebo

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    1. ...das kommt davon, wenn man einen Post liest, begeistert kommentiert und dann weiterliest... hab erst jetzt die ebooks gesehen...

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    2. Freut mich, wenn dir die Geschichten gefallen. Die e-books sind übrigens kostenlos. Viel Spaß beim Lesen...über eine Rezi würde ich mich natürlich freuen..
      Gruß vonner Grete

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    3. Würde ich so gern, hab's auch probiert, aber ich lebe in Südtirol/Italien und da kann ich das ebook leider nicht runter laden, soooo schade...
      Da bleibt nur durch den ganzen Blog lesen :-)
      Lieben Gruß zurück und schön, dass es Dir auch bei mir gefällt...
      Kebo

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    4. Google das E-book mal. Es ist auf den gängigen Portalen vertreten. Oder schau mal hier . Da sind die Portale verlinkt.
      http://das-fraeulein-grete-meier.blogspot.de/p/doppelt-gebloggt-halt-besser-das-e-book.html

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    5. Ja klasse, auf nem anderen Portal hat es geklappt, ich freu mich :-)

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Da freut sich die Grete aber, dass du was zu sagen hast ...